US-Wahlkampf "Bush ist jenseits der Inkompetenz"

Zwei Wochen vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl hat der frühere Vizepräsident Al Gore Präsident Bush scharf angegriffen. Dieser setze die Sicherheit des Volkes aufs Spiel. Bush dagegen sagte, sein Land sei stark genug, um auch mit Iran oder Nordkorea fertig zu werden.

Washington - Die scharfen Worte fielen gestern auf einer Veranstaltung in der amerikanischen Hauptstadt. Der frühere US-Vizepräsident Al Gore warf dem Präsidenten vor, die amerikanische Öffentlichkeit absichtlich über die Gründe für den Irak-Krieg getäuscht zu haben. Bush sei so in seiner Ideologie gefangen, dass er seine Fehler nicht zugebe und auch nicht aus ihnen lerne, sagte Gore in einer Rede an der Georgetown Universität. "Das ist jenseits der Inkompetenz. Das ist Rücksichtslosigkeit, die die Sicherheit des amerikanischen Volkes aufs Spiel setzt."

Auch der US-Präsident meldete sich zum Thema Außenpolitik. In einem Interview an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One sagte George W. Bush, er wolle mit seinem Kurs gegenüber Iran und Nordkorea eine Militäraktion beider Staaten unwahrscheinlicher machen. Im Zusammenhang mit der Wehrpflicht - gegen die er sich wandte - sagte er jedoch: "Ich glaube, wir haben die notwendigen Güter und das Personal, um uns auch mit einem anderen Schauplatz befassen zu können, sollte ein solcher auftauchen."

Zum Irak befragt sagte Bush, er wäre enttäuscht, wenn bei den geplanten freien Wahlen islamische Fundamentalisten gewinnen würden. "Aber Demokratie ist Demokratie", fügte er hinzu.

Pannen bei früher Abstimmung in Florida

In Florida hat die US-Präsidentenwahl bereits gestern mit einigen Pannen begonnen. Die Beteiligung wurde als rege beschrieben. Die Möglichkeit der frühen Stimmabgabe wurde in dem Staat infolge der chaotischen Auszählung nach der Wahl vor vier Jahren eingeführt. Damals wurde Bush erst nach wochenlangem juristischen Tauziehen zum Sieger über Al Gore erklärt. Auch in Texas, Colorado und Arkansas ist seit Montag schon vor dem Wahltermin am 2. November eine Stimmabgabe möglich.

Im Wahlkreis Palm Beach in Florida, dem Zentrum der Querelen vor vier Jahren, berichtete eine demokratische Regionalabgeordnete von neuerlichen Schwierigkeiten: Sie habe vom Angebot Gebrauch gemacht, statt der elektronischen Wahl einen herkömmlichen Stimmzettel zu benutzen, dieser sei jedoch nicht vollständig gewesen. Im Bezirk Broward gab es Probleme bei der Vernetzung von Laptops mit der Zentrale der Wahlkommission. Im Orange County stürzten alle Computer zeitweise ab, so dass die Wahl in Orlando lahm gelegt war.

In Fort Lauderdale lief unterdessen noch ein Gerichtsverfahren bezüglich der Abstimmung: Anwälte verlangten einen Einsatzstopp der neuen Touch-Screen-Wahlmaschinen, weil sie die Stimmabgabe nicht gleichzeitig auf Papier festhielten, so dass eine spätere Überprüfung unmöglich sei. Gleichwohl begann auch dort die frühe Wahl. Im Bezirk Duval protestierten Demonstranten dagegen, dass es im bevölkerungsreichsten Wahlkreis Floridas nur ein Stimmlokal geben soll. Ein Anwalt des Stadtrats erklärte, für eine Neueinrichtung sei es jetzt zu spät.

Die Wahlkampfteams von Bush und seinem demokratischen Herausforderer John Kerry bemühten sich intensiv um die Frühwähler. Mit Telefonkampagnen, E-Mails und Sonderveranstaltungen versuchten sie, die Aufmerksamkeit auf die neue Wahlmöglichkeit zu lenken. Einige Gruppen drängten die Stimmberechtigten zur frühen Wahl, um etwaige Schwierigkeiten mit den neuen Maschinen rechtzeitig auszubügeln. Andere verwiesen auf die Chance für berufstätige Bürger, lange Warteschlangen am eigentlichen Wahltag zu umgehen.

In Texas gaben Bushs Eltern, der frühere Präsident George Bush und die ehemalige First Lady Barbara Bush, ihre Stimmen ab. "Wir lieben es, für unseren Sohn zu stimmen", sagte Barbara Bush nach der elektronischen Stimmabgabe in einem Gemeindezentrum in der Stadt Houston.

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