US-Wahl Staatsanwalt ermittelt wegen Betrugs

Die Pannen vor den US-Wahlen häufen sich. Eine den Republikanern nahe stehende Beratungsfirma soll bei der Registrierung von Wählern betrogen haben. Andernorts konnten sich Bürger doppelt registrieren. In Ohio wollen die Republikaner eigene Leute an den Urnen platzieren, um einen angeblichen Betrug der Demokraten zu verhindern.


New York/Washington - Die vom Republican National Committee (RNC) finanzierte Firma Sproul & Associates soll unter anderem Registrierungskarten von mutmaßlichen Anhängern der Demokraten vernichtet haben und ihre Mitarbeiter angewiesen haben, möglichst nur konservative Wähler zu registrieren. "Wir nehmen diese Vorwürfe sehr ernst", sagte der Leiter der Wahlbehörde im US-Staat Oregon, Bill Bradbury, am Freitag.

Allein in Oregon seien drei entsprechende Beschwerden eingegangen, sagte Bradbury. Abgeordnete in Pennsylvania beauftragten die Staatsanwaltschaft ebenfalls mit Ermittlungen.

Die in Arizona ansässige Firma Sproul & Associates wurde im vergangenen Jahr gegründet und seit Juli vom RNC mit fast einer halben Million Dollar unterstützt. Ehemalige Angestellte in Wahlwerbekolonnen berichteten von Anweisungen, wonach sie nur Republikaner registrieren sollten. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe gesehen, wie ein Abteilungsleiter von Sproul mehrere Registrierungskarten zerriss, die von Demokraten ausgefüllt worden waren.

Auch Aushilfslehrer Adam Banse hat in Minneapolis, wo er in den Vororten Wähler zum Registrieren animieren sollte, schlechte Erfahrungen mit Sproul & Associates gemacht: "Sie sagten: 'Wenn Du einen Stapel demokratische Karten zurückbringst, dann bist Du gefeuert'." Da habe er gekündigt. Wie Banse haben sich in den vergangenen zwei Wochen mehrere ehemalige Wahlwerber mit ähnlichen Vorwürfen in West Virginia, Pennsylvania, Nevada und Oregon gemeldet.

Firmeninhaber Nathan Sproul, der frühere Parteivorsitzende der Republikaner in Arizona, wies die Vorwürfe als "Erfindung der Demokraten" zurück. "Sie prangern Betrug an, wo keiner ist, und bekommen auch noch die Medien dazu, darüber zu berichten."

Zuvor hatte der "Orlando Sentinel" berichtet, dass zig Tausende Wähler in mehreren Bundesstaaten registriert sind. Die Zeitung verglich Wahllisten in den Bundesstaaten Florida, Georgia und North Carolina. Dabei stellte sich heraus, dass etwa 68.000 US-Bürger Floridas auch in einem der beiden anderen Staaten registriert sind mit gleichem Namen und gleichem Geburtsdatum.

Republikaner schicken Wahlbeobachter nach Ohio

Die Republikanische Partei leitete formale Schritte ein, um Tausende Mitarbeiter in den Wahllokalen unterzubringen. Sie sollen laut "New York Times" Wähler überprüfen, ob sie sie teilnahmeberechtigt sind. Da sei notwendig, um sich vor möglichen Täuschungsversuchen zu schützen, denn die Demokraten hätten sich zuletzt aggressiv darum bemüht, Zehntausende neue Wähler in Ohio registrieren zu lassen. Der Staat ist einer der Swing States, in dem der Wahlausgang bisher völlig ungewiss ist.



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