Trumps Raketenpläne für Asien Peking droht USA mit Gegenmaßnahmen

Nach ihrem Austritt aus dem INF-Abrüstungsvertrag wollen die USA neue Raketen in Asien stationieren. China reagiert empört.

Ballistische Mittelstreckenrakete "Dongfeng" bei einer Parade in Peking (2015)
Kyodo News/ imago images

Ballistische Mittelstreckenrakete "Dongfeng" bei einer Parade in Peking (2015)


Keine US-Raketen "auf Chinas Türschwelle": Peking hat mit Drohungen auf US-Pläne reagiert, Mittelstreckenraketen in Asien zu installieren.

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte am Samstag angekündigt, schon bald bodengestützte Raketen stationieren zu wollen, die Ziele in bis zu 5000 Kilometer Entfernung erreichen können.

Bislang war die Stationierung solcher Geschosse für die USA und Russland wegen des INF-Abkommens verboten. Der 1987 geschlossene Vertrag hatte die nukleare Abrüstung in Europa zum Ziel. Am Freitag waren jedoch beide Staaten nach jahrelangem Streit darüber aus dem Abkommen ausgestiegen.

Nun kündigt Peking entschiedene Gegenmaßnahmen an, sollten die USA ihre Pläne tatsächlich umsetzen. Sein Land werde nicht "untätig zusehen", wie US-amerikanische Raketen in Asien stationiert würden, sagte Fu Cong, Generaldirektor für Rüstungskontrolle im chinesischen Außenministerium. Man sehe sich dann vielmehr zum Handeln gezwungen.

Peking richtet seine Warnung gegen die Verbündeten der USA in Asien: "Ich ersuche unsere Nachbarn, sich in Zurückhaltung zu üben und die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen auf ihrem Boden nicht zu erlauben", sagte Fu. Explizit sprach der Diplomat Japan, Südkorea und Australien an. Eine Stationierung dort sei nicht im Interesse ihrer nationalen Sicherheit.

Abrüstung für China "weder vernünftig noch fair"

Wie China genau reagieren will, sagte Fu nicht. Es seien aber "alle Optionen auf dem Tisch". Außerdem sagte er, Peking habe keinerlei Interesse an Verhandlungen, dafür seien die eigenen atomaren Bestände und die Reichweiten zu gering. Es sei "weder vernünftig noch fair" von China zu erwarten, sich an Abrüstungsgesprächen zu beteiligen.

Der asiatisch-pazifische Raum ist schon länger Schauplatz eines Kräftemessens zwischen China und den USA. Der Streit um den von China nicht anerkannten Inselstaat Taiwan, der nach chinesischer Lesart zum eigenen Staatsgebiet gehört, ist heikel. Ebenso die Errichtung künstlicher Inseln durch China, um das eigene Seegebiet auszuweiten. Zudem ist China Schutzmacht für die atomar bewaffnete Diktatur Nordkorea, die kürzlich selbst wieder Raketentests aufgenommen hat.

Die USA wiederum haben ihre Militärpräsenz in Asien in den vergangenen Jahren stark ausgebaut, um ein Gegengewicht zum erstarkenden China zu bilden. In dem Zusammenhang stehen auch die aktuellen Raketenpläne der Trump-Regierung.

Mit China befindet sich Washington bereits in einem eskalierenden Wirtschaftskrieg. Strafzölle der USA haben die größte Volkswirtschaft Asiens empfindlich getroffen. Washington wirft China nun Währungsmanipulationen zu Lasten des US-Dollar vor.

cht/Reuters



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