US-Vorwürfe Iraker sollen Kriegsgefangene getötet haben

Neben der militärischen Auseinandersetzung auf irakischem Boden tobt in diesem Krieg auch eine nie gekannte Propaganda-Schlacht. Der neueste Vorwurf von Seiten der Amerikaner: Die Iraker sollen möglicherweise amerikanische Kriegsgefangene getötet haben.


Hamburg - Mehrere Militär-Mechaniker waren am Sonntag in irakische Gewalt genommen worden, nachdem sie sich in der Stadt Nassirija verfahren hatten. In der vergangenen Nacht nun der unbewiesene Vorwurf aus US-Kreisen, zu finden in der "New York Times": Sieben Amerikaner seien offenbar von ihren Häschern hingerichtet worden - möglicherweise vor den Augen der Bewohner Nasirijas.

Der Information über die Exekution läge nur eine Quelle zugrunde, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Regierungsbeamte. Offenbar sei eine Nachricht abgefangen worden und man suche nun nach weiteren Beweisen. Unklar sei, wieviele der sieben Soldaten tatsächlich umgebracht worden sein sollen und wieviele in Kämpfen getötet wurden, wie die Iraker es behaupten. Neben den sieben sind fünf weitere Amerikaner in irakischer Kriegsgefanenschaft und drei Soldaten werden noch vermisst.

Laut CNN will das Pentagon die Vorwürfe nun ernsthaft überprüfen. Die Anschuldigung kam wenige Tage nachdem ein Videoband der gefangenen und toten Soldaten im arabischen TV-Sender al-Dschasira gesendet wurden. Die Aufnahmen zeigen vier Leichen, mehrere von ihnen schienen Schusswunden an den Köpfen zu haben. "Wenn die ganze Geschichte bekannt wird, wird das Volk schockiert sein," zitiert die "New York Times" einen hohen Militär.

Die Anschuldigungen bildeten das Ende eines Tages voller Vorwürfe der Kriegsverbrechen gegen die Iraker. Hohe Regierungsbeamte aus dem Weißen Haus und dem Pentagon hatten dem Regime Saddam Husseins am Dienstag vorgeworfen, Kapitulationen vorgetäuscht und dann auf US-Soldaten gefeuert zu haben. Zudem sei ein Krankenhaus als militärischer Sammelpunkt genutzt worden.

Die "New York Times" macht in einem Leitartikel heute allerdings auch deutlich, dass die Regierung von US-Präsident George W. Bush im Allgemeinen selbst nicht als große Verfechterin internationalen Rechts gilt. "In einem konventionellem Konflikt wie diesem ist es leicht für Washington, durch Hochhalten der Genfer Konvention eigennützig sein Recht geltend zu machen. Washington zeigte sehr viel weniger Weisheit mit Blick auf die Gefangenen, die jetzt in Guantanamo festgehalten werden."

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