US-Regierung Bin Laden plant weiteren Anschlag

Die US-Regierung warnt vor neuen Terroranschlägen in den USA oder auf US-Einrichtungen in Übersee. Es gebe sehr glaubwürdige Informationen, dass der Terroristenführer Osama Bin Laden eine neue Attacke vorbereite. Vizepräsident Cheney wurde vorsichtshalber an einen sicheren Ort gebracht.


Nach Ashcrofts Ankündigung wächst in Manhattan wieder die Angst vor Anschlägen
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Nach Ashcrofts Ankündigung wächst in Manhattan wieder die Angst vor Anschlägen

Washington/Kabul - Der Chef der Heimatschutzbehörde, Tom Ridge, sagte am Dienstag, die Hinweise auf neue Terrorangriffe stammten aus vielfachen Quellen. Genaueres wollte er nicht preisgeben. Aus Regierungskreisen verlautete lediglich, die Informationen deuteten auf die Terrororganisation al-Qaida und den Terroristenchef Osama Bin Laden hin. Am Montag hatte Justizminister John Ashcroft die Amerikaner zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen, da die Gefahr weiterer Anschläge im Laufe der nächsten sieben Tage bestehe.

Ridge verteidigte die Entscheidung, die Öffentlichkeit trotz fehlender konkreter Hinweise zu warnen. Höhere Alarmbereitschaft der Behörden und Wachsamkeit der Bevölkerung könnten dazu beitragen, weitere Terroranschläge zu verhindern.

Erhöhte Alarmbereitschaft

Der Direktor der US-Bundespolizei FBI, Robert Mueller, sagte, die vorliegenden Informationen ließen offen, welcher Art die Anschläge und deren Ziele sein könnten. Er habe keine Hinweise, dass die Warnung im Zusammenhang mit den in den USA aufgetauchten Briefen stehe, die Milzbranderreger enthielten. Ashcroft und Mueller versetzten die Sicherheitsbehörden in erhöhte Alarmbereitschaft.

John Ashcroft: Es gibt "glaubwürdige Informationen"
AP

John Ashcroft: Es gibt "glaubwürdige Informationen"

"Es ist wichtig für das amerikanische Volk, dass diese Warnungen ernst genommen werden", sagte Ashcroft. "Wir glauben, dass das Land wachsam bleiben muss, dass unsere Feinde uns weiterhin hassen", fügte Präsident George W. Bush hinzu. Die US-Regierung hatte bereits am 11. Oktober eine ähnliche Warnung herausgegeben. Mueller sagte, sie habe möglicherweise dazu beigetragen, dass damals keine Anschläge verübt worden seien.

Cheney an sicherem Ort

US-Vizepräsident Dick Cheney ist nach der Warnung wieder an einen sicheren Ort gebracht worden. Das berichteten amerikanische Fernsehsender am Dienstag. Cheney werde aber von dort aus normal weiterarbeiten und per Telefonschaltung auch an allen Konferenzen des Weißen Hauses teilnehmen.

Cheney hatte sich seit den Terroranschlägen vom 11. September bereits mehrfach aus Sicherheitsgründen an anderen Orten als Präsident George W. Bush aufgehalten. Zuletzt war er nach Beginn der Militärschläge gegen Afghanistan Anfang Oktober für mehrere Tage aus den Augen der Öffentlichkeit verschwunden.

Bush kündigte außerdem eine "Verschärfung" der Visumspolitik an, um sicherzustellen, dass zum Beispiel Studentenvisa wirklich zu diesem Zweck genutzt würden. Die Regierung habe eine Sondereinheit zum Aufspüren ausländischer Terroristen aufgestellt. Sie soll mutmaßliche Attentäter nach Angaben des Weißen Hauses an der Einreise hindern, oder diejenigen, die bereits im Lande sind "aufspüren, festnehmen, vor Gericht stellen oder ausweisen".

Keine Hinweise auf Anschläge in Deutschland

Derweil verfügt das Bundeskriminalamt (BKA) nach eigenen Angaben weiterhin über keine Hinweise auf geplante Anschläge in Deutschland. Ein BKA-Sprecher sagte, die Einschätzung der Gefährdungslage in Deutschland habe sich in den vergangenen Wochen nicht geändert. Hinweise auf konkrete Anschläge lägen seiner Behörde nicht vor.

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