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06. September 2012, 06:47 Uhr

Parteitag der US-Demokraten

Bill Clinton verneigt sich vor Obama

Die US-Demokraten haben Barack Obama offiziell als Kandidaten für die Wahl im November nominiert. In einer kämpferischen Rede warb Ex-Präsident Bill Clinton für eine zweite Amtszeit Obamas: "Niemand hätte all den Schaden, den er vorgefunden hat, in nur vier Jahren reparieren können."

Charlotte - Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat sich mit einer kämpferischen Rede auf dem Parteitag der Demokraten für die Wiederwahl seines Nach-Nachfolgers Barack Obama ins Zeug gelegt. Trotz des schweren Erbes der Bush-Ära werde Obama das Land im Sinne des amerikanischen Traums führen, sagte Clinton in der Nacht zum Donnerstag.

"Niemand hätte all den Schaden, den er vorgefunden hat, in nur vier Jahren reparieren können", sagte Clinton. Die Republikaner unter George W. Bush hätten ein "völliges Durcheinander" hinterlassen. Obama habe die Grundlagen für "eine neue, moderne, erfolgreiche Wirtschaft des Wohlstands für alle" gelegt. Clinton erklärte, er glaube "von ganzem Herzen", dass Obama erfolgreich sein werde.

Der 66-jährige Ex-Präsident schlug Obama offiziell als Kandidaten für die Wahl am 6. November vor. "Ich möchte einen Mann nominieren, der nach außen cool wirkt, aber im Inneren für Amerika brennt", sagte er. Clinton lobte den amtierenden Staatschef dafür, sich immer um eine überparteiliche Politik bemüht zu haben. Das sei aber am Widerstand der Republikaner gescheitert.

Nach der Rede kam Obama zu Clinton auf die Bühne, der Ex-Präsident verbeugte sich vor seinem Nachfolger. Gemeinsam winkten sie in die Menge und schüttelten Hände. Zu Wort meldete sich Obama aber nicht. Anschließend begannen Delegierte aus allen Bundesstaaten, die Nominierung offiziell zu bestätigen. Annehmen wird der Präsident die erneute Spitzenkandidatur in seiner Rede zum Abschluss des dreitägigen Parteikonvents am Donnerstag.

Clinton hob in seiner Rede die Unterschiede zwischen Demokraten und Republikanern hervor. "Die wichtigste Frage ist: In was für einem Land wollt ihr leben?", fragte er. Während der republikanische Herausforderer Mitt Romney und sein Vize Paul Ryan für eine egoistische Gesellschaft stünden, engagierten sich Obama und Vizepräsident Joe Biden für einen "gemeinsamen Wohlstand und gemeinsame Verantwortung".

Bill Clinton ist so populär wie lange nicht

Clinton ist so populär wie nie seit Ende seiner von 1993 bis 2001 dauernden Amtszeit, die mit einer boomenden Wirtschaft, Vollbeschäftigung und einem Haushaltsüberschuss verbunden wird. Obama muss dagegen angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von mehr als acht Prozent um seine Wiederwahl bangen und baut im Wahlkampf auf Clintons Schützenhilfe.

Dabei haben Obama und Clinton eine schwierige gemeinsame Vergangenheit. Im Vorwahlkampf 2008 hatte der frühere Staatschef heftig gegen Obama ausgeteilt, der Clintons Frau Hillary damals die sicher geglaubte Präsidentschaftskandidatur entriss. Später legten sie ihre Differenzen bei, und Clinton unterstützte Obama bei seiner Wahl zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA. Seit vergangenem Herbst hat Clinton in Obamas aktuellem Wahlkampf zunehmend an Präsenz gewonnen.

Der Präsident war am Mittwoch am Austragungsort des Parteitags in Charlotte, North Carolina, eingetroffen. Ursprünglich sollte Obama am Donnerstag in einem Footballstadion unter freiem Himmel vor 70.000 Menschen reden. Wegen drohender Gewitter wurde sein Auftritt aber in die überdachte Arena verlegt, wo der Parteitag seit Dienstag stattfindet.

Die Republikaner hatten in der Vorwoche auf ihrem Parteitag in Tampa im Bundesstaat Florida den Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, zum Herausforderer Obamas gekürt. Er tritt mit dem Kongressabgeordneten Paul Ryan als Vize an. Die Wahl findet am 6. November statt.

ffr/AFP/Reuters/AP/dpa

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