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10. April 2014, 09:09 Uhr

Kandidatensuche der US-Republikaner

Bush, der Dritte

Von , Washington

Erst der Vater, dann der Sohn - und jetzt dessen Bruder? Nach George und George W. erwägt auch Jeb Bush eine Präsidentschaftskandidatur. Führende Republikaner sind nicht abgeneigt - sie fürchten die konkurrierenden Polit-Clowns.

Nach den ungeschriebenen Gesetzen der Republikanischen Partei müsste deren kommender Präsidentschaftskandidat eigentlich Rick Santorum heißen. Denn Santorum, der Jesus-Kandidat aus den Vorwahlen von 2012, ging damals als Zweiter hinter Mitt Romney ins Ziel. Und der Zweite vom letzten Mal ist nach Republikaner-Logik des Öfteren der Erste im nächsten Rennen: So lag Romney 2008 noch hinter John McCain, McCain lag 2000 hinter George W. Bush.

Also jetzt Santorum? Nicht wirklich. Dem Partei-Establishment graust es. Schließlich will man nach acht Jahren das Weiße Haus endlich zurückerobern. Mit einem Kandidaten, der gegen Sex vor und außerhalb der Ehe, gegen die Schwulenehe und generell die Moderne ankämpft, ist das kaum möglich.

An diesem Punkt kommt Jeb Bush ins Spiel. Zugleich Sohn des 41. und jüngerer Bruder des 43. US-Präsidenten, erscheint er vielen als bester Gegner für die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten, sollte auch sie antreten wollen: Hillary Clinton. Bush versus Clinton - es wäre ein Kampf der Clans (Lesen Sie hier mehr über Amerikas Dynastien).

Verspottete Republikaner

Seitdem der 61-jährige Bush Ende März mit anderen potentiellen Kandidaten bei einer Veranstaltung des Großspenders Sheldon Adelson in Las Vegas auftrat, ist er Gesprächsthema Nummer eins bei den Republikanern: Wird Bush antreten? "Er bekommt jetzt derart viel Aufmerksamkeit, weil die Partei einen Mangel an Politikern hat, die etwas hermachen. Viele wollen antreten, aber wer von denen hat schon das Kaliber für den Präsidentenjob?", schreibt Jennifer Rubin, die konservative Kolumnistin der "Washington Post".

Jeb Bush selbst sagt: Ende des Jahres werde er sich entscheiden. Viel hänge davon ab, ob er "freudvoll" antreten könne, "weil wir Kandidaten brauchen, die unsere Stimmung heben." Das ist ein Seitenhieb auf den innerparteilichen Wahlkampf des Jahres 2012 mit Santorum, Newt Gingrich oder Rick Perry, die der Partei allesamt viel Spott eintrugen und die Stimmung verdüsterten.

Das erste Mal ließ Bush im vergangenen Jahr aufhorchen, als er die Konservativen mahnte, nicht immer nur anti zu sein: "Zu viele Leute haben den Eindruck, wir seien gegen Einwanderung, gegen Frauen, gegen Wissenschaft, gegen Schwule, gegen Arbeiter und, und, und." Die Republikaner aber sollten wieder die "Partei der Inklusion und Akzeptanz" werden.

Bushs Soft-Rhetorik fand am vergangenen Wochenende ihren vorläufigen Höhepunkt, als der Noch-nicht-Kandidat über illegale Einwanderer sprach: Natürlich hätten diese das Gesetz gebrochen, "aber das ist kein schweres Verbrechen, es ist ein Akt der Liebe". Denn es handele sich um Familien, die ihren Kindern in Amerika ein besseres Leben ermöglichen wollten: "Da ist ein Vater, der seine Kinder liebt und sich sorgt, dass sie Essen auf dem Tisch haben."

Jeb Busch kann gut mit der Latino-Community

Der Spanisch sprechende Jeb Bush, dessen Ehefrau Columba aus Mexiko stammt, kommt gut an bei Amerikas Latino-Community. Es ist just jener Bevölkerungsteil, den die Republikaner bisher kaum überzeugen konnten - etwa weil ihre Rechtsaußenfraktion eine Einwanderungsreform blockiert: Bei der Präsidentschaftswahl 2012 kam Romney auf nur 27 Prozent in dieser Gruppe. Wer bei den Latinos nicht punkten kann, der wird kaum Präsident. Jeb Bush hingegen holte bei seiner Wahl zum Gouverneur Floridas im Jahr 1998 immerhin 61 Prozent der Latino-Stimmen.

Wohl nicht zufällig hat Bush gerade einen Werbespot für die Spendervereinigung "New Republican" abgedreht, hinter der der Republikaner-Stratege Alex Castellanos steht. Der hatte die Gruppe nach dem 2012er-Desaster gegründet. Nur stumpfe Attacke auf Obama reicht nicht aus, das ist Castellanos' These. Ihm geht es um die Suche nach positiven Botschaften. Die neuen Republikaner - es passt perfekt ins Bush-Konzept.

Allerdings fällt auf: Die Botschaften sind so neu gar nicht. Da ist viel die Rede vom Kampf gegen die angebliche Staatsgläubigkeit, von der Selbstregulierungskraft der Wirtschaft. Konservative Klassiker schlechthin, nur neu verpackt. Nein, Bush geht es wohl mehr um die Verkaufe als um den Inhalt. Und es geht um die Neuerfindung der Marke Bush, die nach der Präsidentschaft des Bruders arg ramponiert ist. Wird Amerika noch einmal einen Bush wählen? Tatsächlich hat die Familiendynastie ja Erfahrung mit dem Wandel: Bush senior haftete das Image der elitären Ostküste an, woraufhin sich George W. in Texas neu erfand und mit Boots, Cowboyhut und entsprechenden Sprüchen bei der evangelikalen Rechten punktete.

Jeb hingegen setzt auf Florida und die Latinos. Das könnte sich schon bald auszahlen.

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