US-Republikaner Perry schwächelt bei Kandidaten-Show

Wer in Florida besteht, hat Aussichten auf den Gesamtsieg - deshalb treten die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner dort gerade zum Showdown an. Es könnte ein Führungswechsel bevorstehen: Der Texaner Rick Perry patzte in einer TV-Sendung. Hat er die Favoritenrolle schon verloren?

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Aus Orlando berichtet


Ohne Gott geht nichts. Und mit ihm fängt natürlich alles an. Mach, dass die guten Tage noch vor uns liegen! So beten sie hier in Orlando, Florida, bei der "Koalition für Glaube und Freiheit". Draußen brütende Hitze, drinnen Ralph Reed, Gründer dieser konservativen Christentruppe. Ein Mann mit Mission: Barack Obama muss weg, damit das Land gerettet werden kann. Das ist die Lage.

Die Frage ist nur: Wer übernimmt den Retter-Job? Wer wird der republikanische Kandidat für die Präsidentschaftswahl?

Das Wochenende soll da Klarheit bringen. Reed hat sich und seine Leute bei Floridas Republikanischer Partei eingebucht. Die hat Tausende Anhänger, Delegierte und die aussichtsreichsten Obama-Gegner für drei Tage in drei Hotelkomplexe nach Orlando geladen. Den Auftakt bildet eine vom Rechtsaußen-Sender Fox News übertragene TV-Debatte der Kandidaten am Donnerstagabend.

Florida gilt als Staat, der Präsidenten und Kandidaten machen kann. Wer hier bei den Vorwahlen siegt, hat gute Chancen, am Ende tatsächlich der Präsidentschaftskandidat zu sein.

Hobbits? Nazis? Terroristen?

Aber einen Moment noch: Bevor es richtig losgeht, muss erst Ralph Reed seinen Auftritt haben. Denn bei ihm, im Ballsaal des Rosen-Centre-Hotels, erscheinen Michele Bachmann, Rick Perry, Mitt Romney und Co. schon am Nachmittag. Hier sitzen die Hardcore- Republikaner, die Tea-Party-Bewegten. Jene Gruppe also, die das auf Kompromisse angelegte politische System Amerikas mehr und mehr aushöhlt. Wir gegen die. Das ist die Stimmung.

Als "Hobbits" seien die Parteigänger der Tea Party bezeichnet worden, empört sich jetzt Reed, ja, auch als "Nazis". Und Joe Biden, der Vize-Präsident, "er hat euch Terroristen genannt." Großes Gejohle im Saal. "Wir werden nicht aufhören, bis sie weg sind", verspricht schließlich Reed und meint Obamas Regierung. Es ist angerichtet.

Als Michele Bachmann den Saal betritt, wirft sie, wild mit den Armen rudernd, Kusshand um Kusshand in die Menge, strahlt, läuft hin, läuft her, deklamiert: "We are one famiiiiily!" und: "Ihr seid nicht allein!" Es ist der Auftritt eines Popstars. "Wir werden uns dieses Land zurückholen", lautet Bachmanns Versprechen. Nachher bleibt sie im Autogramm-Stau stecken, aber ein alter Mann hüpft wie ein Kind. "Ich hab' eins, ich hab' eins", ruft er immer wieder, "ein Autogramm von der nächsten Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika". Er sagt das wirklich so ausführlich. Heimspiel für Bachmann.

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US-Republikaner: Die Hardliner im Wettbewerb
Ein paar Stunden später, während der TV-Debatte, ist es allerdings ein anderer, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht: Mitt Romney, Mormone, Ex-Regierungschef von Massachusetts, mehrere hundert Millionen Dollar schwer: "Ich will, dass jeder in Amerika reich wird." Liberaler als die anderen Kandidaten - und leicht hölzern ist er. Seit Wochen liegt Romney in den Umfragen an zweiter Stelle hinter dem texanischen Gouverneur Perry, der ihn gerade noch als "Obama-lite" verspottet hat.

Dies ist bereits der dritte TV-Kampf im September, der auf die beiden "Frontrunner" fokussiert ist. Entschieden ist noch lange nichts. Doch muss Romney den Texaner einbremsen, will er nicht den Anschluss verlieren. Gleiches gilt für Michele Bachmann, nur aus anderen Gründen. Wie Perry setzt sie auf die radikale Tea-Party-Wählerschaft, muss es trotz des Texaners schaffen, sich als deren einzige Kandidatin zu etablieren.

"Netter Versuch", kontert Romney

So findet sich das ungewöhnliche Paar Romney-Bachmann in der Gegnerschaft zu Perry wieder. Der hat es ohnehin nicht leicht im Seniorenparadies Florida. Perry hatte in den früheren Debatten und insbesondere in seinem Buch "Schnauze voll!" das Rentensystem als "monströse Lüge" und "Fehler" beschrieben. Den Eindruck, er wolle gleich das ganze System abschaffen, versucht er nun zu zerstreuen. Darauf Romney: "Du räumst ständig Positionen aus deinem Buch." Perry: "Kein Stück, Sir!"

Zwei Stunden lang sucht seinerseits der Texaner den wunden Punkt von Romney - doch es gelingt nicht. Das läuft dann etwa so: Romney unterstütze die Bildungspolitik Obamas, sagt Perry. "Netter Versuch", kontert Romney und grinst breit: "Ich weiß nicht, was er meint." Kurz darauf wieder Perry: "Die Amerikaner wissen manchmal nicht, mit welchem Mitt Romney sie es da eigentlich zu tun haben." Mal sei er für die Gesundheitsreform des Präsidenten, mal dagegen. "Ich sag's noch mal", entgegnet Romney, "netter Versuch." Und kündigt an, dass seine erste Amtshandlung im Oval Office die Aussetzung von "Obamacare" wäre.

Bachmann, Romney und auch der dieses Mal auffällig präsente Rick Santorum setzen Perry heftig beim Thema Immigration zu: Weil der Texas-Gouverneur Kindern illegaler Einwanderer ein Studium auf Steuerzahler-Kosten spendiert und keinen durchgehenden Zaun an der Grenze zu Mexico bauen lassen will. Mit dem "Discount" an der Universität ziehe Perry die Illegalen wie mit einem "Magneten" ins Land, meint Romney.

Santorum wiederum nennt Perry "schwach" beim Thema Grenzsicherheit. "Warst du schon mal an der Grenze?", koffert ihn Perry an. "Yes!", antwortet Santorum knapp und laut, der einzige praktizierende Katholik in der Runde. Der marktliberale Ron Paul hat da noch ganz andere Bedenken: Er ist gegen jegliche Art von Zaun zu Mexico, weil der auch einmal gegen die Amerikaner verwendet werden könnte: "Klar, das ist eine echte Befürchtung", meint der 76-Jährige.

Perrys Kontrahenten lästern

Richtig bitter aber wird es für Perry bei der Außenpolitik. Auf die Frage, was er denn als Präsident bitte schön tun würde, wenn er nachts um 3 Uhr einen Anruf bekäme, dass Pakistan die Kontrolle über seine Nuklearwaffen an die Taliban verloren habe. Da verweist Perry nur auf die Beziehungen zu Indien, die es zu pflegen gelte. Zum Beispiel hätte man den Indern doch die verbesserten F-16-Kampfjets verkaufen sollen. Aha. Die "Washington Post" jedenfalls wird später Romney zum Gewinner des Abends erklären.

Perry wirkt blass, müde, fahrig. Noch vor der Christen-Organisation des Ralph Reed hatte er sich am Nachmittag mit Frau an seiner Seite auf die Bühne gestellt und sich emotional gegeben: "Ich bitte euch nicht nur um eure Stimmen, ich bitte euch um Gebete." Über Perrys Performance in der Debatte urteilt das Blog Politico danach: "Er schien schlecht vorbereitet, seine Hiebe trafen nicht und er baute gegen Ende sichtlich ab."

Und die Kontrahenten? Sie lästern. Nach der Debatte kommt ein Romney-Stratege in das Medienzentrum, er stellt sich mitten in den Raum. Schnell bildet sich eine Traube, der Mann kann seine Nachricht unters Volk bringen. Perry, sagt er, sei eben nicht darauf vorbereitet, Führung zu übernehmen.

Das habe man doch heute prima beobachten können bei der Pakistan-Frage: "Das war kompletter Blödsinn".

insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
Durchschnittsbürgerin 23.09.2011
1. Perry schwächelt beim Kandidaten-Show
Sollte doch heißen: Perry schwächelt bei der Kandidaten-Show...
mmnrw 23.09.2011
2. Ron Paul ?
Der SPIEGEL schafft es erneut Dr. Paul bewusst gar nicht zu erwähnen. Hat halt Methode.
fabian03 23.09.2011
3. ...
Zitat von sysopWer in Florida besteht, hat Aussichten auf den Gesamtsieg*- deshalb*treten die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner dort gerade zum Showdown an. Es könnte ein Führungswechsel bevorstehen:*Der Texaner Rick Perry patzte in einer TV-Sendung. Hat er die Favoritenrolle schon verloren? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,787989,00.html
Ich wünschte, wir hätten in Deutschland eine Auswahl wie die Amerikaner statt einer Einheitspartei!
hundini 23.09.2011
4. ^^
Palin for president.. Dann, marschieren die Chinesen eh in Washington ein.... xD
smokey55, 23.09.2011
5. So what?
"Ich will, dass jeder in Amerika reich wird" Man muß zwar nicht ausgesprochen dumm sein das zu glauben, aber es erleichtert die Sache ungemein. Wie kann man den so etwas nur glauben. Würde doch nur funktionieren, wenn man andere ausbeutet ... die außerhalb der USA?
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