US-Wahlkampf Die Wahrheit über Joe den Klempner

Peinliche Enthüllung für John McCain: Während der letzten TV-Wahlkampfdebatte beschwor der Republikaner immer wieder "Joe den Klempner" als Kronzeugen für Obamas angebliche Steuertreiberei. Jetzt kommt heraus: Der Handwerker hat sich geirrt - und schuldet dem Staat Steuern.

Holland/Washington - Von einem Tag auf den anderen wurde Joe Worzelbacher, 34, zum Star des US-Wahlkampfs. Im dritten und letzten TV-Duell machte John McCain den Handwerker aus Toledo in Ohio zum Kronzeugen für die angebliche Steuertreiberei seines Rivalen Barack Obama, die dem Durchschnittsamerikaner die Verwirklichung des amerikanischen Traumes verwehre.

Worzelbacher im Gespräch mit Obama: "Wie Britney Spears mit Kopfschmerzen"

Worzelbacher im Gespräch mit Obama: "Wie Britney Spears mit Kopfschmerzen"

Foto: REUTERS

Nachdem ihn die Fernsehdebatte berühmt gemacht hatte, bombardieren US-Journalisten "Joe the plumber" mit Interviewfragen. Vor seinem Haus in Holland, Ohio, beantwortete er am Donnerstagmorgen geduldig die Fragen der US-Medien, ließ sich live ins US-Fernsehen schalten.

Wer ist also dieser Joe? Erst einmal bleibt festzuhalten: Ein richtiger Klempner ist er eigentlich nicht. Die Ausbildung hat er nie abgeschlossen, eine Lizenz zur Ausübung seines Berufs hat er auch nicht, wie er einräumen musste. Er brauche sie allerdings auch nicht, weil sein Arbeitgeber die Lizenz habe, sagte er.

Eine kleine Ungenauigkeit hat sich wohl auch bei seinem Namen eingeschlichen. Tatsächlich heißt er nicht Joe Wurzelbacher, wie er rund um das TV-Duell genannt worden war, sondern Samuel Joseph Worzelbacher, wird in einem Blog der "New York Times" berichtet. Als er sich in die Wählerlisten eintrug, habe man seine Handschrift nur schwer lesen können und aus dem "o" ein "u" gemacht, berichtet eine Frau aus dem Wahlkomitee von Lucas County.

Worzelbacher selbst habe diesen Namen aber nie auf seiner Registrierungskarte ändern lassen. Aus dem Eintrag geht dem Bericht zufolge zudem hervor, dass der Handwerker sich als Anhänger der Republikaner eintrug. Ob er in diesem Jahr John McCain seine Stimme geben werde, will Worzelbacher allerdings nicht öffentlich bestätigen.

"Das ist eine sehr sozialistische Sichtweise"

Fakt ist: McCain verwies im TV-Duell immer wieder auf Joe, als Paradebeispiel für die Angst der Kleinunternehmer vor Steuererhöhungen unter einem Präsidenten Obama. In seinem Heimatort hatte Worzelbacher den Demokraten bei einem Wahlkampfauftritt beherzt zur Rede gestellt - diese Begegnung weidete der Republikaner genüsslich aus.

Im US-Sender ABC erklärte Worzelbacher, dass er gegen Steuererhöhungen sei. Erfolgreiche Unternehmer dürften für ihren Erfolg nicht noch bestraft werden. Daher solle ein Geschäftsmann, der 250.000 US-Dollar im Jahr verdiene, nicht mehr Steuern bezahlen, als derjenige, der deutlich weniger verdiene. Das aber wolle Obama, wenn er Besserverdienende stärker belasten wolle, so Worzelbacher. "Das ist eine sehr sozialistische Sichtweise, das ist unglaublich falsch", sagte er.

Falsch aber liegt womöglich Worzelbacher selbst - und damit auch McCain -, wenn er behauptet, er zahle drauf, wenn Obamas Steuervorschläge Wirklichkeit würden. In der "New York Times" rechnen Eperten vor, dass Worzelbacher vielmehr mit Steuererleichterungen rechnen könnte, wenn Obama ins Weiße Haus einzöge.

"Ich fühle mich wie Britney Spears mit Kopfschmerzen"

Zwar sind viele Details unbekannt, die Worzelbachers Steuerstatus betreffen. Aus einer Beispielrechnung geht jedoch hervor, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit weniger Steuern zahlen müsste als heute, und zwar sechs bis sieben Prozent.

Genauso wahrscheinlich ist allerdings auch, dass die Steuererleichterungen unter einem Präsidenten McCain für Worzelbacher noch größer ausfallen würden, nämlich fast zehn Prozent. Nur, höhere Steuern drohen ihm den Wahlkampfprogrammen der Kandidaten zufolge auf keinen Fall, weder unter McCain noch unter Obama. Der Rechnung liegt die Annahme zugrunde, dass sich "Joe der Klempner" ein Unternehmen kauft, das etwa 280.000 Dollar Gewinn macht - genau so, wie es Worzelbacher bei seiner Begegnung mit Obama als Beispiel genannt haben soll.

Bekannt wurde inzwischen auch, dass es Worzelbacher mit der Steuermoral zuletzt nicht so genau nahm. Gerichtsakten belegen US-Medien zufolge, dass er mit der Zahlung von nahezu 1200 Dollar Steuern im Rückstand ist. Das Finanzamt von Ohio ging deswegen im Januar 2007 gegen Worzelbacher vor, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Worzelbacher kämpft inzwischen mit der unerwarteten Berühmtheit. Dass sein Name in der Debatte genannt werden würde, davor hat den Mann aus dem Lager der Republikaner im Vorfeld nach eigenen Angaben niemand gewarnt. Seine Söhne, so sagt er, finden es toll, wenn er nun als "Joe der Klempner" kurzfristige TV-Karriere macht. Ihm selbst ist der ganze Rummel etwas zuviel. "Ich fühle mich wie eine Art Britney Spears mit Kopfschmerzen", gestand er. "Ich hoffe nur, dass ich mich nicht zu sehr zum Narren mache."

John McCain will seinen neuen Star noch nicht ganz wieder in Ruhe lassen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Downingtown im US-Bundesstaat Pennsylvania erklärte der Republikaner Joe zum eigentlich Sieger des TV-Duells: "Er hat gewonnen, und die kleinen Unternehmen überall in Amerika haben gewonnen", rief McCain. "Sie haben gewonnen, weil das amerikanische Volk nicht zulassen wird, dass Senator Obama mitten in einer Wirtschaftskrise die Steuern erhöhen wird."

phw/als/AP

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.