US-Vorwahlkampf Romney veröffentlicht seine Steuererklärung

Mitt Romney will für die US-Republikaner ins Weiße Haus, doch sein Ruf als "Millionär mit Mini-Steuern" ist wenig wahlkampftauglich. Nun geht er in die Offensive und präsentiert seine Steuererklärung. Pluspunkte wird ihm das wohl kaum einbringen.

Republikanischer Bewerber Mitt Romney: Millionär mit Mini-Steuern
AFP

Republikanischer Bewerber Mitt Romney: Millionär mit Mini-Steuern


Washington - Seit Wochen macht Ex-Gouverneur Mitt Romney Wahlkampf, eine seiner liebsten Parolen lautet dabei "Runter mit den Steuern". Er selbst jedoch, rund 250 Millionen Dollar schwer, musste Mitte Januar eingestehen, dass sein Steuersatz "wahrscheinlich nahe an 15 Prozent" liegt und damit vergleichsweise niedrig. Nach dem anhaltenden Drängen seiner Kontrahenten im Kampf um die Kür zum republikanischen Obama-Herausforderer, wurde Romney nun deutlicher und veröffentlichte am Dienstag seine Steuererklärung.

Demnach hatten Romney und seine Ehefrau Ann im Jahr 2010 einen Steuersatz von 13,9 Prozent. In diesem Jahr erwarten sie den Angaben zufolge einen Anstieg auf 15,4 Prozent. Für beide Jahre zusammengefasst bedeutet dies: Bei einem Einkommen von 42,5 Millionen Dollar werden die Romneys 6,2 Millionen Dollar Steuern bezahlen. Zudem hat das Paar in beiden Jahren insgesamt sieben Millionen Dollar gespendet, vor allem an die Mormonen. Dadurch wurde das Einkommen um etwa 16 Prozent gemindert - und der Steuersatz dementsprechend gesenkt.

Damit zahlt der 64-jährige Romney weniger Steuern als die meisten Normalverdiener in den USA. Dass er nicht auf den US-Spitzensteuersatz von 35 Prozent kommt, funktioniert nur, weil der frühere Gouverneur von Massachusetts keinen Lohn bezieht, sondern Einkünfte aus Investmentgeschäften - Geld aus seiner Zeit beim Finanzinvestor Bain Capital.

Attacken werden schärfer

Den Zeitpunkt für die Offensive hat Romney nicht umsonst gewählt: Zwar galt er lange als Favorit, doch vor wenigen Tagen verlor er die wichtigen Vorwahlen in South Carolina, seine Umfragewerte sinken. Nicht zuletzt war daran auch sein Image als "Millionär mit Mini-Steuern" schuld.

Die Veröffentlichung der Steuererklärung hat Tradition bei Bewerbern für das amerikanische Spitzenamt. Präsident Barack Obama selbst, das ist bekannt, zahlte 2010 auf sein Einkommen von rund zwei Millionen Dollar 26 Prozent Steuern. Über Romneys Kontrahent Newt Gingrich war vergangene Woche bekannt geworden, dass er bei einem Jahreseinkommen von 3,1 Millionen Dollar 31 Prozent Steuern zahlt.

Im Vorwahlkampf der US-Republikaner wird der Ton derweil schärfer. Eine gute Woche vor der Vorwahl in Florida lieferten sich die beiden Spitzenreiter Romney und Newt Gingrich bei einer Fernsehdebatte am Montag einen heftigen Schlagabtausch. Romney ging gegen den früheren Parlamentspräsidenten massiv in die Offensive und warf ihm vor, er habe sein Amt "in Schande" aufgeben müssen und jahrelang als Lobbyist in Washington die Fäden gezogen.

Gingrich hielt seinem Rivalen im Gegenzug vor, mit seinen Angriffen "die schlimmste Art von trivialer Politik" zu betreiben. "Ich werde den Abend nicht damit verbringen, hinter Romneys Falschinformationen herzurennen", sagte Gingrich bei der TV-Diskussion in Tampa. Die eigentliche Präsidentenwahl findet Anfang November statt.

aar/Reuters/dpa/AP



insgesamt 7 Beiträge
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dani216 24.01.2012
1. Mit
dem Wahlkampfmotto "runter mit den Steuern" wirb Romny doch nur dafür, dass alle anderen künftig auch so wenig Steuern zahlen sollen wie er. Mit Volldampf in griechische Verhältnisse.
Stelzi 24.01.2012
2. GOPler
Na es wird sich doch wohl kein GOPler darüber ärgern, dass Romney mit einem derartig niedrigen Steuersatz davon kommt, nur weil er eines dieser Tax Loopholes ausnutzen kann. Die GOPler waren schliesslich gegen Obamas Vorstoss zur schliessung dieser loopholes und haben in bei mehreren Gelegenheiten in den vergangenen zwei Jahren torpediert. Dann wollen sie aber sicherlich fairerweise auch nur so wenig bezahlen. Und finanziert wird der Schuldenmoloch USA dann durch abschaffung der Bildung, Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Das muss doch funktionieren, oder?
savanne 24.01.2012
3. Warum wird
Zitat von sysopMitt Romney will für die US-Republikaner ins Weiße Haus, doch sein Ruf als "Millionär mit Mini-Steuern" ist wenig wahlkampftauglich. Nun geht er in die Offensive und präsentiert seine Steuererklärung. Pluspunkte wird ihm das wohl kaum einbringen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810983,00.html
dem US-Vorwahlkampf mit diesen sog. Präsidentsschaftskandidaten in deutschen Medien ein solcher Stellenwert eingeräumt? Um sich über diese traurigen Figuren zu mokieren? Um Mitleid für die republikanische Partei zu erzeugen? Oh, was gruselt es mich!
frumiousobserver 24.01.2012
4.
Zitat von sysopMitt Romney will für die US-Republikaner ins Weiße Haus, doch sein Ruf als "Millionär mit Mini-Steuern" ist wenig wahlkampftauglich. Nun geht er in die Offensive und präsentiert seine Steuererklärung. Pluspunkte wird ihm das wohl kaum einbringen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810983,00.html
Können wir mal bitte fair bleiben. Über die Geschäftspraktiken seines Unternehmens darf man ja gern streiten. Aber gut verdienen, um sich früher zur Ruhe setzen zu können und dann nur noch mit dem Ersparten zu wirtschaften, davon träumen wir doch alle. Und einen Kapitalertragsteuersatz der so hoch ist wie der Spitzenlohnsteuersatz will nun wirklich kein Mensch haben.
huberwin 24.01.2012
5. Das sind nur die Steuern die er in Amerika bezahlt
darüberhinaus hat er einen großteil seines Vermögens steuerfrei auf der caymaninsel versteckt.(die übrigens den Engländern gehören). D.H. insgesamt zahlt er so wohl unter 10% Steuern. Dieser Mann vertritt als Hauptwahlkampfthema Steuersenkung. Unfassbar, da fällt mir nichts mehr ein. Liebe Amerikaner wählt ihn, wählt ihn, wählt ihn
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