Uno USA klagen über betrunkene Diplomaten

Die US-Regierung attestiert Uno-Diplomaten ein Alkoholproblem. Ein amerikanischer Vertreter fordert, dass Haushaltsverhandlungen nur noch nüchtern abgehalten werden - auch wenn sich der eigenen Regierung in den feucht-fröhlichen Runden "strategische Chancen" eröffnet hätten.

Uno-Generalversammlung in New York: Debatte um betrunkene Diplomaten
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Uno-Generalversammlung in New York: Debatte um betrunkene Diplomaten


New York - Der amerikanische Diplomat nannte es "einen bescheidenen Vorschlag", aber es wäre offenbar ein deutlicher Bruch mit den Sitten bei den Vereinten Nationen in New York: Die USA haben bei einer geschlossenen Sitzung den Ausschluss betrunkener Diplomaten von den Haushaltsverhandlungen der Uno gefordert.

Man schlage vor, "dass Verhandlungsräume künftig rauschfrei sein sollen", sagte Joseph Torsella, der stellvertretende Uno-Botschafter der Vereinten Nationen für Management und Reformen dem Haushaltsausschuss am Montag (Ortszeit) in New York. Im Klartext: kein Alkohol mehr in Budgetverhandlungen der Weltregierung.

Die Nachrichtenagenturen AP und Reuters berichten über Torsellas Äußerungen, die in geschlossener Runde fielen. Der US-Vertreter sagte demnach, beschwipste Diplomaten hätten den USA zwar "strategische Chancen" beschert. "Aber lassen Sie uns das Anstoßen mit Champagner auf den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen verschieben", sagte Torsella, "und damit dem Ruf des fünften Komitees Ehre machen." Das fünfte Komitee ist der Haushaltsausschuss der Vereinten Nationen, die jährliche Budgetabstimmung findet stets rund um Weihnachten statt.

Dabei gibt es Verteilungskämpfe zwischen wohlhabenden und ärmeren Staaten. Oftmals entwickeln sich Marathonsitzungen mit hitzigen Debatten, die bis in die frühen Morgenstunden gehen - und dabei geht es offenbar auch mal feucht-fröhlich zu. Beteiligte Diplomaten bestätigten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, es sei nicht ungewöhnlich, Diplomaten mit sichtbaren Kennzeichen von Alkoholgenuss zu erleben.

US-Vertreter Torsella forderte in seiner Rede die Diplomaten auch über die Alkohol-Frage hinaus zu besserem Verhalten auf. Er klagte über taktische Spielchen, etwa das Blockieren von Debatten durch Nichterscheinen. "Wenn die Beteiligten nicht pünktlich zu Treffen am Abend oder am Wochenende erscheinen oder sich gar weigern, sich für bestimmte Themen überhaupt zu treffen, um Fristen verstreichen zu lassen", so Torsella ganz diplomatisch, "dann müssen wir daraus schließen, dass sie unser Anliegen, mit hehren Absichten zu verhandeln, nicht teilen und wir müssen dementsprechend reagieren."

fab/AP/Reuters

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michibln 05.03.2013
1. Langweilige Amerikaner
Dabei ist es doch im Geschäftsleben Usus, dass die wichtigen Verhandlungen beim Gläschen Bier oder Wodka geführt werden.
rolandjulius 05.03.2013
2. Alkoholsucht un der UNO
Diesen Verein sollte man schon lange von den Staaten abziehen,denn dort wird jeder korrumpiert.
Dr.krsnktzk 05.03.2013
3. Erstaunlich...
... dass man über so etwas sprechen muss. Ist es nicht klar, dass ich meine Arbeit nüchtern, statt beschwipst mache, egal ob Diplomat, Kassierer oder Flugkapitän?
Zentralabitur 05.03.2013
4. Oh, kenne ich!
Ich kenne das Problem, manche SPON Artikel (oder Videos) kann man auch nur stockbesoffen ertragen. Und jetzt erstmal die neuesten Katzenvideos checken, oh ja sind die alle aber wieder knuddelig... BTT: Schlimm diese UNO-Alkoholiker, echt.
blurps11 05.03.2013
5.
Wer ist noch gleich letztens über die Haushaltsklippe in den Abgrund gesprungen ? Tipp: Die UNO war's nicht. Vielleicht hätten ein oder zwei Gläschen bei den Verhandlungen ja das Schlimmste verhindern können ;)
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