US-Wahlkampf Al Gore verzichtet auf Revanche gegen Bush

Al Gore will nicht noch einmal gegen George W. Bush antreten. Zwei Jahre nach der denkbar knappen Niederlage bei der US-Präsidentenwahl erklärte der 54-Jährige seinen Verzicht auf eine neue Kandidatur.

Washington - Damit schafft Gore Klarheit für das interne Rennen der Bush-Herausforderer in der Demokratischen Partei mit Blick auf die nächste Wahl 2004, das jetzt wieder als völlig offen gilt.

Gore sagte am Sonntagabend im US-Fernsehsender CBS, er hätte zwar noch die Energie für einen neuen Anlauf. Der anstrengende Wahlkampf sei aber nicht spurlos an der Demokratischen Partei vorüber gegangen. Er wolle jetzt auf andere Weise zu einem Regierungswechsel beitragen. "Ich denke, dass sich die gegenwärtige Politik ändern muss", erklärte Gore. Ein erneuter Wahlkampf gegen US-Präsident George W. Bush würde "den Akzent unausweichlich auf die Vergangenheit setzen" und damit von den wichtigen Fragestellungen der Zukunft ablenken.

Bei der Wahl im November 2000 bekam Gore zwar eine halbe Million Stimmen mehr als sein Rivale von der Republikanischen Partei. Den Ausschlag für Bush gaben aber die Stimmenverhältnisse in den einzelnen Staaten der USA. Nach aufwühlenden Nachzählungen in Florida und einer mit fünf zu vier Stimmen getroffenen Entscheidung des Obersten Gerichts gestand Gore am 13. Dezember 2000 seine Niederlage ein.

Nach einer Reihe von öffentlichen Auftritten im vergangenen Monat war damit gerechnet worden, dass Gore seine Kandidatur erklären würde - insbesondere wegen des knappen Wahlausgangs im Jahr 2000. In seiner Partei hatte es jedoch auch Stimmen gegeben, Gore möge darauf verzichten und einem charismatischeren Politiker Platz machen.

Der ehemalige Vizepräsident in der Regierung von Bill Clinton erklärte in der Fernsehsendung, dass er mit einer Bewerbung von Senator Joseph Lieberman für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten rechne. Lieberman war im Wahlkampf 2000 Gores Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten. Seine Bewerbung bereits erklärt hat der Gouverneur von Vermont, Howard Dean. Er sprach nach der Erklärung Gores von einem "bittersüßen Tag". Als mögliche weitere Anwärter auf eine Kandidatur bei den Demokraten gelten die Senatoren John Kerry, Tom Daschle und John Edwards sowie der Abgeordnete Dick Gephardt.

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