US-Wahlkampf Obamas Triumphtour frustriert McCain

Durch giftige Attacken versucht John McCain, Barack Obamas Nahost- und Europa-Reise zu stören. Doch die Strahlkraft des Demokraten im US-Wahlkampf kann er damit nicht gefährden - der Republikaner hat ein Problem.

Von , New York


New York - Es war die ultimative Demütigung für einen Autor. Der eingereichte Artikel biete "nicht genügend neue Informationen", kritisierte die Zeitung in ihrem Ablehnungsschreiben. Man könne das Stück "in seiner derzeitigen Form nicht akzeptieren". Der Verfasser dürfe es aber noch mal probieren: "Das wäre prima."

McCain im Wahlkampf: Obama hier, Obama da, Obama-Superstar
AP

McCain im Wahlkampf: Obama hier, Obama da, Obama-Superstar

Die Absage erfolgte am Freitag per E-Mail, erst jetzt wurde sie bekannt. Die Zeitung war die "New York Times". Der glücklose Autor: der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Es sind harte Zeiten für ihn. Rivale Barack Obama sammelt gerade Wahlkampfpunkte auf seiner Mini-Welttournee, die dank guter PR-Choreografie, einer bisher eher freundlichen Fankulisse und einer bisher glücklichen Nachrichtenlage auch in den USA das Medienereignis des Sommers ist. Obamas Stippvisiten in Afghanistan und im Irak, der Flankenschutz für seine 16-Monatsabzugspläne durch den irakischen Premier Nuri al-Maliki, die Vorfreude in Deutschland: allesamt Top-Themen in den US-Medien. Obama hier, Obama da, Obama Superstar.

Das Essay, das McCain für die Meinungsseite der "New York Times" verfasst hatte, sollte dagegen halten. Der Republikaner wollte auch mal wieder ein paar gute Schlagzeilen - und Obamas Show als solche entlarven. McCain formulierte seinen Artikel als explizite Antwort auf Obama, der in der vergangenen Woche einen Gastbeitrag in der Zeitung untergebracht hatte ("Mein Plan für den Irak"). Der Demokrat konkretisierte darin seine Vision, alle US-Truppen binnen 16 Monaten aus dem Irak abzuziehen. McCain wollte dem nun entgegenhalten, Zeitpläne für einen Abzug aus dem Land seien "sehr gefährlich". Das war David Shipley, dem Vizechef des Meinungsressorts der Zeitung, nicht gut genug. "Eine neue Fassung würde ich mir gerne ansehen", schrieb er dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. So werden sonst freie Mitarbeiter abgewimmelt.

Riesiger Erfolg für Obama in Bagdad

Die Abfuhr durch die "New York Times" zeigt, dass der daheim zurückgebliebene McCain in die Defensive gerät. Und Obama ausgerechnet im Ausland punktet - obwohl McCain die Außenpolitik doch gern als Schwäche seines Rivalen anprangert.

Einer von Obamas größten außenpolitischen Erfolgen wurde gar live aus Bagdad vermeldet, am Montagabend. Nach einem Treffen mit Maliki betonten er und seine mitreisenden Senatskollegen Jack Reed (Demokrat) und Chuck Hagel (Republikaner, als Obamas Vizekandidat im Gespräch), die Iraker wollten "eine angepeilte Zeitschiene" für einen Abzug - "mit einem klaren Datum für die Umschichtung der US-Kampftruppen". Malikis Sprecher Ali al-Dabbagh nannte sogar noch als Frist das Jahr 2010 - was sich grob mit Obamas 16-Monatsvision deckt.

Solche Meldungen müssen McCain frustrieren. Alles scheint dieser Tage gegen ihn zu laufen. Als wie schwierig seine Lage inzwischen wahrgenommen wird, zeigen Gerüchte in Washington, denen zufolge der Republikaner schon im Laufe dieser Woche seinen Vizekandidaten präsentieren könnte - unüblich früh, mit dem Ziel, Obama doch noch die Show zu stehlen.

Schimpfender 71-Jähriger neben wackligem 84-Jährigen

Erst einmal blieb es zwar bei Spekulationen, doch unverkennbar müht sich McCain nun um außenpolitische Attacken auf seinen Gegner. So am Montag in Kennebunkport in Maine. Da trat er mit einem humpelnden Präsidenten a.D. George Bush senior aus einem Golfkarren vor die Kameras und begann, sich über Obama lustig zu machen. Dieser habe "nicht die geringste militärische Erfahrung". In Sachen Irak und Afghanistan habe er "völlig falsch" gelegen. Er dagegen, McCain, sei immer "felsenfest bei meiner Haltung geblieben".

Am Ende blieb in den US-Medien allerdings das Bild eines schimpfenden 71-Jährigen neben einem wacklig wirkenden 84-Jährigen übrig. MSNBC stellte die Szenerie auf einem geteilten Bildschirm einem Video von Obama beim Basketballspielen mit Soldaten in Kuweit gegenüber. Über den halben Court hinweg traf der Demokrat da einen Korb, die Männer grölten.

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