Pew-Umfrage Trump macht den Deutschen Angst

Die Deutschen haben ein verheerendes Bild von Donald Trump. Doch das Ansehen der USA leidet darunter offenbar nicht: Eine Studie zeigt, wie sehr das Vertrauen nach der NSA-Affäre wieder gewachsen ist.

Donald Trump
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Von , Washington


Donald Trump hat in den USA momentan seine Schwierigkeiten, aber er kann froh sein, nicht in Deutschland für ein führendes politisches Amt anzutreten. Nur 6 Prozent der Deutschen haben ein positives Bild vom Republikaner, 89 Prozent hingegen haben keinerlei Vertrauen zu ihm. Punkten kann der 70-Jährige allenfalls unter Anhängern der AfD. Knapp ein Fünftel der Anhänger der rechtspopulistischen Partei kann mit Trump etwas anfangen. Die Zahlen ermittelten die amerikanischen Meinungsforscher vom Pew Research Center in einer neuen Großstudie, in der sie das Ansehen der USA und führender amerikanischer Politiker unter 21.000 Bürgern in 16 europäischen und asiatischen Staaten untersuchten.

Die miserablen Zahlen dürften auch mit Trumps Deutschlandbild zusammenhängen. Regelmäßig kommt der Republikaner auf Deutschland zu sprechen, und zwar sehr negativ. Trump attackiert die Politik der Bundesregierung in der Flüchtlingskrise scharf, ohne sich jemals wirklich damit beschäftigt zu haben. Die Kanzlerin greift er immer wieder für ihren Kurs an, und hält ihr vor, mit der zwischenzeitlichen Öffnung aller Grenzen die Identität Deutschlands und des gesamten Kontinents zerstört zu haben. Angela Merkel hat darauf bislang nicht reagiert.

Bemerkenswert ist, dass das massive Misstrauen gegenüber Donald Trump und das Durcheinander im amerikanischen Wahlkampf nicht auf das Verhältnis zu den USA abzufärben scheinen. Im Gegenteil: Der Ruf Amerikas, der im Zuge der Abhöraffäre schweren Schaden genommen hatte, bessert sich wieder, das Vertrauen wächst.

Mittlerweile haben 57 Prozent der Deutschen ein positives Bild vom Partner jenseits des Atlantiks, im Vergleich zu vergangenem Jahr sind das sieben Prozentpunkte mehr. Auch glaubt wieder mehr als die Hälfte der Deutschen, dass die USA die Freiheitsrechte schützen. Im vergangenen Jahr waren das noch zehn Prozent weniger. Die NSA-Affäre rückt offensichtlich ein wenig in den Hintergrund.

Die Experten vom Pew Research Center führen das Tauwetter im transatlantischen Verhältnis vor allem auf den weiterhin sehr guten Ruf von Präsident Barack Obama zurück. "Obama ist noch immer sehr populär in Europa. Seine in Deutschland sogar gestiegenen Werte helfen dem Gesamtimage Amerikas", sagt Richard Wike, der die Studie betreute, SPIEGEL ONLINE.

Die Zahlen sind eindeutig: 86 Prozent der Deutschen finden der Umfrage zufolge, dass Obama in der Weltpolitik auf dem richtigen Kurs ist. Ein starker Wert, nur die Schweden und die Niederländer vertrauen dem US-Präsidenten noch stärker. Das Vertrauen in Obama ist gar noch größer als das in die Kanzlerin: Nur 73 Prozent der Deutschen bescheinigen Angela Merkel den richtigen Ansatz in der Weltpolitik, damit liegt sie sogar noch hinter der designierten demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die auf 76 Prozent kommt.

Obamas Beliebtheit scheint sich auch politisch auszuwirken. So fragten die Meinungsforscher in den europäischen Staaten auch danach, wie groß der Rückhalt für den US-geführten Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" ist. In Deutschland ist dieser besonders groß: Rund 71 Prozent gaben an, Obamas Ansatz zu unterstützen, ein deutliches Plus von neun Prozentpunkten im Vergleich zum letzten Jahr.

Die Deutschen halten Amerika zudem erstmals in Obamas Amtszeit für die führende ökonomische Macht. Im Zuge der Finanzkrise von 2008 hatte in dieser Kategorie seither stets China vorne gelegen, aber je länger die Bankenkrise zurück liegt und je stärker sich die Wirtschaft in Amerika erholt, desto mehr Vertrauen scheinen die Deutschen wieder Amerikas ökonomische Stärke zu haben.



insgesamt 186 Beiträge
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Seite 1
ulrich_loose 29.06.2016
1. Für eine ökomische Macht
würde ich eher die Bundesrepublik halten... Viel Öko und komisch und wenig nomisch.... (;-) Bitte den Tippfehler beseitigen
Koda 29.06.2016
2. Verheerendes Bild und Angst sind zwei Paar Schuhe
Angst sollte man erst haben, wenn Trump Präsident werden sollte udn er Zugang zum Atomköfferchen haben sollte. Mindestens dann wenn man in Schottland neben einem seiner Golfplätze wohnt.
ulfD 29.06.2016
3.
hmm komisch mir macht der kine Angst genausowenig wie in meinem Bekanntenkreis irgendjemandem. Wer wurde da gefragt? Nur politisch geschulte also die die auf Linie sind?
sanibel123 29.06.2016
4. Einen Mann wie Trump an der Spitze der USA zu sehen..
ist eine grauenhafte Vorstellung. Die Amerikaner sind ja nettte und hilfsbereite Menschen und daher rührt eben das gute Ansehen, dass sie hier haben. Und das dürfte besonders bei denen so sein, die schon mal dort waren.
vox veritas 29.06.2016
5. Aha
"Die Deutschen haben ein verheerendes Bild von Donald Trump. " Und wer zeichnet dieses Bild?
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