US-Streitkräfte Kongress will blutiges Tiertraining der Armee stoppen

Tausende Ziegen, Hunde und Schweine starben schon in den Übungszentren des US-Militärs - verstümmelt, um angehende Sanitäter trainieren zu lassen. Nun greift der Kongress ein: Das Pentagon muss einen Plan zum Stopp der Experimente vorlegen. Doch die nächsten Opfertiere sind schon bestellt.
Ziege in den USA (Symbolbild): Schon bald weniger blutige Übungen des Militärs?

Ziege in den USA (Symbolbild): Schon bald weniger blutige Übungen des Militärs?

Foto: Toby Talbot/ AP

Washington - Das Training an lebenden Tieren hat eine lange Tradition in der US-Armee. Seit dem Vietnamkrieg starben unzählige Hunde, Ziegen und andere Vierbeiner auf den Schießbahnen des Militärs oder unter dem Übungsskalpell seiner angehenden Sanitäter. Damit könnte nun bald Schluss sein: In dieser Woche wird das Pentagon einen Plan vorlegen, wie es das "Training an lebendem Gewebe" abschaffen will.

Freiwillig wagt das US-Verteidigungsministerium diesen Schritt jedoch nicht. Im Gegenteil: Die Maßnahme wurde vom US-Kongress angeordnet. Als Teil der rechtlichen Neuerungen für das Fiskaljahr 2013 muss das Militär nun zum ersten Mal in seiner Geschichte offenlegen, welchen Effekt die Tierexperimente in der Ausbildung der Soldaten wirklich bringen. Gleichzeitig soll belegt werden, ob der Verzicht auf lebende Tiere zu "einem Kompetenzverlust für das medizinische Personal im Kampf" führen würde.

Tierschützer in den USA feiern diese Initiative als großen Erfolg. "Der Kongress stellt nun klar, dass es falsch ist, Tiere für grobes medizinisches Training zu missbrauchen", erklärte Justin Goodman von der Tierschutzorganisation Peta der "Washington Post" . Inzwischen gebe es moderne Alternativen zu dem Schlachtfest der Streitkräfte. So würden spezielle Puppen einen ähnlichen Trainingseffekt bieten wie verstümmelte Ziegen.

Seit den achtziger Jahren verzichtet das Militär auf die Verwendung von Hunden bei seinen Übungen. Ziegen werden jedoch noch immer eingesetzt. Meist werden die Tiere betäubt und dann verletzt. An den Auszubildenden ist es, die Wunden möglichst rasch zu versorgen.

Das Pentagon verweist auf die große Bedeutung der umstrittenen Tests für die Sicherheit der Truppen im Einsatz. "Die Übungen mit lebenden Tieren ermöglichen es unseren Ärzten und Sanitätern später im Einsatz Menschenleben zu retten", zitiert die Zeitung Ministeriumssprecherin Jennifer D. Elzea. Gerade während der Ausbildung der Erstversorger sei die Verletzung von Tieren unverzichtbar.

Fünf Millionen Dollar für Ziegen eingeplant

Unter Kriegsveteranen ist die Praxis umstritten. Während viele die vorsätzliche Verletzung von Tieren ablehnen, verweisen andere auf den unschätzbaren Lerneffekt. So berichtet Michael Bailey, ehemals Sanitäter im Irak: "Man hat einfach nicht das Gefühl, dass eine Puppe sterben könnte. Der Druck ist größer, wenn es um ein Leben geht. Im Einsatz ist das genau das Training, das man in der Hinterhand haben möchte."

Bis die neue Regelung tatsächlich zu einem Stopp der blutigen Experimente führen kann, dürfte es jedoch noch einige Zeit dauern. Vorerst hat die Initiative aus dem Kongress noch keine Auswirkung auf die tatsächlichen Praktiken der Streitkräfte. Dies belegt die folgende Zahl: Die Armee erklärte zuletzt, dass sie für die kommenden fünf Jahre ein Budget von fünf Millionen Dollar für Ziegen im medizinischen Training einplant. Der Vertrag für die Lieferung der Tiere startet am 1. März 2013 - am selben Tag muss das Pentagon seinen Tierschutz-Plan beim Kongress abliefern.

jok
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