US-Verhöre Saddam blieb wortkarg

Selbst psychologische Verhörtricks konnten ihm wenig entlocken: Ex-Diktator Saddam Hussein blieb während seiner siebenmonatigen Gefangenschaft schweigsam. Die Amerikaner wollten von ihm vor allem etwas über die irakischen Waffenprogramme und den Widerstand gegen die Besatzungstruppe erfahren.


Saddam Hussein: Trotz Psychotricks in den Verhören schweigsam
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Saddam Hussein: Trotz Psychotricks in den Verhören schweigsam

Washington - "Wir haben sehr wenig herausbekommen, ich würde sagen, fast gar nichts", zitierte heute die "New York Times" einen ehemaligen Mitarbeiter der Besatzungsbehörde. Andere Beamte betonten, dass bei der Befragung zwar keine brutalen Verhörmethoden angewendet worden seien, aber psychologische Tricks. So sei Saddam etwa stundenlang verhört, dann lange allein gelassen worden, schließlich mit einer einzigen Frage konfrontiert und dann wieder lange allein gelassen worden. Saddam habe nie gesagt, wo er sich in den ersten Tagen nach dem US-Einmarsch versteckt gehalten habe. Das US-Militär hatte mehrfach Gebäude bombardiert, in denen Saddam vermutet worden war.

Zum Einmarsch in Kuweit hatte Saddam eine wenig aussagekräftige Antwort parat: Damit habe er die Soldaten beschäftigen wollen. Bei der gestrigen gerichtlichen Anhörung auf dem US-Stützpunkt Camp Victory bei Bagdad hatte Saddam darauf bestanden, dass Kuweit ohnehin Teil des Irak sei. Bei Fragen zu illegalen Waffenprogrammen habe Saddam den Angaben zufolge durchblicken lassen, dass er seine Nachbarn im Dunkeln lassen wollte. Er habe erwartet, dass die USA sich in Endlosdebatten in den Vereinten Nationen verstricken würden. Von dem Einmarsch im März 2003 sei er dann aber doch überrascht worden.

Frankreich und Italien unterstützen unterdessen, dass Saddam vor ein irakisches Gericht gestellt wird. "Lassen wir jetzt die irakische Justiz handeln", sagte heute der französische Präsident Jacques Chirac auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi in Paris. Berlusconi erklärte, die irakische Regierung müsse nun "ihre Souveränität gemäß den Gesetzen dieses neuen Staates ausüben".

Verfahren gegen britischen und amerikanischen Soldaten

Wegen der Tötung eines irakischen Verdächtigen wurde ein US-Soldat vor ein Militärtribunal gestellt. Die in Bagdad begonnene Anhörung solle Ende Juli in Deutschland fortgesetzt werden, weil seine Einheit dorthin zurückkehrt, teilten die US-Streitkräfte mit. Der Soldat wird des Mordes und der Pflichtverletzung beschuldigt.

Die Vorwürfe beziehen sich auf eine Verfolgungsjagd nahe der irakischen Stadt Kufa am 21. Mai. US-Soldaten verfolgten laut Militärangaben ein schwarzes Auto, in dem sie irakische Milizionäre vermuteten, und feuerten Schüsse auf das Fahrzeug ab. Dabei seien der Fahrer und ein Beifahrer verletzt worden. Wenig später sei der bereits verwundete Fahrer aus geringer Entfernung erschossen worden.

Auch ein britischer Soldat, der im Irak einen 13 Jahre alten Jungen durch Schüsse verletzt hatte, kommt vor ein Kriegsgericht. Der Gefreite Alexander Johnston soll den Jungen im vergangenen September während des Wachdienstes im Süden des Landes angeschossen haben. Der Prozess werde voraussichtlich im Irak stattfinden, teilte der britische Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith heute mit. Der Junge, über dessen Gesundheitszustand keine Angaben gemacht wurden, werde voraussichtlich selbst in dem Prozess aussagen, berichtete die BBC.

Johnston, Angehöriger eines schottischen Regiments, ist bereits der fünfte im Irak stationierte britische Soldat, der sich vor einem Kriegsgericht verantworten muss. Mitte Juni hatte Goldsmith in Zusammenhang mit Vorwürfen der Misshandlung irakischer Gefangener Kriegsgerichtsverfahren gegen vier Soldaten vom Royal Regiment of Fusiliers in Aussicht gestellt. Sie sollen die Opfer zu sexuellen Handlungen untereinander gezwungen haben.

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