Christina Hebel

US-Sanktionen gegen Russland Washingtons Geschenk für Putin

Die US-Regierung ist überzeugt, dass Moskau sich in den US-Wahlkampf eingemischt hat - und verhängt neue Sanktionen. Für Wladimir Putin könnte der Zeitpunkt nicht besser sein.
Wladimir Putin

Wladimir Putin

Foto: ALEXANDER ZEMLIANICHENKO/ AFP

Wladimir Putin lachte auf, als NBC-Moderatorin Megyn Kelly ihn kürzlich nach der Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen fragte: "Wie könnte irgendjemand wirklich glauben, dass Russland Tausende von Kilometern entfernt das Wahlergebnis beeinflusst hat? Klingt das nicht auch für Sie lächerlich?" Der russische Präsident stritt einmal mehr alles ab.

Die US-Regierung hat nun Strafmaßnahmen gegen 19 Russen und fünf Organisationen in Russland verhängt, "für destabilisierende Aktivitäten" und "böswillige russische Cyberaktivitäten". Minutiös hatte US-Sonderermittler Robert Mueller im Februar auf 37 Seiten aufgeführt, wie 13 Russen seit 2014 versuchten, die Abstimmung zu beeinflussen. Im Zentrum steht die berüchtigte "Troll-Fabrik" in Sankt Petersburg des Putin-nahen Oligarchen Jewgenij Prigoschin. Er und einige seiner Unternehmen stehen auf der Sanktionsliste.

So logisch die Strafmaßnahmen nun als Konsequenz des Berichtes erscheinen, so schlecht ist der Zeitpunkt, an dem sie verkündet wurden: ausgerechnet vor der russischen Präsidentschaftswahl am Sonntag. Warum haben die USA nicht bis nach dem 18. März gewartet? Denn jetzt kann der Kreml immer behaupten: Seht her, das hat Washington nur verkündet, um Putin vor der Abstimmung zu schaden.

Eine Verschwörung des Westens?

Die russische Führung kann innenpolitisch aus der US-Ankündigung Kapital schlagen. Nicht nur, dass die Briten russische Diplomaten ausweisen und international weitere Strafmaßnahmen im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions Sergej Skripal fordern - jetzt stellen sich auch die USA gegen Moskau. Was braucht es mehr an Beweisen, dass sich die Welt gegen Russland verschworen hat? Im Staatsfernsehen hört man dieser Tage viel von "antirussischen Aktionen" und "Provokationen" gegen das Land.

Dagegen kann natürlich nur einer Widerstand leisten: Wladimir Wladimirowitsch Putin -der starke Präsident für ein starkes Russland, wie es auf den Wahlplakaten heißt. Der Präsident, der neue atomare Waffen bauen lässt, um sein Land beschützen zu können. Der Präsident, der von der Welt Respekt verlangt und die Nation aufruft, sich in diesen schweren Zeiten hinter ihm zu versammeln.

Das Außenministerium hat bereits gleichwertige Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA angekündigt.