US-Verbündeter Berlusconi hadert mit Irak-Einsatz

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat US-Präsident George W. Bush nach eigenen Worten mehrmals vom Krieg gegen den Irak abhalten wollen. Zudem zweifelt er daran, ob der Militäreinsatz dazu geeignet war, um das Land zu demokratisieren.

Rom - "Ich habe bei mehreren Gelegenheiten versucht, den amerikanischen Präsidenten zu überzeugen, keinen Krieg zu führen", sagte Berlusconi in einem Interview mit dem Fernsehsender La7, das morgen ausgestrahlt werden soll. Er habe mehrere andere Lösungen gesucht, auch eine gemeinsame Intervention mit dem libyschen Staatschef Muammar el Gaddafi. "Wir haben das nicht geschafft und es kam zur Militärintervention. Ich glaube, man hätte dies vermeiden sollen", erklärte Berlusconi.

Der italienische Regierungschef sagte weiter, er sei nicht überzeugt, dass der Krieg das beste System sei, "um ein Land demokratisch zu machen und es von einer wenn auch blutigen Diktatur zu befreien". Italien ist einer der wichtigsten Verbündeten der Vereinigten Staaten im Irak. Zurzeit sind dort rund 3000 italienische Soldaten stationiert. Berlusconi trifft Bush am Montag zu Gesprächen im Weißen Haus.

Die Regierung in Rom will die Truppen in der ersten Jahreshälfte 2006 aus dem Irak abziehen. Das machte der italienische Verteidigungsminister Antonio Martino in einem Interview deutlich. "Es ist plausibel, anzunehmen, dass unser Kontingent im ersten Halbjahr 2006 wieder heimgeholt werden könnte", sagte Martino der Zeitung "Il Messagero".

Italien hat kürzlich schon eine erste Gruppe von 300 Soldaten nach Hause geholt, die verbleibenden Soldaten sind im Südirak stationiert. In dem von den italienischen Truppen überwachten Gebiet würden mittlerweile 80 Prozent der Sicherheitsoperationen von den irakischen Streitkräften wahrgenommen, sagte Martino. "Wir nähern uns also dem Zeitpunkt, wo der Irak in der Lage sein wird, sich um seine Sicherheitsinteressen selbst zu kümmern."

Ministerpräsident Berlusconi hatte sich in der Vergangenheit widersprüchlich zu einem Zeitplan für einen Truppenabzug geäußert. Seit Beginn des Irak-Einsatzes sind 27 italienische Soldaten in dem Golfstaat ums Leben gekommen.

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