US-Vorwahlen Doppelter Einsatz für McCain - Hilfe von Schwarzenegger und Giuliani

Prominente Rückendeckung für John McCain: Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger will den republikanischen Präsidentschaftsbewerber im Rennen ums Weiße Haus unterstützen. Zuvor hatte sich schon der ausgestiegene Mitbewerber Giuliani für McCain ausgesprochen.

Von , Fort Lauderdale


Fort Lauderdale - Die Empfehlung von Schwarzenegger könnte McCain den entscheidenden Schub im bevölkerungsreichen Kalifornien geben, wo am kommenden "Super Tuesday" über die Kandidaten der beiden großen Parteien abgestimmt werden soll. Noch heute will Schwarzenegger seine Entscheidung bei einem gemeinsamen Auftritt mit McCain in Los Angeles bekannt geben, erklärten Mitarbeiter.

Giuliani, Schwarzenegger: Vereint in den Vorwahlkampf
REUTERS

Giuliani, Schwarzenegger: Vereint in den Vorwahlkampf

Schwarzeneggers Unterstützung kommt überraschend: Noch vor wenigen Stunden hatte er als Zuschauer an einer TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber teilgenommen - und die Berichte über seine Unterstützung für McCain heruntergespielt: "Ich habe immer gesagt, dass ich mich aus der Sache heraushalte, bis die Vorwahlen vorbei sind", sagte der frühere Schauspieler.

Mit Schwarzeneggers Hilfe kann McCain im spannenden Vorwahlkampf nun auf zwei prominente Fürsprecher bauen. Auch der frühere New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani, welcher sich gestern aus dem Rennen um das Weiße Haus zurückgezogen hatte, will McCain offiziell unterstützen. Der Senator sei der am besten qualifizierte Kandidat, um der nächste Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, erklärte Giuliani. "John McCain ist ein amerikanischer Held, ein Mann der Ehre und Integrität. Er zeigt Charakter, sein ganzes Leben schon." Sie seien immer Freunde gewesen und würden es bleiben, sie hätten die gleiche Vision für die USA.

Giuliani, der gefallene Star der Partei

Anfangs hatte Giuliani in allen Umfragen geführt und sich dann verspekuliert. Er konzentrierte sich in seiner Kampagne voll auf Florida, ließ alle anderen Vorwahlstaaten aus. Damit überließ er den Rivalen die Schlagzeilen, die öffentliche Wahrnehmung. Es kam, wie es kommen musste: Er schaffte in den Vorwahlen in Florida in der vergangenen Nacht nur den dritten Platz hinter Sieger John McCain und Mitt Romney. Dass Giuliani nun seinen alten Bekannten McCain unterstützen will, überrascht nicht - für Romney ist das trotzdem ein Schlag. McCain bekommt nun noch mal mehr Auftrieb vor dem Super-Dienstag in der kommenden Woche, an dem Vorwahlen in 21 Staaten bei den Republikanern und 22 Staaten bei den Demokraten stattfinden.

Doch auch bei den Demokraten haben sich die Reihen gelichtet: John Edwards, der ewige Dritte im Präsidentschaftsrennen der Demokraten, hat seine Bewerbung aufgegeben - nachdem ihm nicht ein Vorwahlsieg gelungen war, nicht mal in seinem Heimatstaat South Carolina. "Es ist an der Zeit, dass ich zur Seite trete, damit sich die Geschichte ihre Bahn schlagen kann", sagte er. Drei Anläufe brauchte er, um diesen Satz herauskriegen.

Der Rückzug von Giuliani und Edwards hat in beiden politischen Lagern bedeutsame Folgen: Plötzlich gibt es jeweils zwei klare Favoriten - Barack Obama und Hillary Clinton auf der einen Seite, McCain und Romney auf der anderen; Mike Huckabee bei den Republikanern werden kaum noch Chancen zugestanden. Ein Doppel-Duell steht bevor. Und dieses könnte sich ziehen.

Denn es droht ein Patt, das über den Super-Dienstag hinaus geht - ebenfalls in beiden Lagern.

Keiner kann es am Super-Dienstag schaffen

Alle mathematischen Formeln zur Berechnung der Delegierten, die Clinton und Obama beziehungsweise McCain und Romney für den entscheidenden Nominierungsparteitag ihrer Parteien sammeln könnten, kommen nun immer öfter zum gleichen, dramatischen Fazit: Keiner kriegt an dem Großkampftag in der kommenden Woche die Mehrheit.

Das liegt unter anderem an den byzantinischen Regeln zur Verteilung dieser Delegierten. Insgesamt 4049 wird es auf dem Wahlparteitag der Demokraten in Denver geben. Zur Krönung braucht ein Kandidat also 2025. Derzeit hat Clinton 232, Obama hat 158, und Edwards hatte bisher 62, die er irgendwann nach eigenem Ermessen "freistellen" kann. Bei den Republikanern gilt: 1191 Delegierte braucht ein Kandidat. 97 hat McCain, 74 Romney, und Giuliani verfügte gerade mal über 2.

Am Dienstag geht es nun für die Demokraten in 22 Bundesstaaten um 1678 feste Delegierte, für die Republikaner in 21 Staaten um 1081 feste Delegierte. Selbst wenn sich jeweils einer der Kandidaten alle diese Delegierten sichert, was mittlerweile unvorstellbar scheint: Es würde schon rechnerisch nicht reichen zum Parteitagssieg.

Hinzu kommt nämlich, dass einige Staaten ihre Delegierten nach dem "Winner takes all"-System vergeben (der Sieger bekommt alle Stimmen des Staates). Andere dagegen vergeben sie nach einem Proporzsystem, durch das der Verlierer mitunter auch mal mehr Delegierte ergattern kann als der Gewinner - wie neulich in Nevada, wo Obama weniger Stimmen bekam als Clinton, rechnerisch aber einen Delegierten mehr.

"Wir betreten völliges Neuland"

Manche Bundesstaaten werden die Zahl ihrer Delegierten auch erst bei späteren Landesparteitagen definitiv bestätigen. Wie das alles ausgeht, wagt keiner mehr vorherzusagen. "Wir betreten völliges Neuland", sagt Politologe Burdett Loomis von der University of Kansas über das Rennen der Demokraten. Und ein ähnliches Dilemma droht auch den Republikanern, wo nach Giuilianis Ende nun Romney und McCain um Stimmen aus der gespaltenen Partei ringen.

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