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Europabesuch: Jeb Bush auf Reisen

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Berlin-Besuch im US-Vorwahlkampf Bundesregierung empfängt Jeb Bush mit offenen Armen

In der kommenden Woche reist Jeb Bush nach Europa, um sich im US-Vorwahlkampf zu profilieren. In Berlin wird ihm ein ungewöhnlicher Empfang zuteil.

Offiziell ist Jeb Bush, 62, derzeit Privatier. Sein letztes öffentliches Amt bekleidete er vor acht Jahren, seitdem genießt er die Sonne Miamis mit seiner Frau Columba. Bush liebäugelt zwar damit, zu den US-Präsidentschaftswahlen anzutreten - aber offiziell entschieden hat er sich noch nicht.

In der kommenden Woche nun reist der jüngere Bruder des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush nach Europa, die Reise soll sein außen- und wirtschaftspolitisches Profil schärfen. Unmittelbar nach seiner Rückkehr will Bush dann offiziell in den Wahlkampf einsteigen.

In Berlin erhält der frühere Gouverneur von Florida einen Empfang durch die Bundesregierung, wie er nur wenigen Privatpersonen zuteil wird: Er wird sich mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffen. In Berliner Regierungskreisen heißt es, dass es zudem auch zu einer Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande der Jahrestagung des CDU-Wirtschaftsrats kommen könnte. Bush wird dort am kommenden Dienstagabend eine Keynote halten und Fragen beantworten. Anschließend spricht die Kanzlerin. Eine Sprecherin von Bush wollte sich zu den geplanten Gesprächen nicht äußern.

Für Bush ist der Besuch in Berlin ein wichtiger Baustein in seiner Wahlkampagne. Die Reise dient dazu, sein Profil als möglicher Nachfolger von Barack Obama im Weißen Haus zu schärfen; sie soll das Bild eines Staatsmannes zeichnen, der viel von Außenpolitik versteht und in Europa mit offenen Armen empfangen wird.

Berlin, Warschau, Tallinn - ein Kurztrip nach Europa

Von Berlin aus reist Bush weiter in die polnische Hauptstadt Warschau sowie nach Tallinn, Estland. Der ehemalige Gouverneur wolle "wichtige Fragen der Wirtschaft und der Sicherheitspolitik diskutieren, die Beziehungen stärken und zuhören, was unsere Alliierten zu sagen haben", so eine Bush-Sprecherin. Es gehe darum, "wie Amerika unsere guten Freunde und Alliierten in der Region am besten unterstützen" könne.

Zu Bushs Schwerpunkten im Wahlkampf zählt die Kritik an der zurückhaltenden Außenpolitik von Barack Obama; Bush möchte Amerikas "Führungsrolle in der Welt wieder herstellen". Nach der Rückkehr aus Europa wird er am 15. Juni bei einer Großveranstaltung in Miami offiziell seine Bewerbung für das Präsidentenamt erklären.

Der ungewöhnliche Empfang durch die wichtigsten deutschen Minister zeigt, welche Bedeutung Bushs Bewerbung in Europa beigemessen wird - sie ist allerdings außenpolitisch nicht ganz ohne. Offiziell gilt in Berlin die Linie, sich nicht in Wahlkämpfe anderer Länder einzumischen. So durfte der damalige Kandidat der Demokraten, Barack Obama, im Sommer 2008 nicht am Brandenburger Tor reden, sondern musste zur Siegssäule ausweichen, aus Sorge, eine derart zentrale Kulisse wie das Brandenburger Tor könnte in den USA als Parteinahme angesehen werden.

Ähnlich wird dies in Washington gehalten: Als unlängst der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nach Washington reiste, verweigerte US-Präsident Barack Obama ein Treffen mit der Begründung, in Israel sei Wahlkampf, in den sich die US-Regierung nicht einmischen werde. In Berlin gilt es als ausgeschlossen, dass Bushs Konkurrenten aus den Reihen der Republikaner ähnlich hochrangig empfangen würden.

Vor Kurzem waren zwei seiner Rivalen, der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, und der Gouverneur von Wisconsin, Scott Walker, nach London gereist, um sich außen- und wirtschaftspolitisch zu profilieren, Christie hatte dabei auch eine Audienz beim britischen Regierungschef David Cameron erhalten - allerdings in seiner Funktion als Gouverneur. Insgesamt kämpfen rund 20 Republikaner darum, bei der Wahl im November 2016 für ihre Partei antreten zu dürfen.

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Aktualisierung: In diesem Text hieß es zunächst, Bush werde wohl auch mit Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) zusammentreffen. Dieser Termin wird nicht stattfinden. Wir haben die entsprechende Textpassage angepasst.

Im Video: Jeb Bush im Porträt

DER SPIEGEL