US-Vorwahlen in Wisconsin Kantinenschlacht im Käsestaat

Schon wieder US-Vorwahlen - diesmal in Wisconsin. In dem Agrarstaat haben die Kandidaten beider Parteien die vielleicht letzte Chance, das Ruder noch mal herumzureißen. Der Überblick.

Donald Trump und seine Ehefrau Melania in Milwaukee
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Donald Trump und seine Ehefrau Melania in Milwaukee

Von , New York


Die US-Medien nannten es "Donald Trumps furchtbare, schreckliche, schlimme, sehr schlechte Woche". Der Polterkandidat beleidigte die Frau seines Rivalen Ted Cruz. Er gab ein desaströses Interview, das all seine Inkompetenz offenbarte. Sein Wahlkampfchef Corey Lewandowski wurde wegen Körperverletzung festgenommen. Und schließlich verrannte er sich hoffnungslos beim Reizthema Abtreibung.

An diesem Dienstag könnte Trumps Pechsträne weitergehen. Denn die nächsten Vorwahlen im US-Bundesstaat Wisconsin verheißen nichts Gutes: In allen Umfragen liegt Cruz weit vorne. "Diesmal", prophezeit der Kolumnist E.J. Dionne, "ist es wirklich das Ende von Trump."

Auch viele Demokraten sehen Wisconsin als Entscheidungsschlacht zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders. Doch worum geht es in dem "Käsestaat" wirklich? Die wichtigsten Punkte im Überblick.

  • Hahnenkampf der Republikaner

Er werde, allen Prognosen zum Trotz, in Wisconsin siegen, orakelte Trump. Und dann "ist es vorbei". So viel stimmt: Sollte er sich die meisten der 42 Parteitagsdelegierten Wisconsins sichern, käme er der Mehrheit von 1237 Delegierten, die für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten erforderlich sind, fast uneinholbar nahe.

Gelingt ihm das nicht, wäre eine Kampfabstimmung beim Parteitag wahrscheinlich - das Wunschszenario der Trump-Gegner; weshalb Trump in Wisconsin plötzlich den klassischen Politiker spielt. Er tingelt durch die Dörfer, schüttelt Hände, herzt Babys, hofiert Journalisten und übernachtete sogar in Milwaukee, der größten Stadt des Staates, statt in seinem Privatjet nach New York zurückzufliegen. Einen seltenen Auftritt hatte Trumps Ehefrau Melania - sie kam in Milwaukee auf die Bühne, um zu verkünden, ihr Mann behandle jeden gleich "egal, ob Mann oder Frau".

  • Endzeit bei den Demokraten

Bernie Sanders hat kaum mehr Chancen, Hillary Clinton die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten streitig zu machen. Trotzdem gibt er nicht auf. In Wisconsin könnte sich das sogar auszahlen. Wie Trump profitiert Sanders von den Besonderheiten des Staates, in dem neun von zehn Wählern Weiße sind - Sanders' Basis. Der Anteil der Schwarzen und Latinos, auf die Clinton setzt, ist niedrig.

Helfen dürfte Sanders das wenig. Die Nominierung ist ihm so gut wie verbaut - auch wegen eigener Fehler. Wie die "New York Times" berichtete, plante er, in den ersten drei Staaten - Iowa, New Hampshire, Nevada - zu siegen, um Clintons "Unvermeidlichkeit" zu zerstören. Doch der bis dahin eher lustlose Sanders gewann "nur" in New Hampshire.

Mittlerweile hat er Feuer gefangen: Zehntausende strömen zu seinen Reden, und im März sammelte er 44 Millionen Dollar Spenden - fast fünf Millionen Dollar mehr als Clinton. Die schraubt die Erwartungen herunter, sollte sie auch Wisconsin verlieren - wie zuletzt, Schlag auf Schlag, Idaho, Utah, Alaska, Hawaii und den Staat Washington.

  • Schattenkrieg um die Delegierten

Die wahre Schlacht freilich verlegt sich zusehends von den öffentlichen Vorwahlen hinter die Kulissen der Parteien: Dort pokern Funktionäre und Kandidaten um den wichtigsten Faktor - die Parteitagsdelegierten.

Denn deren Zahl und Loyalität bei der Kandidatenwahl wird nicht allein durch Vorwahlen bestimmt. In North Dakota bestimmten die Republikaner die Delegiertenverteilung stattdessen am Sonntag per Landesparteitag - mit bezeichnendem Resultat: Cruz bekam 18 der 25 Delegierten, die restlichen gingen an John Kasich. Trump bekam: null.

Das Ergebnis reflektierte auch das chaotische Vorwahlsystem. Denn die North-Dakota-Delegierten dürfen sich beim Wahlparteitag gerne noch mal umentscheiden. Nichts Neues: Seit jeher wird abseits der Öffentlichkeit - und der Wahlgänge - gekungelt. Das gilt für die Republikaner wie, mehr noch, für die Demokraten. Bei denen geben nicht die Vorwahlen den letzten Ausschlag - sondern 718 "Superdelegierte". Auch die können beim Parteitag nach eigenem Gutdünken abstimmen.

Bei den Republikanern wird dieser "Schattenkrieg" (NBC) ebenfalls beim Parteitag akut. Wenn Trump da im ersten Wahlgang keine Mehrheit schafft, werden die meisten seiner Delegierten freigestellt.

Für diesen Fall hat das Partei-Establishment angeblich schon einen Joker-Kandidaten: Paul Ryan, den Sprecher der Repräsentantenhauses. Der dementierte solche Gerüchte sofort - wie er zuvor auch Gerüchte dementiert hatte, er stehe für seinen jetzigen Posten zur Verfügung.

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Lane Hartwell
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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Ergebnisse der US-Vorwahlen

insgesamt 70 Beiträge
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derweise 05.04.2016
1. Diesen Klamauk kann die USA sich sparen!
Diesen Demokratie - Klamauk kann die USA sich sparen: es geht doch nur um Marionetten - das Plutokratische (Reichen) - System ist es doch, was dort wirklich herrscht!
wi_hartmann@t-online.de 05.04.2016
2. Trump ist tumb
Daß so eine Gestalt als ein ernst zu nehmender Kandidat für die Präsidentschaft einer Großmacht aufgestellt wird, ist für den Rest der Welt ein böses Omen.
INGXXL 05.04.2016
3. Wird wohl
Auf Clinton gegen Trump hinauslaufen. Dann kann man hoffen das Hillary gewinnt
mehrlicht 05.04.2016
4. Das Ende von Cruz naht
Auch wenn Cruz Wisconsin gewinnt wird er rechnerisch spätestens am 26.April keine Chance mehr haben die Mehrheit zu bekommen. Wisconsin wird der letzte Staat sein, den Cruz in den nächsten Wochen gewinnt. Alle Wahlen danach wird Trump mit Abstand gewinnen.
johannesraabe 05.04.2016
5.
Der Artikel ist wieder absolut neutral. Aber wenigstens mal keine Cruz Werbung.
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