US-Wahlkampf Schwarzenegger gibt Bush einen Korb

Vor einem Jahr, am Tag der Wahl Arnold Schwarzeneggers zum kalifornischen Gouverneur, hatte George W. Bush noch gesagt, er freue sich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem gebürtigen Österreicher. Doch dieser will von Zusammenarbeit nichts wissen: Schwarzenegger hilft dem US-Präsidenten im Wahlkampf nur auf Sparflamme.

Hamburg - Ein einziger Termin, das war's. Mehr Zeit hat Schwarzenegger für Bush nicht. Morgen tritt er in der Stadt Columbus, im "Swing State" Ohio, auf und will für den amtierenden Präsidenten werben. In Ohio, geht aus Umfragen hervor, gebe es weder für den Republikaner Bush noch für seinen demokratischen Herausforderer John Kerry eine klare Mehrheit. Da aber der Kandidat mit der relativen Mehrheit alle Wahlmänner bekommt, gilt das Ergebnis in Ohio als entscheidend. Da kann selbst Schwarzenegger nicht Nein sagen.

So klar war das dem 57-jährigen Ex-Schauspieler bis Dienstag nicht. "Wir dachten, wir fahren nach Ohio, dann dachten wir wieder, wir machen es nicht. Schließlich haben wir entschieden, doch zu fahren", erläuterte Schwarzenegger den schwierigen Entscheidungsprozess gegenüber Journalisten. "Für mich ist das ein Balance-Akt: Wenn ich keinen Wahlkampf für Präsident Bush mache, sind mir die Republikaner böse. Wenn ich Wahlkampf für Präsident Bush mache, sind mir die Demokraten böse."

Außerdem hatte seine Ehefrau Maria Shriver ihn nach einer pro-republikanischen Wahlkampfrede mit einem Sex-Verbot belegt, wie Schwarzenegger kürzlich in einem Interview gestand. 14 Tage lang gab es laut Aussage Schwarzeneggers keine Zärtlichkeiten zwischen ihm und der Nichte des demokratischen Ex-Präsidenten John F. Kennedy. Shriver selbst ist auch Demokratin.

Mehrere Terminvorschläge des Weißen Hauses abgesagt

Das Weiße Haus fragte nun mehrere Termine bei Schwarzenegger an. Der frühere Hollywood-Star und Mister Universe lehnte alle bis auf jenen Auftritt in Ohio ab. "Ich werde nicht mit dem Präsidenten im ganzen Land herumreisen, meine Arbeit ist hier", sagte er in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento.

Schwarzenegger, der in fiskalischen Fragen als Konservativer, in sozialen Dingen aber als Liberaler gilt, regiert in einem traditionell von Demokraten beherrschten US-Bundesstaat. Er kam im vergangenen Jahr durch eine bisher beispiellose Abwahl eines Gouverneurs ins Amt. Die Kalifornier hatten Schwarzeneggers Vorgänger Gray Davis abberufen, weil sie ihn für die flaue Konjunktur, die Energiekrise mit häufigen Unterbrechungen in der Stromversorgung sowie für ein 38-Milliarden-Doller-Loch im kalifornischen Haushalt verantwortlich machten.

Die Demokraten um Senator Kerry haben die Idee, einen prominenten Wahlkämpfer zur Unterstützung in kritischen Bundesstaaten zu engagieren, bereits erfolgreich umgesetzt: Ex-Präsident Bill Clinton, kürzlich am Herzen operiert, trat in Florida auf und bat in einer Synagoge bei jüdischen Wählern um Unterstützung für Kerry. Zuvor hatte er gemeinsam mit Kerry vor 80.000 Menschen in Philadelphia für einen Wechsel im Weißen Haus geworben.

Doch auch Clintons Wahlkampffreude klingt offenbar ab. In einem heute bei "ABC News" ausgestrahlten Fernsehinterview sagte er, er fühle sich "irgendwie weit weg von Wahlen". Wenn er den jetzigen Wahlkampf sehe, dann schüttele er hin und wieder den Kopf und sage sich: "Meine Güte, ich habe das 20 Jahre lang gemacht, ich weiß, aber es hat nicht mehr viel mit meinem heutigen Leben zu tun."

Hasnain Kazim