US-Wahlkampf Starmoderator verhöhnt Parkinson-Kranken Michael J. Fox

Der an Parkinson leidende Hollywood-Star Michael J. Fox macht in Videos Wahlwerbung für Demokraten, die sich für die Stammzellenforschung einsetzen. "Alles nur gespielt", sagt der erzkonservative US-Radiomoderator Limbaugh und giftet gegen den Schauspieler.


Hamburg - Es ist nur ein kurzer Auftritt, er dauert knapp 30 Sekunden - und trotzdem hat er in den USA eine Kontroverse ausgelöst. In zwei Videos schaltet sich Michael J. Fox in den US-Wahlkampf ein. Der an Parkinson leidende Schauspieler macht sich darin für die demokratischen Senatskandidaten Ben Cardin (Maryland) und Claire McCaskill (Missouri) stark, die sich für die Forschung an Stammzellen einsetzen - und sich damit im laufenden Kongresswahlkampf klar gegen die Republikaner positionieren.

In den Spots, die auf den Internetseiten der demokratischen Wahlkämpfer Cardin und McCaskill zu sehen sind, sitzt Fox in privater Atmosphäre vor der Kamera. Er trägt ein dunkles Sakko, darunter ein helles Hemd. Während er spricht, wird sein Körper von heftigen Zuckungen geschüttelt, sein Kopf wackelt, mal nach links, dann nach rechts - deutliche Zeichen seiner Parkinson-Erkrankung, die Mitte der neunziger Jahre bei dem Schauspieler diagnostiziert wurde, der mit dem Film "Zurück in die Zukunft" bekannt geworden war.

"Stammzellenforschung gibt Millionen von Amerikanern, die an Diabetes, Alzheimer oder Parkinson erkrankt sind, Hoffnung", sagt Fox in dem Cardin-Video. Die Republikaner unter US-Präsident George W. Bush würden aber der viel versprechenden Stammzellenforschung Grenzen setzen. In dem Video für McCaskill sagt der 45-jährige Fox, die demokratische Politikerin gebe ihm "Hoffnung auf Heilung".

Der konservative Talk-Radio-Star Rush Limbaugh attackierte Fox in seiner Sendung heftig. Es sei das erste Mal, dass er Fox mit sämtlichen Symptomen der Krankheit sehe, sagte er laut einem Bericht der "Washington Post". "Entweder hat er seine Medizin nicht genommen oder er schauspielert", sagte Limbaugh, der mit seiner Sendung rund zehn Millionen Zuhörer erreicht. Fox Auftritt sei "schamlos", giftete Limbaugh. Später entschuldigte sich Limbaugh zwar für seine Äußerungen, erneuerte aber anschließend seine Kritik: Fox lasse seine Krankheit für den Wahlkampf instrumentalisieren, so der Radiomoderator.

John Rogers, Fox' politischer Berater, nannte Limbaughs Kritik der "Washington Post" zufolge "beleidigend und sehr traurig". Auch Ärzte wandten sich gegen die Limbaugh-Kritik. Die Behauptung des Radiomoderatoren sei "lächerlich", sagte der New Yorker Neurochirurg John Boockvar dem US-Sender CNN. Die Parkinson-Expertin Elaine Richman sagte, dass die Bewegungen von Fox deutliche Hinweise auf seine schwere Krankheit seien. Andere Interpretationen seien falsch.

Fox hatte im Jahr 2000 seine Schauspielkarriere beendet und die "Michael J. Fox Stiftung für Parkinson-Forschung" gegründet.

hen



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