Befreiter US-Soldat Bergdahl wegen Fahnenflucht und "Feigheit" angeklagt

Fünf Jahre lang war er Gefangener der Taliban, nun droht ihm lebenslange Haft in seiner Heimat: Der US-Soldat Bowe Bergdahl ist als Deserteur angeklagt, ihm wird "Feigheit vor dem Feind" vorgeworfen.


Washington - Der US-Soldat Bowe Bergdahl ist knapp zehn Monate nach seiner Freilassung aus fünfjähriger Taliban-Gefangenschaft wegen Fahnenflucht angeklagt worden. Der 28-Jährige müsse sich außerdem wegen "Feigheit vor dem Feind" verantworten, teilte die US-Armee am Mittwoch in Fort Bragg mit.

Das US-Militärrecht stellt mit diesem Tatbestand das Wegrennen, das Niederlegen von Waffen und anderes "feiges Verhalten" in Gefechtssituationen unter Strafe.

Die mögliche Höchststrafe für letzteren Vorwurf sei lebenslange Haft, sagte der Armeesprecher Oberst Daniel King. Gemäß dem Militärrecht werde nun in einer Anhörung geprüft, ob es genügend Beweise gebe, um einen Prozess zu eröffnen.

Bergdahl hatte sich im Juni 2009 nach Ansicht der Ankläger unerlaubt von seinem Stützpunkt in Afghanistan entfernt und war dabei von den Taliban gefangen genommen worden. Sie hatten den Unteroffizier fast fünf Jahre lang festgehalten.

In einem jetzt veröffentlichten Statement behauptet Bergdahl, den Taliban in dieser Zeit ein Dutzend Mal entkommen zu sein und insgesamt neun Tage lang in Freiheit gewesen zu sein. Seine Geiselnehmer hätten ihn jedoch jedesmal gefasst zur Strafe brutal geschlagen.

"Die Bedingungen waren schlecht"

Im Mai vergangenen Jahres war der Afghanistan-Veteran dank eines umstrittenen Gefangenenaustauschs freigekommen, bei dem die USA fünf afghanische Häftlinge aus dem US-Lager Guantanamo auf Kuba entließen.

Eine erste Untersuchung kurz nach Bergdahls Verschwinden war bereits zu dem Schluss gekommen, dass der Soldat seinen Posten "gezielt und freiwillig" verlassen habe. Als Fahnenflucht wurde dies damals aber noch nicht eingestuft, weil Bergdahls Motive nicht endgültig zu klären waren.

Bergdahl hatte sich aber kritisch über den Militäreinsatz in Afghanistan geäußert. Während seiner Zeit in Gefangenschaft schrieb er einen Brief an seine Eltern, in dem er sein Verhalten erklärte.

Demnach war er mit seiner Stationierung unzufrieden. "Die Führung war mangelhaft, oder überhaupt nicht vorhanden. Die Bedingungen waren schlecht und schienen sich für die Männer weiter zu verschlechtern, die ihr Leben tatsächlich bei Angriffen aufs Spiel setzten", zitierte das Magazin aus dem Brief vom März 2013.

Frühere Kameraden warfen Bergdahl zudem vor, er habe das Leben von US-Soldaten aufs Spiel gesetzt, die nach seinem Verschwinden eine Suchaktion gestartet hatten.

sun/mxw/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 56 Beiträge
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MrKnowItAll 25.03.2015
1.
Die Gefangenschaft bei den Taliban war sicher noch nicht Strafe genug. Bin gespannt, ob sich die Beweise für die Fahnenflucht finden. Wäre ja ein prima Fall, um andere abzuschrecken, die ebenso kriegsmüde sind.
Kamikaze.SpOn 25.03.2015
2. Ok
Dass Bergdahl nicht in typisch amerikanischer Manier zum Helden stilisiert, sondern zum Verräter erklärt wird, wird schon seine Gründe haben. Sollte ihm nachgewiesen werden, dass er fahnenflüchtig und dem Feind gegenüber feige war, verdient er eine angemesse Strafe.
deltametro2 26.03.2015
3. Verzeiht mein Zynismus
Ich halte "Feigheit vor dem Feind" eher für ein Zeichen von Intelligenz. Kein Land verdient dass man sich für es prügelt.
Carstens 26.03.2015
4.
Ein sehr sinnvoller Straftatbestand. Stellt den Soldaten quasi vor die Wahl Tod oder lebenslange Haft.
winterwoods 26.03.2015
5. Ein Exempel?
Scheinbar soll hier ein Exempel statuiert werden. Es soll wohl der Druck für den Soldaten erhöht werden, unter allen Umständen den eigenen Leib dem Politwillen zu opfern. Selbst in aussichtslosen Situationen wider aller Vernunft. Denn darauf läuft diese Anklage hinaus.
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