US-Wahlkampf Kandidat Dean ruft seine Frau zu Hilfe

Der demokratische Rebell Howard Dean wollte alles anders machen im Wahlkampf. Ganz alleine wollte er überzeugen, ohne seine Familie zum Stimmenfang zu missbrauchen. Doch nach dem Debakel in Iowa ändert er die Strategie. Nun lächelte er sich mitsamt seiner Gattin durch ein langes TV-Interview.

Washington - Nur eine Vorwahl hat es gebraucht, um den Rebell zu beugen. Howard Dean, Revoluzzer unter den demokratischen Präsidentschaftsanwärtern, wollte eigentlich ganz bewusst seine Familie aus dem Wahlkampf herauslassen. Doch nach der Niederlage in Iowa, wo er als Favorit nur Dritter wurde, schwenkte er reuevoll um. Am Donnerstag präsentierte er sich in der amerikanischen Fernsehshow "Primetime" mit seiner Ehefrau. Händchen haltend saßen die beiden auf einem Sofa und spielten das liebste Stück der Amerikaner: Das perfekte Paar.

Judith Steinberg, Deans Frau, ließ sich nicht anmerken, was sie von dieser Vorstellung hielt. Nett sprach sie über ihren Gatten, beteuerte, daheim sei der sonst so feurige Demokrat niemals wütend, einfach nur richtig, richtig freundlich. Der Bewerber für das Weiße Haus ergänzte den hochpolitischen Auftritt mit der Feststellung, natürlich schreie er auch schon einmal aufgeregt bei einem Hockeyspiel seines Sohnes, das sei vielleicht wenig präsidentiell, doch schließlich sei er ja auch bloß ein Mensch. Die Ehefrau lachte. Ach, Howard. Deans Leidenschaft hat sich im Wahlkampf vor allem in wütenden Rede an seine Anhänger entladen. Denen sprach er nach dem enttäuschenden dritten Platz in Iowa so passioniert Mut zu, dass die Talkshowmaster ihn im Stil des Grossen Diktators nachahmten. Das schadete ihm: Viele Wähler überlegen nach Deans Ausbruch, ob ein derart impulsiver Mann wirklich in der Nähe des Knopfes für Atomraketen sitzen solle. Und sie fragen sich, ob wenigstens seine Frau - eine praktizierende Ärztin - Kontrolle über den wilden Dean hat. "Warum war sie nicht da, um ihm eine Beruhigungsspritze zu geben?", lästerte Sidney Zion in den "New York Daily News".

Nun also sitzt sie neben ihm - der Tribut an amerikanische Wertvorstellungen. Während sich die anderen Kandidaten regelmäßig mit ihren Ehefrauen präsentieren und die stets elegant-freundliche Laura Bush als eine der wichtigsten Imagestützen des US-Präsidenten gilt, hatte Dean seine Familie bislang völlig außen vor gelassen. Steinberg arbeitete lieber in ihrer Praxis statt ihren Mann bei Wahlkampfauftritten zu begleiten, sie gab so gut wie keine Interviews, und als Dean sich in einem spektakulären Schachzug die Unterstützung Al Gores sicherte, erfuhr sie erst Tage später davon.

Eine derart emanzipierte Partnerschaft kam zwar gut an bei der jungen liberalen Basis, die sich früh um den ehemaligen Gouverneur des aufgeklärten Vermonts scharte. Doch je mehr Deans Kandidatur ins Amerika ins Blickfeld rückte, desto unverhohlener wurden Pressespekulationen, ob so offenes Desinteresse Zeichen einer gesunden Partnerschaft sei. Manche Medien fragten gar bissig, was Steinberg einmal ihren Enkelkindern erzählen wolle. Dass ihr Großvater einst über Monate hinweg halb Amerika begeisterte, sie aber leider zu beschäftigt gewesen sei, um dem viel Beachtung zu schenken?

Nach dem Debakel von Iowa und den Diskussionen um seinen Wutausbruch scheint Deans Kampagne denn auch ganz auf bewährte Wahlkampfstrategien zu vertrauen. Der "wütende" Kandidat soll menschlicher werden: Zu diesem Transformationsprozess gehört wohl auch die Entdeckung von Religiosität, das plötzliche Schielen auf die Innenpolitik statt auf den Widerstand zum Irakkrieg - und eben auch eine Ehefrau, die im Fernsehen über ihren Kleidungsstil plaudert und über die Geburtstagsgeschenke ihres Mannes.

Wenn das nicht reicht, um eine Wahlkampagne umzubiegen. Am kommenden Dienstag in New Hampshire will Howard Dean zum "Comeback kid" werden. Als prominentester Gast bei Wahlveranstaltungen in den kommenden Tagen wird erwartet - seine Frau.

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