Kommentar Romney verhebt sich an Reagans Erbe

Geht es euch wirklich besser als vor vier Jahren? Mit dieser simplen Frage schaffte es Ronald Reagan einst ins Weiße Haus. Mitt Romney stellte in der wichtigsten Rede seines Lebens dieselbe Frage - doch lieferte er keine eigene Vision.

AP

Aus Tampa, Florida, berichtet


Als Ronald Reagan 1980 Amtsinhaber Jimmy Carter herausforderte, waren viele Amerikaner mäßig beeindruckt: Reagan galt als ein zweitklassiger Schauspieler, nicht gerade eine intellektuelle Leuchte, geschieden war er noch dazu. Und nun sollte er Carter gefährlich werden, dem studierten Atomphysiker, der Friedensabkommen im Nahen Osten vermittelt hatte und ernsthafte Debatten über Amerikas Energiewende anstieß?

Doch Reagan gewann, weil er den Amerikanern eine simple Frage stellte. Sie lautete: "Sind Sie heute besser dran als vor vier Jahren? Gibt es mehr oder weniger Arbeitslosigkeit?" Die Amerikaner blickten nicht in den Nahen Osten, sie schauten auf ihre Jobstatistik daheim, auf die steigende Inflationsrate, die Verzagtheit einer Nation, die in der Geiselnahme von US-Diplomaten in Teheran ihren Höhepunkt fand. Sie antworteten "Nein" auf Reagans Frage und wählten den Ex-Schauspieler in die Rolle seines Lebens.

Mitt Romney hat am Donnerstagabend beim Republikaner-Parteitag in Tampa versucht, das Erbe von Ronald Reagan anzutreten, immer noch die größte Ikone der US-Konservativen. Auch der aktuelle Präsidentschaftskandidat stellte in seiner rund 45 Minuten langen Rede eigentlich nur eine Frage: Hat Obama seine Versprechen aus dem Jahr 2008 eingehalten, seine grandiosen Visionen von "Hope" und "Change"? Hat er sichergestellt, dass es den Amerikanern besser geht?

Hat er nicht, lautete natürlich Romneys Fazit - gipfelnd in dem höhnischen Satz: "Obama versprach, dem Ansteigen der Ozeane Einhalt zu gebieten, er hat versprochen, den Planeten zu heilen. Mein Versprechen lautet nur: Ich werde versuchen, Ihnen und Ihrer Familie zu helfen."

Ausschließlich Obamas Versagen angeprangert

Wie grandios Obama mit seinen Projekten gescheitert sei, ratterte Romney pflichtbewusst herunter. Der Benzinpreis liege höher als vor vier Jahren, die Arbeitslosenquote und Amerikas Schulden sowieso. Die einst stolzeste Nation der Welt ist nach Romneys Befund mittlerweile Milchstraßen entfernt von jenem uramerikanischen Aufbruchsgeist, den der jüngst verstorbene Weltraum-Columbus Neil Armstrong verkörperte.

Aber kann jemand einen Amtsinhaber stürzen, indem er ausschließlich dessen Versagen anprangert?

Das ist in Romneys Fall nicht nur schwierig, weil vielen Amerikanern noch in Erinnerung ist, dass die aktuelle Krise ihres Landes unter Obamas Vorgänger George W. Bush begann, selbst Romneys Vize Paul Ryan musste dies am Mittwoch einräumen.

Vor allem aber vergaß Romney den zweiten Teil von Reagans Appell, den wohl wichtigeren. Denn Reagan stellte nicht nur eine Frage, er bot mit seinem sonnigen Wesen auch gleich eine Antwort. Sie lautete: Während meiner Präsidentschaft wird die Sonne in Amerika wieder aufgehen - wie Reagan 1984 in seinem legendären Wiederwahl-Werbespot "It's Morning Again in America" selbstgefällig resümierte. Der Spot zeigte lauter glückliche Hochzeitspaare, zufriedene Hausbesitzer und stolze Patrioten.

Auch Romney sprach in Tampa über Stolz auf und Liebe für Amerika, seine Entschlossenheit, dem Land wieder auf die Sprünge zu helfen. Doch er klang dabei meist so wenig überzeugend wie vor kurzem bei einem Wahlkampfauftritt, als er beteuerte, Michigan zu lieben, weil die Bäume dort die richtige Höhe hätten.

Amerikaner wollen aber, wenn sie über einen Präsidenten abstimmen, nicht bloß hören, was der Amtsinhaber falsch gemacht hat. Sie wollen auch wissen, was der mögliche Nachfolger besser machen will. Und wie er dies wirklich zu tun gedenkt. Was ihn antreibt.

Romney zählte zwar pflichtbewusst einen "Fünf-Punkte-Plan" für seine Präsidentschaft auf, gekrönt von einem Versprechen, zwölf Millionen Arbeitsplätze zu schaffen (wie genau?). Er versprach den Amerikanern "success stories", Erfolgsgeschichten - als trage er eine Powerpoint-Präsentation vor wie einst als Unternehmensberater. So klang er eher wie der Bewerber für einen CEO-Job als wie ein amerikanischer Visionär.

Reagans Vision war kitschig - aber sie kam an

Reagan versprach 1980 hingegen nicht weniger, als die Sonne wieder heller scheinen zu lassen. Solche Visionen mögen uns Europäern kitschig erscheinen, albern gar. Aber das Amt des US-Präsidenten ist nicht einfach ein Job. Der mächtigste Mann der Welt ist für viele Amerikaner eine Art Familienmitglied - jemand, der nicht einfach einen "guten Job" macht. Sondern der im Idealfall ihr Land in ein besseres verwandelt.

Reagan gelang es, diesen Aufbruchsgeist zumindest zu vermitteln, allen seinen Schwächen zum Trotz. Bill Clinton schaffte Ähnliches, als er 1992 dem außenpolitischen Helden George H. W. Bush seinen innenpolitischen Slogan "It's the economy, stupid" entgegenhielt - und vor allem keinen Zweifel an seiner positiven Vision für Amerika ließ. Clintons Parteitag stand unter dem Motto: "Der Mann aus Hope". So hieß seine Heimatstadt in Arkansas, aber so lautete auch das Motto seiner Kandidatur.

Clinton war ein Reagan-Erbe auf der Linken. Er war bislang auch der letzte Kandidat, der einen amtierenden US-Präsidenten abgelöst hat. Romney hat es versäumt, sich als würdiger Reagan-Erbe auf der Rechten zu erweisen, zumindest an diesem Donnerstagabend in Tampa.

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Europa! 31.08.2012
1. Politiker und Schauspieler
Zitat von sysopAPGeht es euch wirklich besser als vor vier Jahren? Mit dieser simplen Frage schaffte es Ronald Reagan einst ins Weiße Haus. Mitt Romney stellte in der wichtigsten Rede seines Lebens dieselbe Frage - doch lieferte keine eigene Vision. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853142,00.html
Politik in einer Demokratie zu machen, heißt auch, politische Inhalte, die man sich nicht alle persönlich ausdenken muss, für die Öffentlichkeit glaubhaft darzustellen. In diesem Sinne waren Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger gute Politiker. Wirklich besser geht es der Welt aber erst, wenn eine Frau an der Spitze Amerikas steht und Machos in diesem Land keine Chance mehr haben.
gandhiforever 31.08.2012
2. Und die Leute fragen sich,
Zitat von sysopAPGeht es euch wirklich besser als vor vier Jahren? Mit dieser simplen Frage schaffte es Ronald Reagan einst ins Weiße Haus. Mitt Romney stellte in der wichtigsten Rede seines Lebens dieselbe Frage - doch lieferte keine eigene Vision. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853142,00.html
ob es ihnen nach vier Jahren unter Romney besser oder schlechter gehen wuerde als unter Obama. Und sie erinnern sich daran, dass der Republikaner sozialen Kahlschlag predigt, aber - wie so viele seiner Parteifreunde - nach Hilfe aus Washington ruft, wenn Probleme auftreten. Da denke ich an Jindal, der Bundeshilfe forderte, noch bevor Issac die Kueste erreichte, da denke ich an Paul Ryan, der Obamas Regierung verantwortlich macht, nicht geholfen zu haben, eine unter GWBush geschlossene Autofabrik am Leben zu erhalten, da denke ich natuerlich an Mitt Romney selbst, der die Rettung der Automobilindustrie ablehnte, aber gerne Hilfe in Anspruch nahm , als es Bain mal schlecht ging. Diese Republikaner verweisen gerne auf Reagan, obwohl es da eigentlich auch nicht viel Gutes gibt (Aber in Traeumen ....), wohl weil sie selbst noch weniger aufzuweisen haben. Die Chancen fuer Obamas Wiederwahl sind weiter gestiegen.
radwal 31.08.2012
3. Romney's Traum
Die Amerikaner werden die richtige Wahl treffen,wie Romney am Tag danach ernüchtert festellen können wird. Abgesehen davon,dass Reagan in anderer geopolitischer Situation auf den Plan trat,hat er es auch verstanden,die Herzen der Amerikaner anzusprechen und ihnen das seit Vietnam verbreitete Trauma der Niederlage nehmen nehmen können. Unvergessen auch sein Auftritt vor dem Brandenburger Tor und den Aufruf an Gorbatchow:Tear this wall down!-Der Anfang vom Ende der Sowjetunion und der kommunistischen Ideologie!
pauerkraut 31.08.2012
4. Du meine Guete......
Reagan gewann nicht wegen dieser simplen Frage. Das war damals ein ganz anderes Szenario und Reagan packte sein Paket -unter anderem auch - brilliant in diese rhetorische Frage. Aber America war damals-wie heute " fed up" mit der vorherrschenden Politik in Washington.....Deshalb wird das ganz eng im November.....
GSchröder 31.08.2012
5. Mitt Hirnie
"Hat Obama seine Versprechen aus dem Jahr 2008 eingehalten, seine grandiosen Visionen von "Hope" und "Change"? Hat er sichergestellt, dass es den Amerikanern besser geht?" Es ist natürlich auch ein wenig schwierig Versprechen einzuhalten, wenn die Republikaner jeden Vorstoß von Obama torpedieren und einfach alles blockieren. "Der Benzinpreis liege höher als vor vier Jahren, die Arbeitslosenquote und Amerikas Schulden sowieso." Der Benzinpreis steigt, weil immer Menschen auf der Welt Benzin verbrauchen. Steigende Nachfrage nach einem knappen Gut verursacht höhere Preise. Das müsste der "Ökonom" Romney ja eigentlich besser wissen. Vor allem Ronald Reagan hat mit seiner Vodoo-Ökonomie den Haushalt ruiniert, und der Republikaner G. Bush jun. mit dem Irakkrieg. Und die hohe Arbeitslosenquote hat etwas mit der WWK zu tun, und die war schon in vollem Gange, als Obama sein Amt antrat. Irgendwie wirkt Mitt Romney wie jemand, der eigentlich gar nicht genau weiss, warum er eigentlich Präsident werden möchte. Ideenlos, konzeptionslos. Die Frage ist dann nur, warum läßt er es nicht einfach?
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