US-Wahl Clinton bekommt landesweit mehr Stimmen als Trump

Ginge es nach absoluten Zahlen, hätte Hillary Clinton nach Stand am Mittwochabend wohl die Wahl gewonnen: Landesweit stimmten mehr Menschen für die US-Demokratin als für Donald Trump.

Hillary Clinton, Ehemann Bill
DPA

Hillary Clinton, Ehemann Bill


Es ist eine Besonderheit des US-Wahlsystems: Ein Kandidat erhält die meisten Wählerstimmen, wird aber trotzdem nicht US-Präsident. So könnte es auch in diesem Jahr kommen. Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, doch übereinstimmenden Medienberichten zufolge haben landesweit mehr Menschen für Hillary Clinton als für Donald Trump abgestimmt.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP sind 99,04 Prozent der Stimmen ausgezählt. 59.739.748 Stimmen entfallen demnach auf Clinton, Trump kommt auf 59.520.091 stimmen. Clintons Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Tim Kaine, erklärte, sie liege bei der Zahl der abgegebenen Stimmen vorn.

Noch ist der sogenannte "Popular Vote" allerdings nicht entschieden. Die Differenz zwischen Trump und Clinton ist gering - im Bundesstaat Arizona sind außerdem noch nicht alle Stimmen ausgezählt. Dort deutet sich jedoch ein Sieg des republikanischen Kandidaten an. Trump könnte Clinton also auch bei den absoluten Stimmen noch überholen. (Lesen Sie hier alle aktuellen Entwicklungen im Liveticker.)

Hintergrund ist das Mehrheitswahlsystem der Amerikaner. Der US-Präsident wird nicht direkt gewählt, vielmehr stellt jeder Bundesstaat eine unterschiedlich hohe Zahl an Wahlleuten. Der Kandidat, auf den in einem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen entfallen, gewinnt dessen Wahlleute. Ausnahme sind Nebraska und Maine, hier werden die Wahlleute anteilig vergeben.

Diese Staaten haben das Rennen entschieden
Vergleich mit der Wahl 2012

Das sogenannte "Winner-takes-all"-Prinzip ist umstritten. Insgesamt gibt es 538 Wahlleute - der Präsidentschaftskandidat, der am Ende mindestens 270 dieser Stimmen auf sich vereinen kann, gewinnt die Wahl. Und hier liegt Trump deutlich vor Clinton, die auf 218 Wahlleute kommt. (Lesen Sie hier wie Regierungen rund um den Globus auf die Wahl Trumps reagiert haben.)

Clinton wäre nicht die erste Präsidentschaftskandidatin, die trotz einer Stimmmehrheit nicht ins Weiße Haus einzieht. Vor 16 Jahren stimmten eine halbe Million Menschen mehr für den US-Demokraten Al Gore als für seinen Kontrahenten George W. Bush - dennoch wurde der US-Republikaner Präsident.

brk

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