US-Wahlkampf Warum in Iowa lauter Öko-Ritter aufmarschieren

Die Abstimmung in Iowa heute eröffnet die Serie der US-Vorwahlen - und mancher Kandidat im Rennen um die Präsidentschaft räumt danach vielleicht schon das Feld. Gestritten wird vor allem über die Themen Einwanderung, Wirtschaft und Umweltpolitik.

Aus Des Moines berichtet


Einwanderung: Das älteste und doch zurzeit wieder heißeste innenpolitische Reizthema Amerikas. Die Immigrantennation, in der fast jede Familie ihre Wurzeln in anderen Ländern hat, ringt mehr denn je mit dem ungebremsten Zustrom über ihre Grenzen. Im Gegensatz zu früher stammt der größte Einwandererblock heute aber nicht mehr aus Europa, sondern aus Mittel- und Südamerika. Für fast die Hälfte der 37,5 Millionen gebürtigen Ausländer in den USA ist Spanisch Muttersprache. Allein ein Drittel aller Immigranten kommt aus Mexiko. Viele amerikanische Unternehmen sind auf diese Einwanderer angewiesen, weil sie einfache Arbeiten zu niedrigen Löhnen ausführen. Im Zeitalter der Terrorangst wird der enorme Ansturm nicht registrierter Ausländer zunehmend aber auch als Sicherheitsrisiko gesehen.

Immigrationsbeamtin am Flughafen von Atlanta: Die USA streiten über die Einwanderungsregeln
DPA

Immigrationsbeamtin am Flughafen von Atlanta: Die USA streiten über die Einwanderungsregeln

Rund zwölf Millionen Einwanderer leben illegal in den USA. Wie mit denen zu verfahren ist und die Grenze künftig besser gesichert werden kann, darüber konnte sich Washington dieses Jahr auch nach monatelangem Gerangel nicht einigen. Eine große Einwanderungsreform - Lieblingsprojekt von US-Präsident George W. Bush - scheiterte am Widerstand aus beiden Parteien im Kongress. Das Problem berührt längst alle Gegenden der USA, in denen die Latinos inzwischen die stärkste Minderheit sind: Viele Neuankömmlinge siedeln sich nicht mehr nur in den südlichen US-Bundesstaaten an, sondern sind inzwischen zum Beispiel auch im Vorwahlstaat Iowa im Mittleren Westen zu finden. Dort hat sich die Zahl der Latinos seit 1990 von rund 23.000 auf fast 113.000 vergrößert. Jeder fünfte Bürger in Iowa hält Einwanderung für die "wichtigste Frage" dieses Wahlkampfes.

Kein Wunder, dass alle Kandidaten bei diesem Thema relativ forsche Töne anschlagen, ob Demokraten oder Republikaner. So fordern auch die Demokraten härtere Strafen für Arbeitgeber, die Illegale beschäftigen, sowie Englischzwangsunterricht für Einwanderer. Barack Obama unterstützt Gastarbeiterprogramme, Hillary Clinton lehnt sie ab, beide wollen einen Zaun entlang der mexikanischen Grenze bauen.

Clinton und Obama haben sich überdies bei der Frage verheddert, ob illegale Einwanderer als ersten Schritt zu einer dauerhaften Existenz in den USA Führerscheine beantragen sollten.

Am lautesten zanken sich jedoch die Republikaner in der Einwanderungsdebatte. Mitt Romney, Rudy Giuliani und Mick Huckabee beschuldigen sich gegenseitig, früher Illegale geduldet oder sogar protegiert zu haben - als Gärtner auf seinem Anwesen (Romney), als Bürger im "Schmelztiegel" New York (Giuliani), als Schüler in Arkansas (Huckabee).

Die drastischste Lösung - einen Zaun rund um die USA, der illegale Einwanderer fernhält, die auch keine Chance mehr auf Einbürgerung haben sollen - präsentierte in den Vorwahlen der Kongressabgeordnete Tom Tancredo. Er hat mittlerweile seine Kandidatur zurückgezogen, jedoch mit seinen markigen Parolen die Positionen der anderen Bewerber beeinflusst.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.