US-Wahlkampf Spitzenkandidaten Gore und Bush räumen in Iowa ab

Bei den Parteiversammlungen im US-Bundesstaat Iowa haben die Spitzenkandidaten der Demokraten und der Republikaner, US-Vizepräsident Al Gore und Texas' Gouverneur George W. Bush, das Rennen gemacht. Es war der erste offizielle Test für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

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Des Moines - Wahlkabinen gibt es nicht, in Iowa, dem ländlichen US-Bundesstaat südwestlich der Großen Seen, geht es zu wie im Wilden Westen. Trotz Eiseskälte (minus 20 Grad Celsius) hatten sich am Montagabend zigtausend Demokraten und Republikaner auf den Weg zu den "Caucuses", den Parteiversammlungen, gemacht. In mehr als 2100 Abstimmungszentren wie Schulaulen, Feuerwehrhäusern oder Sporthallen wurde diskutiert, welcher Bewerber am geeignetsten sei, von der jeweiligen Partei zum Kandidaten nominiert zu werden, und wer die besten Chancen habe, letztendlich im Herbst die amerikanische Präsidentschaftswahl zu gewinnen.

George W. Bush: Testwahl gewonnen
AP

George W. Bush: Testwahl gewonnen

Dann die Abstimmung - ganz traditionell per Wahlzettel, Handzeichen oder durch "Köpfe zählen". "Wer für Bill Bradley ist, geht jetzt nach links. Alle Gore-Anhänger nach rechts." Eine Zeitlang durften die Gruppen noch versuchen, Leute von der anderen Seite rüberzuziehen. Dann galt's.

Mit deutlicher Mehrheit (41 Prozent) sprachen sich die Anhänger der Republikaner für George W. Bush aus, den Gouverneur von Texas und Sohn des ehemaligen Präsidenten. Überraschend war das Ergebnis nicht. Bushs haushoher Sieg hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Steve Forbes, konservativer Multimillionär und Verleger, erreichte mit sensationellen 30 Prozent Platz zwei. Mit diesem Ergebnis übertraf er die jüngsten Umfragen, die von 20 Prozent ausgegangen waren, überraschend klar. Der afro-amerikanische Talk-Show-Moderator Alan Keyes kam auf den dritten Platz (14 Prozent). Wenig Erfolg hatte der ultrarechte christliche Aktivist Gary Bauer. Gerade mal 9 Prozent der Stimmen entfielen auf ihn. Der große Verlierer des Abends hieß jedoch Orrin Hatch. Der Senator des Bundesstaates Utah schnitt noch schlechter ab als sein Kollege aus Arizona, Senator John McCain, der in Iowa gar nicht erst angetreten war. McCain, der auf nationaler Ebene als der einzige wirklich aussichtsreiche Gegenkandidat zu George W. Bush gilt, konzentriert seinen Wahlkampf auf wichtige Schlüsselstaaten wie New Hampshire, wo kommenden Dienstag die erste geheime Vorwahl stattfindet, und bevölkerungsreiche Staaten wie Kalifornien und New York, wo Anfang März gewählt wird.

In einer ersten Stellungnahme erklärte der strahlende Sieger, der Republikaner Bush, dem Fernsehsender CNN: "Das ist besser, als wir erwartet haben. Es ist ein gewaltiger Sieg. Das Volk hier in Iowa hat gezeigt, was es will: einen Führer, der die verschiedenen Flügel unserer Partei zusammenbringen kann." Dann verriet er auch gleich noch sein Erfolgsgeheimnis: "Meine Frau Laura ist für die Hälfte der Stimmen verantwortlich." Forbes sagte: "Ich könnte nicht glücklicher sein. Es ist eine wichtige Nacht. Wir werden weitermachen. Wir werden weiter Erfolg haben." Auch Keyes zeigte sich zufrieden. "Das ist ein guter Ausgangspunkt für die kommenden Entscheidungen." Hatch hatte bereits im Vorfeld erklärt, sollte er nicht mindestens auf den vierten Platz kommen, werde er eventuell sofort die Konsequenz ziehen und das Rennen quittieren.

Al Gore hat die Nase vorn
AFP

Al Gore hat die Nase vorn

Auch bei den Demokraten blieb die große Überraschung aus. Vizepräsident Al Gore, der in Iowa intensiven Wahlkampf betrieben hatte, erzielte wie erwartet einen deutlichen Sieg. Knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Parteianhänger gaben Gore ihre Stimme. Sein Rivale Bill Bradley kam auf 35 Prozent. "Zuerst möchte ich dem Vizepräsidenten gratulieren. Er hat gezeigt, dass er stark ist. Das soll er in den kommenden Wochen ruhig noch mal zeigen. Wenn er kann", sagte Bradley. Vermutungen, wonach der Wahlkampf für ihn schon gelaufen sein könnte, wischte er einfach weg. In New Hampshire liege er Kopf an Kopf mit Gore. "Ich bin der andere, aber der bessere Kandidat." Der Vizepräsident – zuvor hatte er bereits das Glückwunschtelefonat seines Chefs Bill Clinton entgegengenommen - bedankte sich bei den Wahlhelfern und Wählern für das "hervorragende Ergebnis". Er versprach, der Kampf habe gerade erst begonnen: "We just begun to fight."

Und tatsächlich ist das Rennen noch nicht entschieden. Die jüngste Geschichte hat gezeigt, dass ein Sieg in Iowa noch längst nicht das Ticket ins Weiße Haus garantiert. Keiner der letzten drei amerikanischen Präsidenten - weder Ronald Reagan (1981-89), George Bush (1989-1993) noch Bill Clinton (seit 1993 im Amt) - hatten in Iowa gewonnen.



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