US-Vormarsch Das Blutbad von Nadschaf

Die Schlacht von Nadschaf wird als erstes verheerendes Bodengefecht in die Geschichte des Irak-Feldzuges eingehen. Nach US-Angaben wurden in den vergangenen drei Tagen 1000 Iraker getötet - über die eigenen Verluste schweigt das Pentagon.


Koordinierungsversuch eines US-Soldaten zwischen Nadschaf und Kerbala
REUTERS

Koordinierungsversuch eines US-Soldaten zwischen Nadschaf und Kerbala

Hamburg - Die Iraker diktieren den Amerikanern den Kriegsverlauf. Völlig unerwartet wurde die US-Armee in eine angeblich 36 Stunden währende Schlacht bei Nadschaf verwickelt. Generalmajor Buford Blount stellte gegenüber einem Reporter der "New York Times" lapidar fest: "Ich habe die Stadt umzingelt und abgeschnitten." So beiläufig war die Aktion nicht. Die Schlacht begann in der Nacht von Montag auf Dienstag um Mitternacht. An Nadschaf, der 100.000-Einwohner-Stadt rund 140 Kilometer südlich von Bagdad, hatten die US-Militärs eigentlich gar kein Interesse. Doch als sie beim Vorstoß in Richtung Hauptstadt dort auf erheblichen Widerstand stießen, blieb der 3. Infanterie Division offenbar nichts anderes übrig, als diesen zu brechen.

Es war eine verlustreiche Schlacht, die sich mehr als 36 Stunden hinzog. Nach Schätzungen der Amerikaner wurden rund 1000 irakische Soldaten getötet. Hunderte sollen gefangen genommen worden sein. Über Verluste in den eigenen Reihen gibt es keine Angaben.

Laut einem US-Offizier hat sich der irakische Kommandeur in Nadschaf mit seinen Vorgesetzten in Bagdad telefonisch in Verbindung gesetzt und mitgeteilt, dass die Stadt von Gegnern eingekreist sei. In Nadschaf werden weitere 1000 als Saddam loyal beschriebene Soldaten und Milizionäre vermutet.

Offenbar sollten die Eingeschlossenen militärische Hilfe bekommen. Von Norden und Süden versuchten irakische Truppen, teils in Panzern, teils in Transportern, in die Stadt zu gelangen. Diese seien, so Major Benjamin Matthews, Befehlshaber der Artillerie der 1. Brigade, unterstützt von der Luftwaffe unter Beschuss genommen worden. Dabei seien mehr als zwei Dutzend der in die Stadt drängenden Fahrzeuge zerstört worden.

General Blount zeigte sich laut dem "Times"-Reporter überrascht angesichts der Stärke des irakischen Widerstands. Es scheine, als habe Saddams Regime noch immer die Kontrolle über das irakische Militär. "Sie kämpfen unbeugsam", sagte Blount, "sie sind organisiert und teils ziemlich gut ausgerüstet".

Die Situation in Nadschaf, eine der heiligsten Städte der Schiiten, ist unklar. William Grimsley, Befehlshaber der 1. Brigade der 3. Division, äußerte sich jedoch zuversichtlich. Die Stadt-Bevölkerung sei "mindestens neutral und vielleicht sogar glücklich, dass wir hier sind". General Blount sagte, man sei mit schiitischen Führern in Kontakt. Er rechnet damit, dass diese das Kommando über die Stadt übernähmen, sobald sich die Saddam treuen Truppen und Milizen ergeben hätten.

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