US-Senat zu Irak "Tatsache ist, dass wir da reingehen werden"

Dem US-Senat, dem entscheidenden Gremium für die amerikanische Außenpolitik, scheint es mit einem Angriff auf den Irak ernst zu sein. Führende Senatoren beider Parteien sprachen sich dafür aus, Saddam Hussein militärisch abzulösen.


Washington - Auf einer mehrtägigen Anhörung in der vergangenen Woche hatten sich die US-Senatoren über mögliche Auswirkungen eines Krieges gegen den Irak informiert. Nun sagte der Demokrat Joseph Biden, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Senats, gegenüber dem Sender NBC: "Ich glaube, es wird wahrscheinlich zum Krieg gegen den Irak kommen."

Mit der Politik von US-Präsident George W. Bush scheint Biden nicht zufrieden zu sein. Er forderte, die Regierung müsse die Argumente für oder gegen einen Angriff klarer darstellen. Auch gelte es, sich mehr Unterstützung im In- und Ausland zu sichern.

Nach Einschätzung Bidens kann ein Angriff auf den Irak ausreichend begründet werden. Dies bedürfe allerdings einiger Anstrengung. Wenn erst mal die Bedrohung klar und sorgfältig dargestellt worden sei, werde es auch einfacher sein, die Verbündeten auf die Seite der USA zu ziehen.

"Wir sollten weniger darüber sprechen, wie wir ihn kriegen, sondern mehr über die Begründung dafür. Wie sieht die Bedrohung aus, was werden die Auswirkungen sein, wenn wir ihn nicht aufhalten, was für Alternativen gibt es gegen die Bedrohung, wie hoch werden jeweils die Kosten sein?", präzisierte Biden.

Der Republikaner Chuck Hagel, ebenso im Außenausschuss des Senats, sagte: "Tatsache ist, dass wir da (in den Irak) reingehen werden."

Der Irak hat unterdessen seine Einladung an Waffeninspektoren erweitert. Vergangene Woche war der Chef der Uno-Waffeninspektoren, Hans Blix, zu "technischen Gesprächen" nach Bagdad geladen worden. Nun lud das irakische Parlament den US-Kongress ein, eine Delegation ins Zweistromland zu schicken, um nachzuprüfen, ob im Irak Massenvernichtungsmittel hergestellt werden.

Parlamentpräsident Saadun Hammadi schrieb dem Kongress, das US-Parlament werde freie Hand haben bei der Zusammensetzung einer Delegation und der Auswahl der zu inspizierenden Anlagen, in denen Massenvernichtungswaffen "angeblich hergestellt werden oder werden sollen". Er gab die Zusicherung, dass der Delegation auch Experten für atomare, biologische und chemische Waffen angehören könnten. Die Abordnung aus Washington werde Gast der Regierung sein, für, "sagen wir mal, einen Zeitraum von drei Wochen".



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