Umfrage unter Republikanern Trump - oder keiner

US-Republikanern drohen deutliche Stimmverluste, sollte Donald Trump auf dem Parteitag nicht zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden.

Donald Trump auf einer Wahlveranstaltung
AFP

Donald Trump auf einer Wahlveranstaltung


Schlechte Nachrichten für die republikanische Parteielite und für Gegenkandidaten von Donald Trump: Eine Reuters-Umfrage unter Trump-Unterstützern zeigt: Viele sind zwar Trump treu ergeben, die Loyalität mit den Republikanern ist dagegen nicht besonders ausgeprägt. Sie können sich nicht vorstellen, einen anderen Kandidaten der Republikaner zu unterstützen, sollte Trump die Nominierung auf dem Parteitag verweigert werden.

Zwar gaben 66 Prozent der Befragten an, dass sie sich auch für einen anderen republikanischen Präsidentschaftskandidaten außer Trump erwärmen könnten. Ein erheblicher Teil der Befragten, rund ein Drittel, konnte sich das aber nicht vorstellen. Dieses Drittel der uneingeschränkten Trump-Befürworter würde entweder eine dritte Partei unterstützen (elf Prozent), gar nicht wählen gehen (sechs Prozent) oder die Demokraten wählen (vier Prozent). Weitere elf Prozent gaben an, dass sie nicht wüssten, was sie im Falle einer Niederlage Trumps auf dem Parteitag tun würden.

Um die Umfrage zu verstehen, muss man wissen, wie die Kandidatenkür in Amerika abläuft. In den Vorwahlen, den Primaries, sammeln die Kandidaten Delegiertenstimmen. Die Vorwahlergebnisse allein machen sie aber noch nicht zum Kandidaten ihrer Partei.

Die Kandidatenkür findet stattdessen auf Parteitagen wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl statt. Idealerweise steht davor schon glasklar fest, welcher Bewerber als Kandidat nominiert wird auf den sorgsam inszenierten Veranstaltungen.

Es kann aber auch passieren, dass die Vorwahlen keinen klaren Sieger bestimmt haben. Dann kann es beim Nominierungsparteitag zu einer Abstimmung über mehrere Kandidaten kommen. Bei den Republikanern wird so lange gewählt, bis einer die absolute Mehrheit hat. Das bedeutet viel Geschacher im Hinterzimmer: Welcher Delegierte lässt sich von der Parteispitze, die im aktuellen Fall mehrheitlich gegen Trump ist, noch umstimmen? In diesem Szenario könnte die Parteielite also nochmal ihren Einfluss gegen Trump geltend machen.

Trump baut seinen Vorsprung aus

Die Reuters-Onlineumfrage bezieht sich auf so einen Fall und hat den Befragten zwei Fragen dazu gestellt: Was würden sie tun, sollte Trump zwar die meisten Delegiertenstimmen auf sich vereinen, aber dennoch nicht die Nominierung gewinnen? Und: Wie würde das ihre Einstellung zur Partei verändern?

Der Milliardär Trump liegt im Rennen der Republikaner um die US-Präsidentschaftskandidatur vorne und hat jüngsten Umfragen zufolge seinen Vorsprung ausgebaut. Der landesweiten Reuters/Ipsos-Erhebung zufolge unterstützen

  • 42 Prozent der Republikaner Trump,
  • 32 Prozent der Befragten favorisieren den Senator von Texas, Ted Cruz,
  • 20 Prozent sprachen sich für den Gouverneur von Ohio, John Kasich, als Präsidentschaftskandidat ihrer Partei aus.

Trump führt die Umfragen unter den republikanischen Wählern seit Juli an.

Ergebnisse der US-Vorwahlen

US-Vorwahlen

Reuters/gru

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insgesamt 17 Beiträge
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gandhiforever 09.04.2016
1. Ausgebaut?
Da fehlen wohl einige Informationen, z.B. zu Colorado. Auf die Art, wie dort die Delegierten ausgewaehlt werden, will ich hier nicht eingehen, zu komisch ist das Verfahren. Doch gestern gab es einen Beitrag bei CNN, in dem festgehalten wurde, dass die Trump Kampagne in Colorado so schlecht organisiert ist, dass saemtliche gestern vergebenen Delegierten Cruz-Leute sind, und Trump wohl auch bei den restlichen zu vergebenden Delegierten das Nachsehen haben wird. Und weil der Beste (Originalton Trump) erkannt hat, dass seine Kampagne schlecht organisiert ist, hat er gestern ueberhaupt keinen Wahlkampf gefuehrt, sondern eine Krisensitzung einberufen, denn das Ziel direkt zu erreichen, dieses Ziel rueckt mit jedem Tag in weitere Ferne. Aber der Businessman Trump kann ja immer noch versuchen, Delegierte zu kaufen.Schliesslich ist er auch der Beste, wenn es um Deals geht.
cato. 09.04.2016
2.
Das ist halt etwas, was in den Deutschen Medien nie deutlich wurde, Trump kandidiert zwar für das Ticket der Republikaner ist aber nicht wirklich einer. In der Vergangenheit hat er auch gerne Hillary Clintons Wahlkampf gesponsert und bewegt sich allgemein zwischen den Lagern (was als Geschäftsmann ja auch nicht so dumm ist). Entsprechend unbeliebt ist er aber deswegen bei den Republikanern, wo nur eingetragene Mitglieder der Partei wählen dürfen, verliert er in der Regel, seine Unterstützung kommt von unabhängigen Wählern, nicht selten traditionellen Anhängern der Demokraten, deren persönliche Erfahrungen sich nicht mit dem Narrativ des Weißen Hauses deckt, dass die Wirtschaft super dasteht.
gandhiforever 09.04.2016
3. Oder
Zitat von cato.Das ist halt etwas, was in den Deutschen Medien nie deutlich wurde, Trump kandidiert zwar für das Ticket der Republikaner ist aber nicht wirklich einer. In der Vergangenheit hat er auch gerne Hillary Clintons Wahlkampf gesponsert und bewegt sich allgemein zwischen den Lagern (was als Geschäftsmann ja auch nicht so dumm ist). Entsprechend unbeliebt ist er aber deswegen bei den Republikanern, wo nur eingetragene Mitglieder der Partei wählen dürfen, verliert er in der Regel, seine Unterstützung kommt von unabhängigen Wählern, nicht selten traditionellen Anhängern der Demokraten, deren persönliche Erfahrungen sich nicht mit dem Narrativ des Weißen Hauses deckt, dass die Wirtschaft super dasteht.
Man koennte es auch so sagen: Trump Unterstuetzer sind vielfach Menschen, die von der Politik enttaeuscht sind, eigentlich den Demokraten naeher stehen sollten , doch dank NRA und Bibel auch einen Trump zu waehlen bereit sind. Auch Birther und Wissenschaftsgegner unterstuetzen den Gleichgesinnten.
baerry 09.04.2016
4. Labor
Das ganze Getue da drüben finde ich belustigend und spannend, fast so als ob man einem Laborversuch zuguckt. Vielleicht gibt das ja den Anstoß dazu, dass sich die Leute da drüben mal mit ihrem insgesamt seltsammen politischen System auseinandersetzen und vielleicht wenigstens ein paar mehr Parteien etablieren. Nicht dass unser politisches System ein besonders gutes Vorbild wäre..
demophon 09.04.2016
5. Der wahre Donald Trump
Zitat von cato.Das ist halt etwas, was in den Deutschen Medien nie deutlich wurde, Trump kandidiert zwar für das Ticket der Republikaner ist aber nicht wirklich einer. In der Vergangenheit hat er auch gerne Hillary Clintons Wahlkampf gesponsert und bewegt sich allgemein zwischen den Lagern (was als Geschäftsmann ja auch nicht so dumm ist). Entsprechend unbeliebt ist er aber deswegen bei den Republikanern, wo nur eingetragene Mitglieder der Partei wählen dürfen, verliert er in der Regel, seine Unterstützung kommt von unabhängigen Wählern, nicht selten traditionellen Anhängern der Demokraten, deren persönliche Erfahrungen sich nicht mit dem Narrativ des Weißen Hauses deckt, dass die Wirtschaft super dasteht.
Trump hat nicht nur Hillary Clinton finanziell unterstützt, er gibt seit vielen Jahrzehnten Spenden an die Demokraten in New York, allein seit 1999 bereits über $400 000. Das schreibt kein geringerer als Ted Cruz auf seiner Website und fügt hinzu. "Der wahre Donald Trump ist ein Demokrat. Er hat eine lange Vergangenheit, die liberalsten Demokraten zu unterstützen." https://www.tedcruz.org/news/democrat-donald-trump-supports-liberal-new-york-democrats/
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