US-Regierung Pläne für neue Atomrakete

Die USA planen offenbar nicht nur ein Raketen-Abwehrsystem, sie wollen auch eine neue Präzisions-Atomwaffe entwickeln. US-Präsident Bill Clinton gerät wegen seiner Rüstungspläne in der eigenen Partei jedoch zunehmend unter Druck.


Neue Rüstungspläne: Bill Clinton
REUTERS

Neue Rüstungspläne: Bill Clinton

Washington - Noch in dieser Woche soll der amerikanische Senat den Auftrag für die Entwicklung einer neuen Präzisionsrakete erteilen, berichtete die "Washington Post".

"Da die Atomwaffen in absehbarer Zeit nicht abgeschafft werden, müssen wir die Möglichkeit für die Entwicklung neuer Sprengköpfe offen halten", sagte der Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses, John Warner.

Entgegen den bisherigen Atombomben mit weit reichender Schlagkraft gehe es nun um Waffen mit präzise eingegrenzter Wirkung, um zum Beispiel kleine, von Terroristen gehaltene Gebiete treffen zu können. "Wir brauchen etwas, das einen in 300 Meter Tiefe im Granit sitzenden Bunker ausschaltet, ohne die umliegende Zivilbevölkerung zu töten", zitierte das Blatt einen Experten des Pentagon.

Der Führer der Demokraten im US-Senat, Tom Daschle, hat Präsident Bill Clinton unterdessen zu Vorsicht bei den umstrittenen Plänen für ein neues Raketenabwehrprogramm ermahnt. "Ich glaube, wir müssen bedenken, ob wir ein neues Wettrüsten auslösen. Alle unsere europäischen Verbündeten haben die gleichen Sorgen geäußert", sagte Daschle. Außerdem gebe es Hinweise, dass das System zum Abfangen feindlicher Raketen technisch nicht ausgereift sei. "Wenn wir die grundlegenden Fragen nicht beantworten können, weiß ich nicht, ob wir bereit sind, 60 Milliarden Dollar dafür zur Verfügung zu stellen."

Die Äußerungen Daschles wurden in Washington als Hinweis auf zunehmenden Druck aus der Demokratischen Partei auf Clinton gewertet, die Entscheidung über das Raketenprogramm seinem Nachfolger zu überlassen.



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