US-Terrorismus-Bericht Al-Qaida bleibt trotz Rückschlägen größte Bedrohung

2009 war offenbar ein Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus: Die Zahl der weltweiten Anschläge war laut einer US-Analyse so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Nach wie vor die größte Bedrohung: al-Qaida. Doch die USA fürchten auch die Taliban in Afghanistan immer mehr.

Tikrit im April: Irakische Soldaten nach einem Angriff auf al-Qaida-Anhänger
AP

Tikrit im April: Irakische Soldaten nach einem Angriff auf al-Qaida-Anhänger


Washington - Das Terrornetzwerk al-Qaida hat nach Einschätzung der US-Regierung im Jahr 2009 erhebliche Rückschläge hinnehmen müssen. Es bleibe aber die schlagkräftigste Terrororganisation und größte Bedrohung für die USA, heißt es im alljährlichen Terrorismus-Bericht für das Jahr 2009, den das US-Außenministerium am Donnerstag veröffentlichte.

Der Verlust von mehreren Anführern habe es schwerer für die al-Qaida gemacht, Geld zu sammeln und Mitglieder zu rekrutieren, sagte Daniel Benjamin, Terrorabwehrexperte des Ministeriums. Hinzugekommen sei Unmut bei Muslimen über al-Qaida-Angriffe auf andere Muslime. Die Zahl religiöser Führer und ehemaliger Aufständischer, die sich gegen das Netzwerk stellen, habe zugenommen.

Während die Organisation in Pakistan an Kraft verlor, konnte sie dem Bericht zufolge ihre Position in anderen Regionen stärken - durch Verbündete und Stellvertretergruppen im Jemen, in Nordafrika und Somalia.

Gleichwohl ging laut US-Außenministerium 2009 die Zahl der Terroranschläge weltweit auf knapp 11.000 zurück - der niedrigste Stand seit mehreren Jahren. Die Zahl der Todesopfer sei auf rund 15.000 nach fast 23.000 zurückgegangen. Auch im Irak seien die Anschläge im vorigen Jahr stark rückläufig gewesen.

In Afghanistan hingegen gab es einen drastischen Anstieg. Er geht auf das Konto der Taliban, die ihre Attacken gegen die internationalen Truppen und Zivilisten verstärkt haben. Demnach gab es 2009 in Afghanistan 2126 Terroranschläge, 2008 waren es 1222. Die Taliban würden unverändert von al-Qaida finanziert und ausgebildet und blieben ein harter Gegner im Süden und Osten des Landes, heißt es in dem Jahresbericht. Demnach dehnt die Organisation zudem ihre Präsenz zunehmend in den Norden und Westen des Landes aus.

Als größten Förderer des internationalen Terrorismus macht der Bericht weiterhin Iran aus. Die USA beschuldigen das Land, unter anderem die Schiitenmiliz Hisbollah im Libanon und die radikalislamische Palästinensergruppe Hamas zu unterstützen. Auch Syrien, Kuba und der Sudan finden sich wie im Vorjahr auf der schwarzen Liste der Terror-Unterstützer.

Nordkorea, das im Jahr 2008 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush von der Liste gestrichen worden war, wird weiterhin nicht als Unterstützer des internationalen Terrorismus geführt.

can/dpa/AFP/Reuters



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