US-Regierung Saddam-Hinrichtung schon am Samstag möglich

Saddam Hussein wird womöglich früher hingerichtet als erwartet. Das Todesurteil könne schon am Samstag vollstreckt werden, sagte ein US-Vertreter. Der Anwalt des Ex-Diktators bittet um Gnade in letzter Minute - Saddam selbst traf zwei Halbbrüder, um Botschaften an die Familie zu übermitteln.


Hamburg - Saddam werde "nicht heute oder morgen" hingerichtet, sagte ein ranghoher Vertreter der US-Regierung am Donnerstag auf der Ranch von Präsident George W. Bush im texanischen Crawford. Es könne "vielleicht noch einen Tag oder so dauern". Er verwies dabei auf Informationen von US-Vertretern in Bagdad. Die Entscheidung liege bei der irakischen Regierung. Sie werde die USA noch über den genauen Zeitpunkt der Exekution informieren. Auf die Frage, ob nach der Hinrichtung Saddam Husseins zusätzliche Gewalt unter den Irakern zu erwarten sei, antwortete der US-Vertreter: "Sie werden aus jedem Grund gewalttätig, der ihnen einfällt."

Verurteilter Ex-Diktator Saddam: Entscheidung liegt bei der irakischen Regierung
REUTERS

Verurteilter Ex-Diktator Saddam: Entscheidung liegt bei der irakischen Regierung

Saddam Husseins Anwalt al-Dulaimi hat unterdessen einen letzten Versuch unternommen, seinen Klienten vor dem Tod durch den Strang zu bewahren. Er bat die Regierungen der Welt um Gnade: Sie sollten die USA daran hindern, Saddam den irakischen Autoritäten zu überlassen. "Ich ersuche dringend alle internationalen Organisationen, den Generalsekretär der Uno, die arabische Liga und alle Regierungen auf der ganzen Welt, die US-Regierung daran zu hindern", sagte al-Dulaimi.

Angesichts der bevorstehenden Hinrichtung hat Saddam nach Angaben eines anderen Anwalts, Badie Aref, nochmals seine Halbbrüder im Gefängnis getroffen und seiner Familie Botschaften übermittelt. Das Treffen mit Sabawi und Watban Ibrahim Hassan al-Tikriti, die sich beide in US-Haft befinden, habe in seiner Zelle in einem Bagdader Gefängnis stattgefunden, sagte der Anwalt mit Verweis auf Wachmänner des Gefängnisses. Demnach sei Saddam guter Dinge und bereit, als Märtyrer zu sterben.

Streit über Hinrichtungszeitpunkt in irakischer Regierung

Obwohl er keine Einzelheiten wisse, spüre Saddam, dass etwas im Zusammenhang mit dem Urteil geschehe - auch weil die Wachen ihm kürzlich ein Radio wieder entwendet hätten, das er vor einigen Monaten bekommen habe, sagte der Anwalt. Den beiden Halbbrüdern habe er Briefe an seine Familie mitgegeben. "Er sagte ihnen, dass er froh ist, als Märtyrer durch die Hände seiner Feinde zu sterben und nicht im Gefängnis in Vergessenheit dahinzusiechen."

Das irakische Berufungsgericht hatte am Dienstag verfügt, dass Saddam Hussein binnen 30 Tagen gehenkt werden müsse. Über den Zeitpunkt der Vollstreckung gibt es in der irakischen Regierung allerdings noch Streit. Der Kabinettsminister sagte, es gebe noch eine Debatte, ob für die Vollstreckung des Urteils die Unterschrift des Präsidenten nötig sei. "Einige sagen: Der nächste Schritt ist die Unterschrift des Präsidenten. Andere behaupten, sie sei nicht nötig."

Forderung nach Hinrichtung erst im Februar

Der irakische Vizejustizminister hatte am Donnerstagabend unter anderem gefordert, den zum Tode verurteilten ehemaligen Diktator nicht mehr im Januar hinzurichten, sondern womöglich erst im Februar oder später. "Das Gesetz sagt nicht innerhalb von 30 Tagen, sondern nach einer Frist von 30 Tagen", sagte der stellvertretende Justizminister Bosho Ibrahim und löste damit neue Spekulationen über den Hinrichtungszeitpunkt aus.

Die Menschenrechtskommissarin der Uno, Louise Arbour, forderte die irakischen Behörden zur Zurückhaltung auf, bevor das Urteil vollstreckt werde. Es gebe eine Reihe von Bedenken, ob der ursprüngliche Prozess fair war, und in dieser Frage brauche es Sicherheit - "speziell in einem außergewöhnlichen Fall wie diesem".

Das Berufungsgericht hatte am Dienstag einen Einspruch Saddams gegen das Todesurteil abgewiesen und damit dessen Vollstreckung besiegelt. Der Ex-Diktator war Anfang November wegen eines Massakers an Schiiten vor 25 Jahren zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Bislang haben sich weder Kabinett noch Präsident offiziell dazu geäußert, wann Saddam hingerichtet werden könnte.

bri/Reuters/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.