US-Studie Verzerrtes Bild vom Krieg

"Eingebettete" Reporter haben das Bild des Irak-Kriegs in US-Medien maßgeblich bestimmt. Nach einer amerikanischen Studie kamen Berichte über das Frontleben der US-Soldaten erheblich häufiger auf die Titelseite als das Leid der Zivilbevölkerung.


Pennsylvania/USA - Eine Studie der Pennsylvania State University zeigt, dass der Rückgriff auf "eingebettete" Reporter die Zahl und Art der veröffentlichten Artikel bei US-Printmedien beeinflusst hat. Dabei sei deutlich geworden, dass durch den Einsatz der an militärische Einheiten gebundenen Reporter erheblich mehr Texte über den Alltag der Soldaten und weniger über irakische Zivilisten gedruckt worden seien.

Fast 750 Artikel von rund 70 Medien aus der Zeit des Irak-Krieges zwischen März und Mai 2003 hat der Nachwuchsforscher Andrew Lindner für die Studie untersucht. 2003 hatte das Pentagon die Praxis des "Einbettens" von Journalisten in militärische Einheiten entwickelt, nachdem sich Medien über beschränkten Zugang zu vorherigen Konflikten beschwert hatten.

Lindner fand heraus, dass in 90 Prozent aller Artikel von eingebetteten Journalisten US-Soldaten zitiert werden. In der Berichterstattung von unabhängigen Journalisten, die weder auf Militäreinheiten noch auf die irakische Hauptstadt Bagdad beschränkt waren, fanden sich dagegen in über 70 Prozent der Texte Iraker als Quellen.

Soweit scheinen die Ergebnisse eine Frage des Zugangs zu Quellen im Irak. Lindner fand jedoch heraus, dass amerikanische Medien auf ihren Titelseiten die Berichte der verschieden eingesetzten Reporter sehr unterschiedlich gewichteten.

Mit Ausnahme der "New York Times" war auf Titelseiten US-weit der Anteil an Berichten eingebetteter Reporter erheblich höher als der Anteil an Berichten unabhängiger Journalisten. Die Zeitung "USA Today" druckte in dieser Zeit sogar zu 100 Prozent Berichte von eingebetteten Reportern. Lindner sagte, seine Studie biete die erste systematische Untersuchung dieses Aspekts der Kriegsberichterstattung.

sön



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