USA Wahlleute wählen Donald Trump zum US-Präsidenten

Das entscheidende Wahlleutegremium hat abgestimmt: Donald Trump wird neuer US-Präsident. Von Gegnern hatte es bis zuletzt viel Druck auf die Elektoren gegeben.

Donald Trump (Archivbild)
REUTERS

Donald Trump (Archivbild)


Donald Trump hat die Wahl zum US-Präsidenten endgültig für sich entschieden. Nachdem das Volk ihn am 8. November indirekt bereits zum neuen Staatsoberhaupt gemacht hatte, votierte am Montag auch das Wahlleute-Gremium mit klarer Mehrheit für Trump.

Deutlich mehr als die nötigen 270 der 538 Wahlleute aus 50 Bundesstaaten und der Bundeshauptstadt Washington stimmten für Trump, berichteten mehrere US-Medien am Montag übereinstimmend.

Vage Hoffnungen von Trumps Kritikern, unter den Wahlleuten von Trumps Republikanern könnten sich ausreichend Abtrünnige finden, bewahrheiteten sich erwartungsgemäß nicht.

Das Ergebnis soll offiziell am 6. Januar im US-Kongress verkündet werden. Trump wird am 20. Januar im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Washington zum 45. Präsidenten der USA vereidigt werden.

Theoretisch wäre eine Entscheidung gegen Trump möglich gewesen - dazu hätten jedoch mindestens 37 Wahlleute gegen das Wahlergebnis ihres Bundesstaates votieren müssen. Dies wäre einzigartig in der US-Geschichte gewesen. Die meisten Wahlleute sind von den Gesetzen der Bundesstaaten und vom Regelwerk ihrer Partei in unterschiedlicher Strenge dem Wahlergebnis verpflichtet.

Mitglieder des US-Wahlmännergremiums
AP

Mitglieder des US-Wahlmännergremiums

In vielen Staaten wurde die Abstimmung der Wahlleute von Anti-Trump-Protesten begleitet. Interessengruppen hatten im Vorfeld teils massiv versucht, die Wahlleute mit Hilfe einer Flut persönlicher E-Mails oder Textnachrichten davon zu überzeugen, den umstrittenen Unternehmer noch im letzten Moment zu stoppen. Fünf Millionen Menschen unterzeichneten eine entsprechende Onlinepetition.

Trump selbst reagierte auf Twitter energisch. "Wenn meine vielen Anhänger genauso gehandelt und Leute bedroht hätten, wie diejenigen es machen, die die Wahl verloren haben, dann würden sie verachtet und fürchterlich beschimpft", schrieb er.

Die Trump-Gegner führten zwei Hauptargumente ins Feld. Zum einen hatten insgesamt 2,8 Millionen Amerikaner mehr für Hillary Clinton als für Trump gestimmt. Zum zweiten müssten erst Erkenntnisse der Geheimdienste untersucht werden, wonach Russland die Wahl im Sinne Trumps beeinflusst habe.

Trump selbst rühmte auf seiner letzten von mehreren Danksagungskundgebungen vor Zehntausenden Anhängern sein Wahlergebnis als "Erdrutschsieg". Das entspricht nicht den Tatsachen. Von den letzten zehn Wahlergebnissen hat Trump eines der schlechtesten.

Noch im Wahlkampf hatte Trump die Institution des Electoral College (Wahlmännergremiums) scharf kritisiert. In seiner jüngsten Rede in Mobile (Alabama) bezeichnete er es als großartig.

In den USA wird der Präsident nicht direkt vom Volk gewählt. Die Wähler bestimmen in ihren Bundesstaaten die insgesamt 538 Wahlleute. Jeder Staat ist in etwa entsprechend seiner Bevölkerungszahl in dem Gremium repräsentiert. In den meisten Staaten gilt das Mehrheitswahlrecht, nach dem "Winner takes all"-Prinzip. Deshalb gewinnt am Ende der Bewerber, der die meisten Wahlleute auf sich vereint, und nicht zwangsläufig derjenige, der die meisten Stimmen erhält.

lgr/dpa



insgesamt 124 Beiträge
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El_Brain 19.12.2016
1.
Ich bin ja nun alles andere als ein Trump Fan, aber es gilt nun das Votum des Volkes zu respektieren. Trump hat laut US-Wahlssystem die Mehrheit der Wahlmänner gewonnen und ist somit zu Recht Präsident. Es bleibt nur abzuwarten, was an den Vorwürfen der ausländischen Einflussnahme dran ist. Aber solange sich da nichts tut, ist Trump (leider, muss ich sagen) rechtmäßiger Präsident der USA.
Heimatfreund 20.12.2016
2.
Congratulations Mr. elected President. Die Welt kann mindesten für 4 Jahre aufatmen. Danke Amerika.
jukio 20.12.2016
3. Nicht umerziehen, lieber gleich bevormunden.
Ja da gibt es viele "Gründe" die Wahl zu korrigieren. Am Besten so oft abstimmen lassen bis das Ergebnis passt. Bei der nächsten Wahl sollen die Amis gleich die Trump-Gegner fragen welche Kandidaten geeignet sind!
snow.fox 20.12.2016
4. wat solls....
Trump - als Mensch äusserst unangenehm, als künftiger Präsident unangemessen... er wird sich schon selber hinaus katapultieren. Hoffentlich lernen wir Europäer daraus und zeigen AFD und Co im nächsten Jahr den mittleren Finger.
pfeiffffer 20.12.2016
5.
Dieser Effekt, nicht die meisten Stimmen bekommen, aber trozdem gewonnen, liegt daran, daß die Anzahl der Wahlmänner gewichtet ist und nicht der wirklichen Bevölkerungszahl entspricht. Die Bundesstaaten hätten sich wohl kaum zusammengeschlossen, wenn Kalifornien 5000 Wahlmänner erhalten hätte und Connecticut einen halben und Rhode Island einen viertel Wahlmann. Ist wie bei uns bei den Wahlen zum Europaparlament, da gibt's ähnlich krasse Unterschiede, z.B. D und LUX. Demokratisch? Vielleicht nicht unbedingt, aber die kleinen Staaten wollen sich nun mal auch nicht unterbuttern lassen.
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