US-Probleme im Irak Die Nato soll helfen

Der Krieg ist längst vorbei, doch fast täglich sterben amerikanische Soldaten im Irak. Dem Senat in Washington wird das jetzt zu bunt. Präsident Bush soll die Nato um Hilfe bitten, forderte das Oberhaus des Kongresses in einer Resolution - und sparte nicht mit Kritik an der Regierung.




US-Soldaten im Irak
AP

US-Soldaten im Irak

Washington - Die Nato solle sich an der Friedenssicherung im Irak beteiligen, so die einstimmige Forderung des Senats. Auch die Vereinten Nationen sollten nach seinem Willen eingebunden werden. Weitere Staaten könnten Soldaten oder Polizeikräfte zur Befriedung des Iraks stellen, heißt nach US-Medienberichten in der von den demokratischen Senatoren Joseph Biden und Carl Levin eingebrachten Resolution. Für Präsident Bush hat der Beschluss keine bindende Wirkung.

Der demokratische Senator John Kerry aus Massachusetts sagte, die USA sollten mehr tun, um internationale Truppen an der Mission in Irak zu beteiligen. "Wir erkennen jetzt, dass die US-Regierung ohne einen genauen Plan zur Friedenssicherung in den Krieg gezogen ist." Es sei jetzt an der Zeit, dieser Wahrheit ins Auge zu sehen und den Kurs zu ändern, "um die Nachkriegslast zum Wohle unseres Landes international zu teilen".

Zuvor hatte der Bericht eines Pentagon-Rechnungsprüfers über die Kosten des Irak-Einsatzes für Unmut bei den Abgeordneten gesorgt. Nach Angaben des Prüfers Dov Zakheim wird der Einsatz bis zum Ende des Haushaltsjahres Ende September im Schnitt 3,9 Milliarden Dollar monatlich kosten. Im April waren die Kosten noch auf gut zwei Milliarden Dollar (1,77 Milliarden Euro) pro Monat geschätzt worden.

Bereits am Mittwoch hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärt, zur Stabilisierung der Lage würden die USA die Unterstützung von so vielen Ländern wie möglich begrüßen. Dazu gehörten auch die Kriegsgegner Deutschland und Frankreich, sagte er vor dem für die Streitkräfte zuständigen Senatsausschuss in Washington. Das US-Außenministerium stehe bereits mit Dutzenden Staaten und Militärorganisationen in Verbindung, um sie zur Entsendung von Truppen nach Irak zu bewegen. Auch die Nato sei angesprochen worden.

In Berlin und Paris ist der indirekte Aufruf auf Ablehnung gestoßen. In deutschen Regierungskreisen hieß es gestern, die Beteiligung an einer Friedenstruppe stehe nicht zur Debatte. Der französische Außenminister Dominique de Villepin sagte, französische Soldaten würden nur bei einem Uno-Mandat entsandt.

An der Seite der amerikanischen und britischen Truppen in Irak stehen bereits Soldaten mehrerer anderer Nato-Staaten, aber sie handeln nicht im Auftrag des Bündnisses. Zu den Staaten gehören Italien, Spanien und Polen.



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