US-Wahlkampf Obamas Triumphtour frustriert McCain

Von , New York

2. Teil: Warum McCains Wahlkampfmaschine nicht rund läuft


Es war nicht die einzige problematische Szene für McCain. Der Kandidat trat auch in der watteweichen NBC-Plaudershow "Today" auf - und kam verbittert, spitz, herablassend rüber. "Ich bin froh, dass Senator Obama zum ersten Mal die Gelegenheit hat, sich mit General Petraeus zusammenzusetzen", spottete er. Petraeus ist der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak.

Als sich am Montag in Bagdad plötzlich das Blatt zugunsten von Obamas Irak-Strategie wendete, versuchte McCains Berater Randy Scheunemann zwar noch, Journalisten in einer Konferenzschaltung zu überzeugen: "Das ist eine Strategie der Niederlage." Doch von dieser Haltung kam in den Medien wenig an.

Kurz, Obama dominiert die Debatte. So sehr McCain auch giftet.

Damit hat die Reise für den Demokraten einen Hauptzweck schon erfüllt - nämlich McCains Hauptargument die Grundlage zu entziehen, Obama verstehe nichts von Außenpolitik.

Erst hatte der Republikaner beklagt, dass Obama seit 2006 nicht mehr im Irak war. Nun beklagt er, dass er doch in den Irak gereist ist. Das verstehen die wenigsten. Zum Überfluss versäumte es McCains Partei dann auch noch, auf ihrer Homepage jene elektronische Uhr zu aktualisieren, die zeigt, wie viel Zeit Obamas jüngstem Irak-Besuch vergangen ist. Am Montagabend präsentierte sie sich so überholt wie McCains Wahlkampfstrategie - sie zeigte 925 Tage.

McCain hat ein Problem mit seiner Botschaft

Einen Großteil seiner Wahlkampfmisere hat sich McCain selbst zuzuschreiben. Seine politische Botschaft ist inkonsistent - trotz des lange gepflegten Images des "straight talkers", des Mannes der klaren Worte.

Sein Wirtschaftsprogramm, das er fast jede Woche neu auflegt, ist konfus, und sein Top-Wirtschaftsberater Senator Phil Gramm musste am Wochenende abtreten - nachdem er über die wirtschaftlich darbenden Amerikaner gelästert hatte, sie seien "eine Nation von Heulsusen", die an "mentaler Rezession" litten. Auch der neueste Werbespot, den McCain seit Montag auf allen Kabelkanälen und in den elf am schärfsten umkämpften US-Bundesstaaten schaltete, half kaum. Ihre Botschaft: Obama ist an den hohen Spritpreisen schuld.

Kein Witz: "Wem könnt Ihr für die steigenden Preise an der Zapfsäule danken?", fragt der Sprecher. Ein Bild Obamas erscheint, begleitet von skandierenden Massen: ''Obama! Obama!''

Dazu kommt, dass Obama für die Medien inzwischen einfach der interessantere Kandidat geworden ist. Ab diesem Dienstag begleiten die Starreporter aller Sender den Demokraten. Die drei Top-Anchorleute werden ihn nacheinander zur besten Sendezeit interviewen, je einer am Dienstag-, Mittwoch- und Donnerstagabend.

Zum Vergleich: McCain muss heute im kleinen Kreise nach Portsmouth in New Hampshire ziehen, um ausgerechnet auf derselben alten, knarrenden Theaterbühne des Opera Houses aufzutreten wie Obama zu Beginn seines Siegeszugs, damals in den ersten Vorwahlen im Januar.

Viel mehr Sendeminuten für Obama

Seit der Wahlkampf im Juni zum Duell zwischen McCain und Obama wurde, haben die Nachrichten der US-Fernsehsender laut einer Berechnung des Branchendienstes Tyndall Report 114 Sendeminuten auf Obama verwendet - und 48 auf McCain. Eine ähnliche Präferenz ist auf den einflussreichen Polit-Blogs festzustellen.

Dieses Missverhältnis könne man zwar nachvollziegen "angesichts dessen, dass der Kandidat ein neues Gesicht ist und seine Kandidatur historisch", sagte der Journalismusprofessor Tom Rosenstiel der "New York Times". Doch am Ende sei "es wahrscheinlich nicht fair gegenüber McCain".

Die "New York Times" selbst verwahrte sich wegen des abgelehnten Essays gegen den Vorwurf, eine Präferenz für Obama zu haben. "Wir haben seit 1996 mindestens sieben Meinungsbeiträge von Senator McCain veröffentlicht", sagte Verlagssprecherin Catherine Mathis. "Wir nehmen seine Ansichten sehr ernst."

Nur diesmal nicht ernst genug zum Abdruck.

Für die "New York Times" sprang übrigens der Berliner "Tagesspiegel" ein. Er veröffentlichte McCains abgelehnten Text in seiner Mittwochausgabe als Gastbeitrag.

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