US-Truppen in Afghanistan Obama sucht Exit-Strategie

Barack Obama will die US-Truppen aus Afghanistan zurückholen. Auf seiner Asienreise wird immer klarer, dass der Präsident nach einer "Exit-Strategie" sucht. Politik paradox: Dafür braucht er zunächst eine Truppenaufstockung.
Von Gabor Steingart
US-Soldaten in Afghanistan: Obamas Team bastelt an der Exit-Strategie

US-Soldaten in Afghanistan: Obamas Team bastelt an der Exit-Strategie

Foto: Joe Raedle/ Getty Images

Barack Obama

will die US-Truppen so schnell wie möglich aus Afghanistan zurückholen. Das zeichnet sich am Rande der Asien-Reise des Präsidenten ab. "Die USA können nicht für immer bleiben", sagte er im Anschluss an ein Gespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Yukio Hatoyama.

Eine Entscheidung über die Afghanistan-Strategie stehe kurz bevor: Er werde "die klare Botschaft senden, das das afghanische Volk selbst in die Lage versetzt werden soll, für die eigene Sicherheit zu sorgen."

Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, kritisierte anschließend vor Journalisten die weitgehend irreführende Berichterstattung verschiedener US-Medien, die in den vergangenen Wochen immer wieder über eine angeblich bevorstehende Truppenaufstockung von 40.000 Soldaten spekuliert hatten. Die hatte der für Afghanistan verantwortliche General McChrystal gefordert, aber ihr wird offenbar nicht stattgegeben.

Die Diskussion im engsten Beraterkreis des Präsidenten beschrieb Gibbs mit den Worten: "Wir schauen nicht nur, wie können wir mehr Soldaten reinbringen, sondern wir reden auch darüber, wie können wir unsere Leute da rauskriegen." Er bekräftigte das, was der Präsident zuvor gesagt hatte: "We're not going to be there forever."

Ein Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates, der um Anonymität bat, erläuterte am Rande der Gespräche in Tokio: "Es geht uns weiter darum, al-Qaida aufzutreiben und zu zerschlagen. Aber zugleich suchen wir nach einer Exit-Strategie für Afghanistan." Das Ziel sei es, möglichst schnell Verantwortung auf die afghanischen Sicherheitsorgane übertragen zu können. Das hatte jüngst auch General James Jones, der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates mit Sitz im Weißen Haus, im SPIEGEL-Interview gesagt.

Unterstützung für den Rückzug auf Raten kommt auch von den Konservativen, die ihr Land nicht in ein zweites Vietnam verstrickt sehen wollen. Ein prominenter Republikaner, der vom Präsidenten Zugang zu vertraulichen CIA-Informationen bekommt und ihm im Gegenzug als Ratgeber außerhalb des Nationalen Sicherheitsrates zur Verfügung steht, sagt: "Es gibt derzeit nur schlechte Entscheidungen. Der Präsident befindet sich in Afghanistan in einer Schlangengrube. Dieser Krieg ist auch mit 200.000 zusätzlichen Soldaten nicht zu gewinnen. Bei der jetzigen Entscheidung geht es nicht um das Wünschenswerte, sondern um das Leistbare."

Der Abmarsch der USA wird ein Rückzug auf Raten sein, dem wahrscheinlich eine Truppenaufstockung von 10.000 bis 20.000 Soldaten vorausgeht. Die Mehrzahl dieser Soldaten soll allerdings nicht ins Gefecht ziehen, sondern die afghanische Armee ausbilden und trainieren, um ihr die Verantwortung für die Sicherheit des Landes übertragen. Die Frage sei "how to transfer", sagte Gibbs, wie lasse sich Verantwortung übertragen. Umfragen hatten zuletzt die Kriegsmüdigkeit der amerikanischen Wähler ergeben.

Der Präsident werde seine Entscheidung noch in diesem Jahr treffen, sagte Gibbs, und sie in einer "big speech", in einer großen Rede, "in totally", also in allen Details erklären. Obama selbst bat die Öffentlichkeit um Geduld: Es gehe nicht um eine schnelle, sondern um eine "bestmögliche Entscheidung". Nach Rückkehr von der achttägigen Asien-Reise wird er erneut den Nationalen Sicherheitsrat einberufen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.