US-Wahlkampf Republikaner schicken ihre Frauen vor

Die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner wettern gegen Abtreibung, Verhütung, Feminismus. Jetzt haben sie ein Frauen-Problem: Werden die Wählerinnen verärgert, ist Barack Obama im Kampf ums Weiße Haus nicht zu schlagen. Deshalb sollen die Gattinnen der Kandidaten die Sache richten.

Von , Washington


Über Monate durften sie nur zuschauen. Lächeln und applaudieren. Auf den Bühnen Amerikas herumstehen und ihre Männer anhimmeln. Mit Mimik und Gestik klarmachen, dass zu Hause alles richtig super ist. Klasse Ehemann, tolles Familienleben und so. Die ganz große Show.

Doch damit ist jetzt Schluss. Gefragt ist plötzlich die aktive Kandidatenfrau.

Denn im Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur drohen es sich Mitt Romney und Co. mit einer besonders wichtigen Wählergruppe zu verscherzen: den Frauen. Die machen schließlich mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung aus. Schon lästern Barack Obamas Demokraten über den republikanischen "Krieg gegen die Frauen".

  • So kämpft der einst moderate Multimillionär Romney gegen "Planned Parenthood", eine Organisation, die sich der Krebsvorsorge für Frauen widmet, aber auch Abtreibungen vornimmt.
  • Erzkatholik Rick Santorum führt seinen Kampf gegen außerehelichen Sex und Verhütungsmittel, verdammt seit jeher den "frauenfeindlichen Kreuzzug des Radikalfeminismus".
  • Newt Gingrich, notorischer Fremdgeher und aktuell verheiratet mit Ehefrau Nummer drei, scheint pragmatische Beziehungen zu favorisieren. Über seine erste Frau Jackie soll er gesagt haben, sie sei "weder jung noch schön genug, um die Frau eines Präsidenten der Vereinigten Staaten zu werden".

Einer Bloomberg-Umfrage zufolge liegt Präsident Obama im direkten Vergleich mit Santorum bei Frauen deutlich vorn: 51 zu 42 Prozent. Zwischen Obama und Romney steht es demnach 49 zu 45 Prozent. Wirklich dramatisch sind diese Zahlen zwar noch nicht, schließlich neigen US-Frauen bei Präsidentschaftswahlen traditionell ohnehin eher dem demokratischen Bewerber zu. Der Republikaner John McCain kam 2008 nur auf 43 Prozent unter weiblichen Wählern, während Obama 56 Prozent erzielte. Doch ihren Erdrutschsieg bei den Kongresswahlen 2010 verdankten die Republikaner insbesondere den Frauen, jede zweite stimmte damals gegen Obamas Partei.

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US-Republikaner: Mit der Macht der Ehefrauen
Die Republikaner-Kandidaten sollten ihren Frauen zuhören, empfiehlt Kommentatorin Patricia Murphy in der "Washington Post" - oder sich gleich "von den weiblichen Wählern verabschieden".

Es geht jetzt also um Stimmen, wenn Ann Romney auf die Bühne tritt. Zum Beispiel an diesem Dienstag nach der Vorwahl in Illinois. "Frauen kommen zu mir und bitten mich, über Staatsverschuldung und Haushaltspolitik zu sprechen. Ich liebe das!", ruft sie auf der Siegerparty ihres Mannes. Die Frauen seien verärgert wegen des Schuldenerbes, das man den Kindern und Enkeln hinterlasse: "Ich habe hier einen Kerl, der das richten kann!" Stolzer Fingerzeig auf Romney. Immer wieder hat Ann diese Rede in den vergangenen Tagen gehalten. Immer wieder hat sie an die Frauen appelliert: "Wir brauchen euch. Und wir brauchen euch alle im November." Dann nämlich, wenn es gegen Obama gehen soll.

Die warmherzig wirkende Ann gilt Romneys Leuten als perfekter Ausgleich für Romneys roboterhafte, kühle Art. Inszenierte sie sich anfangs als die politikferne Frau im Hintergrund - Eigenbeschreibung "Mitt-Stabilizer" - rückt sie nun mehr und mehr nach vorn. Am Mittwoch veröffentlichte sie auf YouTube einen "Liebesbrief an Mitt", ein dreiminütiges Video anlässlich ihres 43. Hochzeitstages: "Alles Gute, mein Schatz!" Über Schmalzmusik und Familienfotos schwelgt Ann da in Erinnerungen an die Hochzeit im Jahr 1969. Inszenierung der ganz großen Liebe.

Karen Santorum: "Nichts zu befürchten beim Thema Verhütung"

Karen Santorum hat es da schon ein bisschen schwerer. Ob ihr Mann eigentlich "gegen Frauen" sei, will CNN-Talkshow-Gastgeber Piers Morgan am Montagabend wissen. "Keineswegs, keineswegs", versichert Karen und lächelt gegen den ganzen Ärger an. Rick habe schließlich auch schon mal kochen oder die Kinder wickeln müssen. Es sei ihre Entscheidung gewesen, als Hausfrau daheim zu bleiben.

Die Familie hat sieben Kinder, darunter eine dreijährige Tochter, die an Trisomie 18 leidet, einer dem Down-Syndrom ähnlichen Erkrankung. Es mache sie "wirklich traurig", sagt Karen, dass die Medien ihrem Mann eine frauenfeindliche Haltung anzuhängen versuchten. CNN-Mann Morgan fragt dann noch, ob ein möglicher Präsident Santorum den Frauen die Verhütungsmittel wegnehmen werde? Aber auch da kann Karen Entwarnung geben: "Frauen haben nichts zu befürchten beim Thema Verhütung."

Santorum bezeichnet seine Frau laut "New York Times" reichlich biblisch als "Felsen, auf dem ich stehe". Streng nach den Vorgaben des Papstes leben die beiden Katholiken allerdings erst, seitdem sie sich kennengelernt haben. Die einstige Krankenschwester und spätere Juristin Karen war zuvor sechs Jahre ausgerechnet mit einem Abtreibungsarzt liiert - und unterstützte das Recht der Frau auf Abtreibung.

Callista und Newts Socken

Und dann ist da noch Callista Gingrich. Sie war schon mittendrin im Wahlkampf ihres Mannes als Ann Romney und Karen Santorum sich noch im Hintergrund hielten. Kein Gingrich-Auftritt ohne Callista mit der weißblonden Helmfrisur neben ihm auf der Bühne. Nur: Sie sprach nicht. Stand einfach da und lächelte ihren Mann an, Kundgebung für Kundgebung, Stunde um Stunde. Maureen Dowd nannte Callista in der "New York Times" die "verändernde Ehefrau".

Was das heißen soll? Während eine Trophäen-Ehefrau vom Mann bewundert werde, würde der Mann durch die Bewunderung der verändernden Frau aufs nächste Level befördert. Dowd zieht einen Vergleich mit den Obamas. Wenn Barack großspurig auftrete, sehe er Michelle denken: Du bist kein Messias! Heb' deine Socken auf! Aber wenn Gingrich auf Callista schaue, dann sehe er sie denken: Du bist der Messias! Wir werden deine Socken vergolden!

Gingrich im Gegenzug lobt seine dritte Ehefrau: Sie sei eine Mischung aus den früheren First Ladies Nancy Reagan und Laura Bush mit einem Schuss Jackie Kennedy. Sie selbst schrieb über sich im Highschool-Jahrbuch: "Mancher strebt danach, einer von vielen zu sein. Ich will eine der wenigen sein."

Tatsächlich gilt Callista als Antreiberin ihres Mannes. Es scheint so, als möchte sie mindestens genauso gern First Lady werden wie er Präsident. Seit einigen Wochen hat sich ihre Aufgabe im Wahlkampf verändert: Callista spricht jetzt. Wie Ann Romney tritt sie als Vorrednerin bei Wahlkundgebungen auf. Gingrichs Strategen sind sich nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Manchen Basis-Republikanern könnte Callista noch immer als Gingrichs Geliebte gelten, die sie jahrelang war - und mit der er Ehefrau Nummer zwei betrog.

Romney, Santorum, Gingrich - da fehlt doch einer? Exakt, Ron Paul. Der 76-Jährige tritt nach wie vor ohne seine Frau Carol auf. Seit 55 Jahren schon sind sie verheiratet. Und auch am letzten Hochzeitstag im Februar hat Carol wieder darauf verzichtet, einen Liebesbrief als YouTube-Video zu posten. Trotzdem soll bei den Pauls alles in Ordnung sein. Hört man jedenfalls.

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joe49 24.03.2012
1. wenn schon die Kandidaten alles dransetzen
Frauen als Waehler zu verprellen indem sie sie mit den Themen Kinder, Kueche, Kirche abspeisen wollen, bleibt den Strategen nichts anders uebrig als sie einen Moment lang ueber den Kchtopfrand sehen zu lassen. Das Seltsame ist, dass viel US Frauen so garnicht in das Thema KKK passen sondern im wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann stehen. Die Barbie Dolls der Politiker sind aber so unglaubwuerdig wie jemand nbur sein kann, finanziel von ihren Maennern abhaengig und bei Bedarf durch die naechst Barbie zu ersetzen. Santorum ist ein Frauenfeind, der deutlich macht was die katholische Kirche vorschreibt, die Frau ist dem Manne untertan. Um so unverstaendlicher, dass ueberhaupt ein Frau Santorum ihre Stimme gibt. Fuer Gingrich sind Frauen Lustobjekte, absonsten zu nichts zu gebrauchen und Romney's Aversion gegen planned Parenthood zeigt was er wirklich ist: 'ein Luegner'.
Skeptisch 24.03.2012
2. xx
Zitat von sysopAPDie Präsidentschaftsbewerber der Republikaner wettern gegen Abtreibung, Verhütung, Feminismus. Jetzt haben sie ein Frauen-Problem: Werden die Wählerinnen verärgert, ist Barack Obama im Kampf ums Weiße Haus nicht zu schlagen. Deshalb sollen die Gattinnen der Kandidaten die Sache richten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,822912,00.html
Peinlich, peinlich. Da gibt es doch tatsächlich auch Frauen, die gegen Abtreibung, Verhütung etc. sind. Denn leider, leider gibt es nicht nur schwarz-weiß. Wenn alle Frauen wirklich so emanzipiert wären, wie manche das gerne glauben würden, dann hätten die Konservativen keinerlei Chancen, denn die Hälfte der Wähler sind nunmal Frauen. Aber die verhalten sich nunmal nicht nach irgendwelchen politisch-correkten Vorgaben. Sonst gäbe es auch keine Frau Palin. Im Bibel-Gürtel der USA denkt und lebt man eben anders, sowohl was Frauen und auch Männer betrifft. Da gibt es kaum Unterschiede zu radikalen Moslems, außer, daß die amerikanischen Frauen das Haus verlassen und Auto fahren dürfen und auch kein Kopftuch oder Schleier tragen müssen. Und auch bei den moslemischen Frauen gibt es viele, die das gut finden und es nicht ändern wollen. Das sollte man mal zur Kenntnis nehmen. Man ist "als Frau" nicht automatisch für Emanzipation etc, nur weil man Frau ist. Sagt eine Frau.
Der Pragmatist 24.03.2012
3. Wenn 2 das gleiche tun, ist es nicht das selbe
Zitat von sysopAPDie Präsidentschaftsbewerber der Republikaner wettern gegen Abtreibung, Verhütung, Feminismus. Jetzt haben sie ein Frauen-Problem: Werden die Wählerinnen verärgert, ist Barack Obama im Kampf ums Weiße Haus nicht zu schlagen. Deshalb sollen die Gattinnen der Kandidaten die Sache richten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,822912,00.html
Den Krieg gegen Frauen fuehren doch hauptsaechlich die Demokraten. Man muss sich doch nur einmal daran erinnern, mit welch ueblen Hetzttiraden die Demokraten gegen jede erfolglreiche Frau vorgehen, vorausgesetzt, sie vertritt nicht die demokratische Seite. Man denke einmal daran, mit welchen widerlichen Worten sie gegen Sarah Palin, Condi Rice, Michelle Bachmann, Meg Whitman und viele andere erfolgreiche Frauen vorgegangen sind. Die uebelsten Schimpfworte wurden gegen diese Damen taeglich in die Presse und ins Fernsehen lanciert. ABER, Demokraten duerfen so etwas. Es ist nur unzulaessig, wenn es von Republikanern kommt. Pragmatist
heinz234 24.03.2012
4. Richtigstellung
Der letzte Absatz ist "nur vom Hörensagen", hmm? Ron Paul hat zahlreiche Auftritte mit seiner Frau im Hintergrund gehabt und sie dabei zu Beginn der Reden vorgestellt, nur mal den in South Carolina als Beispiel, als er nach der Rede noch zu ihr ist und ihr mit angeschaltetem Mikro mitteilte, dass er nun Hände schütteln wird. Dass sie selbst am Mikro war, ist mir nun nicht bekannt - am Familien- Kochbuch, dass die Kampagne verteilt, hat sie aber sicherlich einen gewaltigen Anteil gehabt. Dass sie kein Faktor in der Kampagne ist, wie der Artikel hier suggeriert, kann man echt nicht behaupten. Also, besser gar keine Info raushauen und die paar "Warum wird er ignoriert"- Beiträge der "Paulestinenser" oder wie man uns mittlerweile nennt als "Running Gag" freischalten - als irgendeinen Quark "hören" und als News verkaufen - rein mit dem Ziel, den Vorwurf des "Ignorierens" nicht zu bekommen. Danke!
Der Pragmatist 24.03.2012
5. Zwei Reisen machen
Zitat von SkeptischPeinlich, peinlich. Da gibt es doch tatsächlich auch Frauen, die gegen Abtreibung, Verhütung etc. sind. Denn leider, leider gibt es nicht nur schwarz-weiß. Wenn alle Frauen wirklich so emanzipiert wären, wie manche das gerne glauben würden, dann hätten die Konservativen keinerlei Chancen, denn die Hälfte der Wähler sind nunmal Frauen. Aber die verhalten sich nunmal nicht nach irgendwelchen politisch-correkten Vorgaben. Sonst gäbe es auch keine Frau Palin. Im Bibel-Gürtel der USA denkt und lebt man eben anders, sowohl was Frauen und auch Männer betrifft. Da gibt es kaum Unterschiede zu radikalen Moslems, außer, daß die amerikanischen Frauen das Haus verlassen und Auto fahren dürfen und auch kein Kopftuch oder Schleier tragen müssen. Und auch bei den moslemischen Frauen gibt es viele, die das gut finden und es nicht ändern wollen. Das sollte man mal zur Kenntnis nehmen. Man ist "als Frau" nicht automatisch für Emanzipation etc, nur weil man Frau ist. Sagt eine Frau.
Wenn Skeptisch wirklich glaubt, dass es kaum Unterschiede zwischen Frauen in den US Suedstaaten und den radikalen Moslems gibt, dann sollte sie waehrend ihrer naechsten Ferien einmal zwei Reisen machen: Eine nach Saudi Arabien und eine in die US Suedstaaten. Ihr werden die Augen aufgehen. Pragmatist
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