US-Republikaner gegen Medien Kritische Fragen unerwünscht

Bisher haben sich die Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner nur blamiert, mit Plattitüden und Poltereien. Die Schuld schieben sie den Medien zu - und fordern nun, den Journalisten den Mund zu verbieten.
Republikaner bei der TV-Debatte von CNBC in Boulder: Die Medien als Feindbild

Republikaner bei der TV-Debatte von CNBC in Boulder: Die Medien als Feindbild

Foto: EVAN SEMON/ REUTERS

Stars haben Ansprüche. Hip-Hop-Mogul Jay-Z verlangt, wie die Klatsch-Website "TMZ" enthüllte, dass seine Hotelsuite auf 22 Grad temperiert ist. Der rappende Kardashian-Gatte Kanye West bestehe dagegen auf schwarzen Handtüchern und drei Flaschen Hennessy-Cognac. Und Pop-Diva Mariah Carey, das ist schon länger bekannt, will angeblich nur singen, wenn ihre Garderobe mit Schmetterlingskonfetti dekoriert ist.

Dem wollen nun offenbar auch die Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner nicht nachstehen. Die Stars des Vorwahlkampfes präsentierten jetzt ihre eigene Forderungsliste, gerichtet an die Ausrichter der nächsten TV-Debatten, also an die Networks und die anderen Medien:

• Die Temperatur in Saal und Studio dürfe 19,4 Grad Celsius nicht überschreiten, damit niemand unansehnlich schwitze.

• Die Moderatoren dürften keine simplen "Ja-oder-nein-Fragen" stellen - man müsse vielmehr weitschweifige Antworten geben können.

• Die Kameras dürften nicht zeigen, wenn die Kandidaten auf ihre Notizen schielten.

• Die Kameras dürften keine "Reaktionsschnitte" vom Publikum zeigen.

• Die Entfernung der Toiletten müsse genau festgelegt werden.

• Jeder Kandidat müsse eine Eröffnungs- und Schlusserklärung abgeben dürfen, je mindestens 30 Sekunden lang.

• Alle Kandidaten müssten die gleiche Anzahl an Fragen gestellt bekommen, mit gleichlangen Antworten, per Stoppuhr gemessen.

Ein Witz? Mitnichten. Diese bizarren Allüren sind real: Sie stehen in einem an die "Washington Post" lancierten Briefentwurf, über den 12 der 14 Republikaner-Kandidaten auf einer Klausur am Wochenende berieten. Ziel, so ihr Anwalt Ben Ginsberg: sich mehr "Einfluss" auf den Verlauf der Debatten zu verschaffen - auf Kosten kritischer Hinterfragung.

Die Schuld der Medien

Die Medien sind immer schnell die Schuldigen, wenn Republikaner straucheln. Doch diesmal gehen die Konservativen weiter. Ähnlich wie bei der deutschen Schimpfe auf die "Lügenpresse" schießen sich auch in Amerika die Rechten plötzlich auf die Pressefreiheit und die Rolle des kritischen Journalismus ein - indem sie den Medien den Mund verbieten wollen.

Der Unmut kam bei der jüngsten Republikaner-Debatte zutage. Da empörten sich die Kandidaten noch während der Livesendung über kritisch-freche Fragen der Moderatoren vom Wirtschaftssender CNBC.

Ob er mit seiner Drohung, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, nicht "eine Comic-Version eines Präsidentschaftswahlkampfes" führe, wollte John Harwood vom wankenden Spitzenreiter Donald Trump wissen, völlig zu Recht. "Das ist keine sehr nette Frage", maulte dieser daraufhin beleidigt.

"Anstößige Fangfragen"

So ging es weiter. Moderator Carl Quintanilla konfrontierte den Arzt Ben Carson mit seiner Verbindung zu einer dubiosen Pharmafirma und Ex-Konzernchefin Carly Fiorina mit ihrem "dreiseitigen" Steuerplan. Solche Fragen, echauffierte sich Tea-Party-Senator Ted Cruz, seien der Grund, "dass das amerikanische Volk den Medien nicht traut". Jeb Bushs Wahlkampfmanager Danny Diaz protestierte hinter der Bühne.

Parteichef Reince Priebus setzte prompt die Zusammenarbeit mit Sender NBC aus, zu dem CNBC gehört: Die "Fangfragen" seien "anstößig" gewesen, die Moderatoren "ruchlose Akteure". NBC sollte mit dem spanischen Schwestersender Telemundo im Februar eine weitere Republikaner-Debatte austragen - die einzige, die auf die Latino-Wähler abzielte.

Der ganze Wirbel soll auch davon ablenken, dass sich die Republikaner bisher nur blamiert haben. Während sich die Demokraten bei ihrem ersten TV-Schlagabtausch tief in konkrete Sachthemen stürzten, erschöpften sich die Konservativen in Plattitüden, Parolen und Polterei.

Spott von Obama

Aber was genau wollen die Kandidaten? Sie wollen politisch wohlgesonnene Stichwortgeber: Anstelle von Journalisten, "die all diese Fragen stellen", sollte man "große konservative Denker" an die Debattenfront schicken, schrieb der rechte Internet-Talker Glenn Beck.

Doch die Strategie droht nach hinten loszugehen. Nicht nur Präsident Barack Obama machte sich lustig darüber: Wenn die Republikaner nicht mal "mit ein paar CNBC-Moderatoren fertigwerden" könnten, müssten sich auch "die Chinesen und die Russen keine großen Sorgen machen". Schon distanzierten sich die ersten Kandidaten, darunter New Jerseys Gouverneur Chris Christie: "Hört doch auf zu maulen."

Die nächste Debatte läuft sowieso auf dem republikanerfreundlichen Fox Business Network. An das haben die Kandidaten noch keine Forderungen gestellt - das Thermometer wird da ungefragt justiert.

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