US-Spekulationen Nordkorea und die Raketenteile in Alaskas Tundra

Können nordkoreanische Raketen Los Angeles erreichen? Spekulationen über die Waffen von Kim Jong Il beflügeln die Phantasie und Ängste in den USA. Deshalb erhält auch ein Bericht über Raketenteile, die vor Jahren in Alaska gefunden worden sein sollen, neue Aufmerksamkeit.


Hamburg - Sechs Tage nach dem Überfall der Japaner auf den US-Stützpunkt Pearl Harbour löst das Auftauchen eines japanischen U-Boots vor der Küste von Kalifornien, das Hollywood als kriegswichtiges Potential zerstören will, eine Panik aus. In seinem Film "1941 - wo bitte geht's nach Hollywood" machte sich Regisseur Steven Spielberg 1979 über die Kriegsängste der Amerikaner lustig.

Antiamerikanische Propaganda in Nordkorea: Wie weit kann eine "Taepodong" fliegen?
REUTERS

Antiamerikanische Propaganda in Nordkorea: Wie weit kann eine "Taepodong" fliegen?

In diesen Tagen sind es Nordkoreas Diktator Kim Jong Il und sein Waffenarsenal, die die Amerikaner in Aufruhr versetzen. Eine japanische Zeitung meldet, die jetzt von Nordkorea getestete Langstreckenrakete sei vermutlich auf hawaiianisches Gewässergerichtet gewesen. Die "Taepodong 2" war vorgestern schon kurz nach dem Start ins Japanische Meer gestürzt.

Doch es gibt noch waghalsigere Gerüchte und Spekulationen, wenn es um das Waffenarsenal des kommunistischen Regimes in Pjöngjang geht. Die "Los Angeles Times" berichtet heute über einen mysteriösen Artikel aus Südkorea aus dem Jahre 2003, der jetzt wieder im Internet zirkuliert. Teile einer nordkoreanischen Rakete vom Typ Taepodong 1" seien im US-Bundesstaat Alaska gefunden worden, heißt es darin. Die in Südkorea erscheinende "Korea Times" hatte berichtet, dass es sich um das "Endstück eines Raketensprengkopfes" handele, der in Alaskas Tundra entdeckt worden sei. Das gehe aus einem Bericht hervor, der dem Parlament in Seoul vorliege.

Als Quelle wurde damals der ehemalige japanische Außenminister Taro Nakayama genannt. "Washington und Tokio haben bislang Pjöngjangs Raketenkapazitäten unterschätzt", zitierte auch die Zeitung "Hankook Ilbo" den Politiker. In Deutschland griff das "Handelsblatt" mit der Zeile "Nordkoreanische Raketenteile in Alaska gefunden" den Bericht auf.

Nakayama sagte, er habe 1998 während eines Besuchs in Washington wenige Monate nach einem nordkoreanischen Raketentest von einem Mitarbeiter des US-Außenministeriums von dem Fund in Alaskas Weiten gehört. Neben Nakayama wird der südkoreanische Abgeordnete Kim Hak-won zitiert: Der Vorfall in Alaska zeige "deutlich, wie sehr Nordkoreas Raketenmöglichkeiten unterschätzt" würden. Aber auch Kim bezieht sich nur auf Nakayama.

"Elvis am Südpol entdeckt"

Für Aufregung sorgten die Spekulationen natürlich auch in Alaska. Die "Anchorage Daily News" griffen 2003 den Bericht aus Südkorea auf. Die Dementis von US-Seite kamen prompt. Das Blatt befragte den republikanischen Senator Ted Stevens - der aber klarstellte, niemals etwas von dem Fund gehört zu haben. Mehr zu sagen bei seinem Dementi hatte da schon Rick Lehner, Sprecher der amerikanischen Missile Defense Agency. Es könne sich nur um den Test einer dreistufigen Rakete im Jahre 1998 handeln. Er wisse nicht, wie nah die "Taepodong" Alaska gekommen sei. Aber auf jeden Fall "sehr weit entfernt davon", nämlich "Hunderte von Meilen vorher im Pazifik".

Der Bericht über den angeblichen Sprengkopf-Fund in Alaska passt also zu den Spekulationen und Ängsten vor den technischen Fähigkeiten der nordkoreanischen Raketen. Mal heißt es, sie könnten die Millionen-Metropole Los Angeles erreichen. Im sogenannten Rumsfeld-Bericht war schon 1998 die Rede davon, dass leichtgewichtige Versionen der "Taepodong 2" bis zu 10.000 Kilometer weit fliegen könnten und damit sogar bis nach Phoenix in Arizona oder Madison in Wisconsin kämen.

In Internet-Zirkeln wurde die Alaska-Story allerdings auch mit Skepsis aufgenommen. Sprengkopf-Teile in der Tundra seien so realistisch wie "Elvis am Südpol entdeckt".

als



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