US-Regierung Bush schließt Entlassung Rumsfelds kategorisch aus

George W. Bush zeigt sich unbeeindruckt: Trotz wachsenden Drucks auf Verteidigungsminister Rumsfeld hält der US-Präsident an seinem scharf kritisierten Vertrauten fest. Eine Ablösung des Pentagon-Chefs sei ausgeschlossen.


Washington - "Ich entscheide, was das Beste ist. Und das Beste ist, dass Donald Rumsfeld Verteidigungsminister bleibt", sagte Bush heute vor Journalisten im Weißen Haus in Washington. Seine Entscheidung stehe endgültig fest.

Er habe sich die Kritik an Rumsfeld angehört, aber er habe "festes Vertrauen" in den Pentagon-Chef, sagte Bush. In den vergangenen Tagen war Rumsfeld verstärkt aus den eigenen Reihen kritisiert worden: Drei Jahre nach dem US-geführten Einmarsch in den Irak forderten am Wochenende sechs pensionierte Generäle seinen Rücktritt. Sie kritisierten seinen "überheblichen" Führungsstil und warfen ihm strategische Fehler vor.

Die jüngsten Vorwürfe wies Rumsfeld kühl zurück. "Wissen Sie, auch das wird vorbeigehen", sagte er einem Radiosender. "Bei diesen Dingen gibt es immer zwei Seiten, und je schärfer die Kritik daher kommt, umso schärfer fällt auch die Verteidigung aus von den Leuten, die mit den Kritikern nicht übereinstimmen", sagte Rumsfeld gestern in der "Rush Limbaugh Show".

Rumsfeld hatte sich schon vor knapp zwei Jahren - im Zuge des Folterskandals von Abu Ghureib - mit Rücktrittsforderungen konfrontiert gesehen. Nach eigener Darstellung bot er dem Präsidenten damals seinen Rücktritt an, was dieser abwies.

Bush gab heute zugleich die Ernennung des bisherigen Handelsbeauftragten Rob Portman zu seinem neuen Haushaltsdirektor bekannt. Für den neuen Haushaltsdirektor Portman sei die wichtigste Aufgabe, das Haushaltsdefizit bis 2009 zu halbieren, sagte Bush. Portman hatte seit fast einem Jahr mit der Welthandelsorganisation (WTO) wichtige Verhandlungen über die Liberalisierung des Weltmarktes geführt. Er folgt Josh Bolten, der am Freitag seinen Amtseid als US-Stabschef leistete. Portmans bisheriges Amt wird seine Stellvertreterin Susan Schwab probehalber übernehmen. Sie soll auch die Verhandlungen mit der WTO zu Ende führen.

Das Weiße Haus wird in den nächsten Tagen vermutlich weitere Personalwechsel bekannt geben. Damit will sich Bush aus der schwersten Beliebtheitskrise seit seinem Amtsantritt befreien. Ein Großteil der Bevölkerung ist mit der Lage im Irak unzufrieden, auch das schlechte Krisenmanagement während des Hurrikans "Katrina" und die Bestechungsskandale in der Republikanischen Partei haben dazu beigetragen, dass Bushs Umfragewerte gefallen sind.

hen/AFP/Reuters



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