US-Wahlkampf Thompson ließ sich von Ex-Drogendealer fliegen

Hilfe von einem zwielichtigen Freund: Der republikanische Ex-Senator Thompson nimmt einem Bericht der "Washington Post" zufolge im Wahlkampf die Hilfe eines früheren Drogenhändlers in Anspruch. Von der kriminellen Vergangenheit seines Beraters will der Präsidentschaftsbewerber nichts gewusst haben.


Washington - Dem US-Republikaner Fred Thompson, Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, steht Ärger ins Haus, weil er das Flugzeug eines ehemaligen Drogendealers für Wahlkampfauftritte nutzte. Der "Washington Post" zufolge gehörte die Maschine dem Geschäftsmann Philip Martin, der sich 1979 schuldig bekannte, sechs Kilogramm Marihuana verkauft zu haben. Martin erhielt damals eine Bewährungsstrafe. Vier Jahre später sei Martin zudem unter anderem wegen Kokainhandels und Verschwörung angeklagt worden.

Ex-Schauspieler Thompson: Gegen Abtreibung, gegen Einwanderung, für den Privatbesitz von Schusswaffen
AFP

Ex-Schauspieler Thompson: Gegen Abtreibung, gegen Einwanderung, für den Privatbesitz von Schusswaffen

Martin soll Thompson auch als Berater und beim Spendensammeln für dessen Kandidatur geholfen haben. Die Flüge mit seiner zweimotorigen Cessna haben Thompson dem Bericht zufolge mehr als 100.000 Dollar während des Wahlkampfs erspart

Das Büro des Politikers teilte mit, Thompson habe von der kriminellen Vergangenheit Martins nichts gewusst. "Bis jetzt war Senator Thompson diese Information unbekannt", sagte seine Sprecherin Karen Hanretty der "Washington Post". "Phil Martin ist seit Mitte der neunziger Jahre ein Freund von Thompson und wird es auch jetzt bleiben." Sein Sprecher Todd Harris erklärte, Martin habe nicht die üblichen Sicherheitsüberprüfungen für Wahlkampfhelfer durchlaufen müssen, weil er ein langjähriger Freund Thompsons sei. Es gebe keinen Wahlkampf in der Welt, in dem die vergangenen 20 Jahre und mehr im Leben eines jeden Helfers überprüft würden.

Ex-Senator Thompson vertritt extrem konservative Positionen. Er ist gegen Abtreibung, gegen Einwanderung, für den Privatbesitz von Schusswaffen, für den Verbleib der US-Truppen im Irak, einen erhöhten Verteidigungshaushalt und für Steuersenkungen.

Als Schauspieler ist er aus der Fernsehserie "Law & Order" sowie aus den Filmen "Stirb langsam 2" und "Jagd auf Roter Oktober" bekannt. Er spielte häufig die Rollen von Regierungschefs und sonstigen Autoritätspersonen. Wegen seiner Schauspielerkarriere wird Thompson von manchen Republikanern auch mit dem früheren US-Präsidenten Ronald Reagan verglichen.

Thompson gehört neben dem früheren New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani und dem Ex-Geschäftsmann und Olympia-Manager Mitt Romney zu den aussichtsreichsten Anwärtern auf die Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner.

Fred Thompson ist nicht der erste Bewerber, dem die kriminelle Vergangenheit eines Helfers Schwierigkeiten macht. Auch Senatorin Hillary Clinton machte Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass einer ihrer Großspender wegen Betrugs verurteilt worden war. Die Demokratin zahlte mehr als 800.000 Dollar zurück, die sie von ihrem Unterstützer Norman Hsu erhalten hatte.

kaz/AFP



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