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20. April 2016, 11:56 Uhr

US-Vorwahlen in New York

Das gibt Ärger

Von und , New York

In New York schüttelte Trump eine Krise ab, Clinton ihren Rivalen Sanders - das große Duell kann kommen. Aber es zeigte sich auch, was bei Wahlen in den USA schieflaufen kann. Fünf Lehren.

Das ging schnell. Es war nicht mal Mitternacht in New York, da hatten sich die Wahlsieger schon wieder verabschiedet, die Partysäle waren leer, die TV-Sender schalteten aufs reguläre Programm zurück.

Donald Trump und Hillary Clinton hängten ihre Rivalen klar ab und sind Gedanken schon beim eigentlichen Duell im November, während Ted Cruz und Bernie Sanders ihre Wunden leckten. Es war ein klassischer New Yorker Street Fight: hart, gnadenlos, mit Musical-Untermalung - und mit zweischneidigen Resultaten, offenbarten sich hier doch die tiefen Zerwürfnisse in den Parteien.

Die fünf Lehren dieser Vorwahlen:

New York lässt sich nicht veräppeln: Diese Vorwahlen in New York waren ausschlaggebend, das gab es lange nicht. Wie Touristen stürzten sich die Kandidaten auf den Staat und seine 8,5-Millionen-Stadt, fraßen sich durch die internationalen Speisekarten der Stadtbezirke, radebrechten Spanisch und hockten in schwarzen Kirchen.

Die New Yorker, die sich sehr wichtig nehmen, quittierten diese offene Anbiederung mit der üblichen Mischung aus Genuss und Abscheu.

Am schärfsten bekam das Ted Cruz zu spüren, der sich über die "New Yorker Werte" lustig machte (Geld, Abtreibung, linke Politik). Das war nicht nur eine Steilvorlage für Donald Trump, der darin sein Thema fand. Auch besiegelte Cruz damit seinen eigenen Untergang, erst in der Bronx, wo er ausgebuht wurde, und dann in den Wahllokalen.

Krise? Welche Krise? Es war unruhig in Donald Trumps Wahlkampfteam in den vergangenen Wochen. Er musste seine Mannschaft umstellen, während Ted Cruz an seiner Delegiertenstrategie feilte. Aber von Krise kann keine Rede sein: In New York deklassierte Trump seinen Erzrivalen und sicherte sich nahezu alle der 95 Delegierten. Ein Heimsieg, klar. Aber ein sehr wichtiger: Die absolute Delegiertenmehrheit (1237) bleibt erreichbar.

Seine ganze Kampagne hat inzwischen das einzige Ziel, sich irgendwie über diese Hürde zu schleppen - oder sich zumindest mit einem gewaltigen Vorsprung an Stimmen und Wählern als einziger Kandidat zu profilieren. Trump weiß, dass es sonst schwierig werden könnte mit der Nominierung. Vom Ton her schaltet er also schon ganz auf den Modus des Hauptwahlkampfs: Weniger Krawall, dafür mehr Inhalte - die Arbeit seiner neuen Berater macht sich bereits bemerkbar.

Video: Die Sieger der Vorwahlen in New York

Clinton kann es noch: Für Hillary Clinton ist es in diesem Jahr wieder nicht so einfach. Bernie Sanders hängt wie eine Klette an ihr. Viele Demokraten meckern über sie und ihre alte Garde. Da tat es der Ex-Außenministerin sichtlich gut, mal ein starkes Signal zu setzen: In New York schlägt mich niemand.

Sanders hatte keine Chance und wird sich jetzt fragen müssen, welchen Wahlkampf er von nun an zu führen gedenkt. Trotzig und aggressiv? Das könnte Clinton beschädigen, ohne dass es ihm selbst weiterhilft im Rennen um die Kandidatur. Leise und auf Inhalte fokussiert? Kann er machen, aber auch das wird ihn nicht voranbringen. Also aufhören? Das würde Millionen seiner Anhänger schwer enttäuschen, sie wollen ihn weiter kämpfen sehen.

Jetzt hat sich Sanders erstmals einen Tag Pause verordnet. Er muss nachdenken.

Zwei Parteien? Oder vier Parteien? Trump triumphiert, Clinton auch - aber was ist los in den Parteien? Auf beiden Seiten offenbaren sich gewaltige Spannungen, wenn nicht Spaltungen. Die Republikaner sind tief zerstritten, Trump geht nur zaghaft - immerhin - auf die ihm feindlich gesonnnene Parteiführung zu, und je länger Cruz und Kasich im Rennen bleiben, desto geringer die Chance, dass sich die Lage vor dem Parteitag im Juli entspannt.

Die Demokraten sind nicht ganz so verfeindet. Aber der Kampf von Clinton und Sanders legt einen Generationenkonflikt offen, der über die Wahl hinaus eine große Rolle spielen wird. Es geht darum, für wen und wie die Demokraten künftig Politik machen sollen. Das Problem: Der Großteil der jungen Amerikaner tickt grundsätzlich demokratisch, ist aber nicht daran interessiert, sich in der Partei zu engagieren.

Die Folge: Ein Nachwuchsproblem - wer nach Clinton kommt, ist völlig offen.

Das wird noch Ärger geben: New York gilt als vorbildlich demokratischer Staat. Die Vorwahlen offenbarten ein anderes Bild: Der Wahlgang war von ernsten Problemen getrübt, der vielen New Yorkern den Spaß verdarb, Ergebnisse verzerrte und die Wahlbeteiligung drückte, trotz des sommerlichen Wetters.

Das begann mit den Regeln: Nur registrierte Parteigänger durften teilnehmen, keine Unabhängigen - doch die Registrierfrist war schon am 25. März verstrichen. Fast drei Millionen Wähler blieben so draußen. Zudem stellte sich heraus, dass das Wahlamt in Brooklyn insgesamt 126.000 Demokraten aus den Karteien gestrichen hatte - was viele erst herausfanden, als sie wählen wollten.

Insgesamt vermeldete das Justizministerium des Bundesstaats so viele Beschwerden wie seit Jahren nicht mehr - ein schlechtes Omen für die Wahl im Herbst.

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