US-Wahl John McCain und die Frage aller Fragen

Ist der Republikaner McCain ein richtiger Amerikaner? Darüber streiten die Gelehrten, wurde der Politiker doch in der Panamakanalzone geboren. Jetzt hat sich sogar der Senat in die Debatte eingeschaltet.


Hamburg - "Wenn du hart arbeitest und dich an die Regeln hältst", so suggeriert es der berühmte amerikanische Traum und so sind Millionen US-Immigranten zu glauben geneigt, "kannst du es weit bringen. Und eines Tages Präsident werden."

Weit gefehlt.

Der zweite Artikel der Verfassung sieht vor, dass nur ein in den USA geborener Bürger zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden darf. Und weil die Verfassungsväter es verabsäumt haben, genauer zu erläutern, was sie unter dem Begriff "natural born citizen" genau verstehen, muss sich nun ausgerechnet der Präsidentschaftskandidat einer Debatte um seine Staatsangehörigkeit stellen, der bislang vielleicht als der amerikanischste aller Amtsaspiranten erschien.

Republikaner McCain: Nicht im Sinne der Gründerväter
AP

Republikaner McCain: Nicht im Sinne der Gründerväter

John McCain, Senator von Arizona, Kriegsheld, Republikaner, wurde vor fast 72 Jahren in einem amerikanischen Militärkrankenhaus in der Panamakanalzone geboren. Die unterstand zu diesem Zeitpunkt zwar der US-Gerichtsbarkeit, doch ob sie damit auch zum Territorium der Vereinigten Staaten zählte, darüber streiten sich die Rechtsgelehrten.

Die Frage sei "nicht so einfach", sagte die Professorin Sarah H. Duggin von der Catholic University of America der "Washington Post", und könne grundsätzlich nur durch einen Verfassungszusatz oder durch einen Beschluss des Obersten Gerichtshofs entschieden werden. Doch soweit ist es noch nicht.

Nachdem ein Computerprogrammierer aus New Hampshire die Staatsbürgerschaft des Präsidentschaftskandidaten McCain vor einem Gericht angezweifelt hatte, sah sich der US-Senat jetzt zu einem politischen Signal veranlasst. In einer nichtgeheimen Abstimmung sprach die Kammer dem Republikaner McCain nun die Wählbarkeit zu und erklärte ihn in einer Empfehlung zu einem "natural born citizen", wie die "Washington Post" meldet. Es sei die "schnellste, klarste und effizienteste" Möglichkeit des Senats gewesen, den Gerichten seine Meinung deutlich zu machen, sagte die Juristin Duggin.

Nach Informationen der Zeitung gibt es im standesamtlichen Register der Panamakanalzone keinen Eintrag zur Geburt des heutigen Senators von Arizona. Auch im Verzeichnis der im Ausland zur Welt gekommenen Kinder, das der US-Konsulardienst für den August 1936 geführt habe, sei John McCain nicht erwähnt. Gleichwohl habe ein McCain-Vertrauter einem Reporter des Blattes eine Kopie der Geburtsurkunde gezeigt. Demnach habe der Politiker im "Familienkrankenhaus" von Coco Solo das Licht der Welt erblickt.

Inzwischen diskutieren die Amerikaner nicht nur im Internet, aber auch dort, leidenschaftlich darüber, was sie eigentlich zu Amerikanern macht. Keine ganz unwichtige Frage in einem Einwanderungsland, das die bindende Kraft seiner Staatsbürgerschaft dringend für den Zusammenhalt der Gesellschaft benötigt.

Für den Senator indes ist die Sache sonnenklar. "Dass ein Amerikaner", so zitierte ihn die "New York Times", "der auf dem Territorium der Vereinigten Staaten geboren wurde und dessen Vater dem Land als Militär gedient hat, nicht zum Präsidenten gewählt werden kann, haben unsere Gründerväter sicherlich nicht im Sinn gehabt."

jdl

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.