Transport-Leichtsinn Lebende Milzbrand-Erreger gelangten bis nach Australien

Durch laxe Handhabung gelangten lebende Anthrax-Erreger an US-Labore in neun Bundesstaaten und Südkorea. Auch ein Labor in Australien soll eine Probe erhalten haben. Die Behörden ermitteln, wie es zu der Panne kommen konnte.

Dugway-Laborkomplex in Utah: US-Forschungseinrichtung seit 1942
AFP

Dugway-Laborkomplex in Utah: US-Forschungseinrichtung seit 1942


Washington - Wohin schickte das Dugway-Labor in Utah seine nicht neutralisierten Milzbrand-Proben? Bisher war bekannt, dass die offenbar unzulänglich bestrahlten Erreger im März 2014 in 18 Labore in neun US-Bundesstaaten versandt worden seien, außerdem sei eine Probe nach Südkorea gelangt. Am Freitag nun bestätigte das Pentagon, die militärische Forschungseinrichtung habe die Anthrax-Kulturen auch an ein Labor nach Australien geschickt.

Momentan liefen jedoch noch Ermittlungen zum genauen Versanddatum und den Bestimmungsorten der Lieferungen. "Wir bemühen uns darum herauszufinden, wohin die Proben geschickt wurden", erklärte der stellvertretende Verteidigungsminister der USA, Bob Work. Australiens Außenministerin Julie Bishop erklärte, ihr Land unterstütze die Untersuchungen. "Ich bin froh, dass sie stattfinden." Kristen Nordlund, Sprecherin der US-Seuchenschutzbehörde CDC, sagte, die verschickten Proben würden nun nach und nach auf lebendige Erreger geprüft, erste Ergebnisse würden allerdings erst in der nächsten Woche erwartet.

Nach Angaben des Pentagon war im März vergangenen Jahres in einem Labor der Militäranlage Dugway Proving Ground im US-Bundesstaat Utah eine Anthrax-Probe aus dem Jahr 2008 bestrahlt worden, um die Erreger vollends abzutöten. Die Probe wurde in neun Teile aufgeteilt und in den folgenden Monaten zu wissenschaftlichen Zwecken an andere Einrichtungen verschickt, die die Proben weiter aufteilten und an private Labore verschickten. Ein Labor in Maryland hatte in der vergangenen Woche die Behörden alarmiert, da aus einer der Proben lebende Anthrax-Bakterien gezüchtet werden konnten. Dugway, in einem entlegenen Wüstenareal Utahs gelegen, dient dem US-Militär seit 1942 als Forschungsstätte.

Delaware, Texas und Wisconsin

Am Donnerstag hatte das US-Verteidigungsministerium eingeräumt, dass eine Lieferung auch an den US-Luftwaffenstützpunkt im südkoreanischen Osan gegangen sei. Dort kamen bis zu 22 Menschen mit der Anthrax-Probe in Kontakt. In den USA wurden vier Labormitarbeiter in Delaware, Texas und Wisconsin vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Ein Risiko für die breite Öffentlichkeit bestehe nach Angaben des Pentagon zurzeit nicht. Es gebe auch bisher keine Verdachtsfälle oder bestätigte Fälle von Anthrax-Infektionen.

Milzbrand wird durch ein sporenbildendes Stäbchenbakterium übertragen und führt, je nach Art, zunächst zu Grippe- oder Bronchitis-ähnlichen Symptomen, kann aber tödlich enden. Es gibt Lungen-, Darm- und Hautmilzbrand, die Hauptverbreitungsgebiete des zumeist von Vieh übertragenen Erregers liegen in sumpfigen und nassen Regionen der Südhalbkugel.

Schon im vergangenen Jahr waren staatliche Einrichtungen in den USA wegen ihres laxen Umgangs mit gefährlichen Substanzen in die Kritik geraten. Die Gesundheitsbehörde CDC schloss zwei ihrer Labore, eines davon wegen unsachgemäßen Umgangs mit Anthrax. Proben des gefährlichen Erregers seien dort nicht in verschlossenen Kühlschränken, sondern in Schränken in frei zugänglichen Fluren gelagert worden. Erreger-Material sei außerdem in einfachen, leicht zu öffnenden Plastikbeuteln transportiert worden.

bor/AFP/AP



insgesamt 7 Beiträge
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redbayer 30.05.2015
1. Wenn es um Mordwerkzeuge geht
hier Antrax - kennt der Weltmachtführer "keine Gnade". Das Zeug wird gleich zu allen Vasallen geschickt u.a. Ausstralien, Südkorea. Logischerweise sollte es dann auch in Deutschland (Rheinland-Pfalz) zumindest (zwischen) gelandet sein. Interessiert hier natürlich niemand, genau so wenig wie amerikanische Totalüberwachung und Killerdrohnen (Anm.: ein Hobby der Kriegsministerin vdL).
nimmersatt 30.05.2015
2. Bescheidene Frage - wer liefert prägnante Antwort?
Weshalb, warum, wieso wird solch ein Teufelszeug produziert und wer hat den Auftrag dazu gegeben? DAS zu hinterfragen viel wichtiger als alle Diskussionen um den Tellerrand. Exzellentes Beispiel Merkel & BND wo sich die Basis eionschließlich der medien immer weiter entfernt!
Friedrich Hattendorf 30.05.2015
3. Wozu braucht man Feinde,
wenn man solche Militärs hat
Rot2010 30.05.2015
4. Wozu?
sind biologische Waffen nicht verboten? Achso, sind ja dieser USA. Da wird wohl weiter an diesem netten Arsenal gebastelt.
gehtsnochbesser? 30.05.2015
5. Is schon witzig.
Da machen die Australier bei jeder Einreise ein riesiges Tamtam wegen irgendwelcher gefährlichen Erreger und dann bekommen sie es von ihren Freunden mit der Post besorgt.
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