US-Stützpunkte im Irak Lebensgefahr durch Stromschläge, Kurzschlüsse, Kabelbrand

Mehr als ein Dutzend Tote, etliche Verletzte, Hunderte Feuer: US-Soldaten im Irak leben gefährlich - auch wegen unzureichend gesicherter und defekter Stromleitungen. Das Pentagon hat die Risiken lange ignoriert, bis ein GI unter der Dusche starb.

Hamburg - Ryan Maseth war ein guter Soldat, darin sind sich Kollegen und Vorgesetzte einig. Er starb am 2. Januar 2008 in der Nähe von Bagdad, "als Held, im Dienst unseres Landes", wie sein Bruder bei der Beerdigung sagte. Doch für seinen Tod ist kein Terrorist oder Aufständischer verantwortlich, keine Bombe und keine Gewehrkugel. Staff Sergeant Ryan Douglas Maseth starb unter der Dusche. Als ein Stromstoß seinen Körper durchfuhr, blieb sein Herz stehen. Er wurde 24 Jahre alt.

Maseths Schicksal ist allerdings bei weitem kein Einzelfall, wie die "New York Times" berichtet. Defekte und falsch installierte Stromleitungen sind demnach das zweitgrößte Sicherheitsrisiko für US-Soldaten im Irak - gefährlicher sind nur Kampfhandlungen. Die Autoren einer Übersicht der US-Armee bezeichnen das Problem als flächendeckend. Es sei zurückzuführen auf "elektrisches Zubehör von schlechter Qualität, das beschafft und - mitunter schlampig - eingebaut wurde, und das dann eine maßgebliche Anzahl von Bränden ausgelöst" habe.

Bislang hatte das Pentagon der Zeitung zufolge nur angegeben, dass 13 Amerikaner im Irak durch Stromschläge ums Leben gekommen sind, hinzu kommen dem Bericht zufolge aber etliche Verletzte. Unter Berufung auf geheime Dokumente des Pentagons schreibt die "New York Times", allein in einem Zeitraum von sechs Monaten (zwischen August 2006 und Januar 2007) seien dort 283 Feuer durch Kurzschlüsse in den Elektroleitungen ausgebrochen.

Aus den Unterlagen gehe außerdem hervor, dass zwei Soldaten 2006 bei einem Kabelbrand auf ihrem Stützpunkt in der Nähe der nordirakischen Stadt Tikrit ums Leben kamen. Ein weiterer wurde schwer verletzt, als er im Mai 2007 von einem brennenden Wachturm sprang. Die Bewohner eines Gebäudekomplexes in der Nähe von Bagdad haben sich den Akten zufolge in der Vergangenheit immer wieder über Stromschläge beklagt - beinahe täglich habe es einen Zwischenfall gegeben. Eine exakte Erhebung aller Vorfälle gibt es allerdings bislang nicht.

"Stets um Sicherheit bemüht"

Verantwortlich für die Installation und Wartung der Leitungen ist laut "New York Times" die US-Firma KBR mit Sitz in Houston. Das Unternehmen hat inzwischen eine eigene Studie zu dem Thema in Auftrag gegeben. Eine Sprecherin wollte sich dazu aber nicht äußern und sagte nur, man habe keinen Hinweis auf eine Verbindung zwischen der Arbeit von KBR und den Stromschlägen gefunden. "KBR ist stets um die Sicherheit seiner Mitarbeiter und Kunden bemüht", fügte sie noch hinzu.

Das Pentagon hält sich zum Sachverhalt noch immer bedeckt. Aufmerksam wurden Juristen und Behördenmitarbeiter auf das Problem offenbar erst, nachdem die Angehörigen von Ryan Maseth eine Aufklärung seiner Todesumstände forderten. Eine Mitarbeiterin des Ministeriums, die sich um Vertragsfirmen kümmert, sagte laut dem Bericht allerdings aus, dass die Behörden frühzeitig von den Gefahren wussten - und untätig blieben. Zwei Wochen vor dem Tod des Soldaten Maseth kam es ihren Angaben zufolge zu einem ähnlichen Zwischenfall im selben Gebäude. Die beiden Männer seien nur durch einen glücklichen Zufall mit dem Leben davongekommen.

So viel Glück hatte Anthony Lynn Woodham nicht. Er starb am 5. Juli im irakischen Tallil - ersten Berichten zufolge durch einen Stromschlag. Und die offizielle Todesursache? Die wird derzeit geprüft.

ffr

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.