US-Wahlkampf Obama wirft Romney Extremismus vor

US-Präsident Obama hat seinen Herausforderer Romney kurz vor dem Parteitag der Republikaner hart angegriffen: Romney vertrete "extreme Positionen" und sei unehrlich. Sollte der Republikaner regieren, würde sich das Leben der Mittelschicht verschlechtern, warnte Obama.

US-Präsident Obama im Interview mit der Nachrichtenagentur AP: "Unehrliche Argumente"
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US-Präsident Obama im Interview mit der Nachrichtenagentur AP: "Unehrliche Argumente"


Washington - Der US-Wahlkampf wird schärfer: Präsident Barack Obama hat seinem designierten Herausforderer Mitt Romney "extreme Positionen" in wirtschaftlichen und sozialen Fragen vorgeworfen. Diese würde Romney im Fall eines Wahlsiegs auch umsetzen, sagte Obama in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Romney mangele es an ernsthaften Ideen, und er weigere sich einzugestehen, welche Verantwortung das von ihm angestrebte Präsidentenamt mit sich bringe. Romney arbeite mit faktisch unehrlichen Argumenten, die ihn noch einholen könnten, sagte Obama.

Romneys Pläne würden das Leben der Mittelschicht verschlechtern und böten denen keine Perspektive, die dorthin aufsteigen wollten, sagte der US-Präsident. Sollte er, Obama, für eine zweite Amtszeit gewählt werden, wäre er zu Kompromissen mit Republikanern bereit, die einen der "am wenigsten produktiven Kongresse in der amerikanischen Geschichte" leid seien.

Als Beispiele für "extreme Positionen" nannte der Präsident die Forderung Romneys nach Steuersenkungen, die laut Obama den Reichen auf Kosten aller anderen zugutekommen und das Land fünf Billionen Dollar kosten würden. Obama verwies ferner auf Romneys Widerstand gegen Steuererleichterungen für die Produzenten von Windenergie.

Auch auf das Thema Abtreibung ging Obama ein. Ein Präsident Romney würde sich nicht in den Weg stellen, wenn der Kongress ein Gesetz vorlegte, das Frauen das Recht auf die Entscheidung über das Austragen einer Schwangerschaft nähme, sagte Obama. Das republikanische Wahlprogramm, dass auf einem Parteitag Anfang der Woche verabschiedet werden soll, sieht ein Abtreibungsverbot ohne Ausnahmen vor. Romney hat indes erklärt, dass er sich in Fällen von Vergewaltigung, Inzest oder Gefahr für das Leben der Frau nicht gegen eine Abtreibung wenden würde.

Obama inszeniert sich im Wahlkampf als Anwalt der Schwachen. In seiner wöchentlichen Ansprache und in einem Wahlwerbespot hat der US-Präsident jetzt erneut die Krankenversicherung für ältere Menschen, Medicare, verteidigt. Er wolle dieses Programm, das für Millionen Ältere das Versprechen einer Absicherung im Krankheitsfall sei, für künftige Generationen erhalten und weiter ausbauen, erklärte Obama. Sein Kontrahent Mitt Romney "würde dieses Versprechen brechen", heißt es in dem Werbespot.

Hintergrund sind radikale Reformvorschläge von Romneys Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten,Paul Ryan. Nur so sei die Krankenversicherung überhaupt aufrechtzuerhalten, argumentieren die Republikaner. Romney und Ryan traten am Samstag gemeinsam in Ohio auf. Dort hielten sie Obama vor, er habe keine Idee, wie die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen sei. Zudem verteidigten sie ihre Reformvorschläge für die Krankenversicherung. In der wöchentlichen Ansprache der Republikaner warf Senator Rand Paul aus Kentucky der Regierung vor, das Land leide unter einer Ausplünderung der Staatsfinanzen und 20 Jahren an Haushaltsdefiziten.

Für Obamas Herausforderer Romney sind die vergangenen Wochen äußerst unglücklich verlaufen - sein bisheriges Rennen gegen den US-Präsidenten war ein Chaos aus vermeidbaren Fauxpas und verbalen Fehlzündungen. So prahlte Romney etwa damit, dass er Untergebene gerne feuere oder sich "nicht um die ganz Armen" sorge. Am Freitag spielte er in seinem Geburtsstaat Michigan ungefragt auf die längst widerlegten Gerüchte an, Obama sei gar nicht in den USA geboren - ein Tabu unter seriösen Politikern, doch ein Steckenpferd des rechten Randes: "Keiner hat mich je nach meiner Geburtsurkunde gefragt." Am Montag wollen Romneys Republikaner mit ihrem Parteitag in Florida die heiße Wahlkampfphase eröffnen.

Obama und Romney können mit ihrem Wahlkampf noch eine große Zahl unentschlossener Wähler auf ihre Seite bringen. Zweieinhalb Monate vor der Präsidentenwahl sind laut einer Umfrage mit 23 Prozent fast ein Viertel der registrierten Wähler noch nicht sicher, wen sie wählen werden. Allerdings haben nur 29 Prozent der Unentschlossenen ein starkes Interesse am Wahlkampf, wie die Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Marktforschungsunternehmens GfK ergab. Bei Wählern, die sich bereits für Obama oder Romney entschieden haben, sind dies 51 Prozent. Die unentschlossenen Wähler dürften damit für die Wahlkämpfer schwieriger zu erreichen sein. Hinzu kommt, dass die Hälfte der Unentschiedenen von beiden Kandidaten keine gute Meinung hat. Für die Telefonumfrage wurden vom 16. bis 20. August 885 registrierte Wähler befragt.

Knapp ein Viertel der US-Wähler sind noch unentschlossen

anr/dapd

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Seite 1
spon-facebook-10000024332 25.08.2012
1. Obama erzählt mal wieder Unfug...
...man kann nur hoffen, dass die Republikaner im November gewinnen, wonach es momentan aussieht, denn Florida, North Carolina, Colorado und Wisconsin tendieren vom Trend her mehr Richtung rot. Unter Mitt Romney würde es der Mittelschicht besser gehen, da seine Wirtschaftspolitik das Wachstum stärkt.
Altesocke 25.08.2012
2. optional
"Präsident Barack Obama hat seinem designierten Herausforderer Mitt Romney "extreme Positionen" in wirtschaftlichen und sozialen Fragen vorgeworfen. Diese würde Romney im Fall eines Wahlsiegs auch umsetzen, sagte Obama in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP" Das Dumme dabei: Romney koennte diese Ideen auch umsetzen, weil die Reps die Mehrheiten im Senat hinbekommen. Das die Demokraten etwas wenig dazu in der Lage sind, Obama weiterzubringen, ist ja das Dilemma des derzeitigen Praesidenten!
hadykhalil@web.de 25.08.2012
3. Falsches Spiel
Senator Paul vergisst dabei, dass President Clinton einen fast ausgeglichen Haushalt hinterließ und Bushs Kriege gegen Afghanistan und sein Privatfeldzug gegen Irak, inzeniert mit Lügengeschichten vom CIA, die USA mindestens 4 Billionen Dollar, die Alliierten nochmal 4 Billionen Dollar gekostet hat und damit mittelbar für die Weltwirtschaftskrise verantwortlich ist.
tomrobert 25.08.2012
4. Die Wahl Romneys
würde den Abstieg der USA beschleunigen, den Staat möglicherweise and den Rand einer sozialen Revolution bringen.
Steffmann40 25.08.2012
5. So ein ausgemachter Blödsinn
Zitat von spon-facebook-10000024332...man kann nur hoffen, dass die Republikaner im November gewinnen, wonach es momentan aussieht, denn Florida, North Carolina, Colorado und Wisconsin tendieren vom Trend her mehr Richtung rot. Unter Mitt Romney würde es der Mittelschicht besser gehen, da seine Wirtschaftspolitik das Wachstum stärkt.
Obama hat die Präsidentschaft unter den Vorzeichen bzw. mitten in der nahenden Wirtschaftskrise übernommen. Unter diesen Vorzeichen war es klar, dass es schwer werden würde, eine Nation wie die USA auf sozialpolitisches Niveau umzukrempeln. Romney spricht die ganze Zeit davon, dass reiche Leute diejenigen sind, die Arbeitsplätze schaffen. De facto haben die Republikaner selbst dafür gesorgt, dass das produzierende Gewerbe in den USA am Hungertuch nagt, wenn überhaupt noch vorhanden. Diesen weltfremden Romney und seinen Konsorten geht es nur um Eines. Die Vervielfachung des eigenen Vermögens. Der Steuerberater erzählt denen dann, dass dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden, tatsächlich aber vervielfacht sich das Vermögen auf dem Spielplatz der Spekulanten und Hedgefonds. Wer sich Romney als US-Präsident wünscht, der kann auch gleich nach Nero oder Caligula schreien.
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